Startseite Allgemeines Tödlicher Haiangriff entfacht Debatte über umstrittene Schutznetze in Australien
Allgemeines

Tödlicher Haiangriff entfacht Debatte über umstrittene Schutznetze in Australien

OutdoorPete (CC0), Pixabay
Teilen

Ein tragischer Haiangriff vor der Küste Sydneys hat in Australien eine alte, emotional geführte Debatte neu entfacht – die Frage, ob Schutznetze an Stränden tatsächlich Sicherheit bieten oder mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Der 61-jährige Surfer Glen Butler kennt das Meer seit einem halben Jahrhundert. Fünfzig Jahre lang hat er unzählige Stunden in den Wellen verbracht – ohne große Angst vor Haien. „Man weiß, dass man in ihr Revier eindringt, also ist man vorsichtig“, sagt er im Gespräch mit der BBC.

Doch seine Gelassenheit wurde im vergangenen Monat jäh erschüttert. An einem Samstagmorgen war Butler mit Freunden am beliebten Surfspot Long Reef im Norden Sydneys unterwegs. Nur wenige Minuten nachdem er das Wasser verlassen hatte, wurde sein Freund und Mit-Surfer Mercury Psillakis von einem Weißen Hai tödlich angegriffen.

„Das hat uns tief getroffen“, sagt Butler. Mercury und sein Zwillingsbruder Mike seien fester Bestandteil der lokalen Surfszene gewesen – „man grüßte sich immer, kannte sich vom Strand“.

Alte Debatte, neue Emotionen

Der tödliche Angriff hat die Diskussion über den richtigen Schutz vor Haiangriffen in Australien wiederbelebt – insbesondere im Bundesstaat New South Wales (NSW), wo die Regierung jedes Jahr verschiedene Maßnahmen ergreift, um Badegäste und Surfer zu schützen.

Das umstrittenste Instrument: die Haifangnetze, die zwischen September und April an vielen Stränden ausgelegt werden. Diese sollen Haie davon abhalten, in die Nähe belebter Küstenabschnitte zu schwimmen.

Doch Naturschützer kritisieren das System seit Jahren. Die Netze seien ineffektiv und würden zahlreiche andere Meerestiere töten – darunter Delfine, Schildkröten und harmlose Haiarten. Studien zeigen, dass viele gefährliche Haie die Netze problemlos umschwimmen oder darunter hindurchtauchen können.

Trotzdem halten viele Strandbesucher an den Netzen fest, da sie sich eine zusätzliche Sicherheitsebene wünschen – vor allem nach tragischen Vorfällen wie diesem.

Australien – Hotspot für Haiangriffe

Australien gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Haiattacken. Gleichzeitig leben über 80 Prozent der Bevölkerung an der Küste, und für viele Menschen gehört der tägliche Gang ins Meer – ob zum Schwimmen, Tauchen oder Surfen – einfach zum Lebensstil.

Doch einige spüren, dass dieser Lebensstil zunehmend riskanter wird. Auch Mirek Craney, ein regelmäßiger Schwimmer aus Sydney, beschreibt wachsende Unruhe in der Gemeinschaft.
„Man denkt jetzt öfter nach, bevor man ins Wasser geht“, sagt er. „Früher war das einfach selbstverständlich – heute schaut man zweimal hin.“

Zwischen Sicherheit und Naturschutz

Die Behörden von New South Wales setzen inzwischen auf einen Mix aus traditionellen und modernen Schutzmaßnahmen:

  • Drohnenüberwachung, die Haie aus der Luft erkennt,

  • akustische Sender, die Bewegungen großer Raubfische nachverfolgen,

  • sowie Aufklärungskampagnen für Surfer und Schwimmer.

Doch die Frage, ob Haifangnetze noch zeitgemäß sind, bleibt umstritten. Während Kritiker den Schutz mariner Arten in den Vordergrund stellen, argumentieren Befürworter mit dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung – besonders nach einem Todesfall.

Für Glen Butler bleibt das Meer trotz allem ein Ort der Freiheit und Verbundenheit. Doch der Vorfall habe seine Sicht verändert:

„Man vergisst manchmal, dass das Meer kein Schwimmbad ist. Es erinnert dich daran, dass wir dort nur Gäste sind.“

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

FBI vereitelt möglichen Terroranschlag an Silvester in North Carolina

Das FBI hat einen mutmaßlich geplanten Terroranschlag auf einen Supermarkt an Silvester...

Allgemeines

Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime (Bautzen): „Der Fall V+ Fonds 1 ist ein Paradebeispiel für strukturelles Versagen“

Redaktion: Herr Reime, die Liquidation des V+ Fonds 1 läuft nun schon...

Allgemeines

Satt, aber pleite: Die neue Diät heißt „Zahle dich schlank“

Die Abnehmspritze ist da – und zwar nicht nur in Ihrer Bauchfalte,...

Allgemeines

Trump und „seine“ Wirtschaft – Der Moment der Verantwortung

🧾 Hintergrund Mit dem bevorstehenden Wechsel an der Spitze der US-Notenbank (Federal...