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The Social Reckoning: Facebook steht erneut vor Gericht – doch der Film bleibt erstaunlich blass

SavageGraphics (CC0), Pixabay
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Sechzehn Jahre nach „The Social Network“ kehrt Facebook auf die große Kinoleinwand zurück.

Diesmal geht es allerdings nicht mehr um die Gründungsgeschichte des sozialen Netzwerks, um zerstrittene Harvard-Studenten oder um die ersten Milliarden.

„The Social Reckoning“ beschäftigt sich mit einer wesentlich größeren Frage:

Was hat Facebook mit unserer Gesellschaft gemacht?

Im Mittelpunkt stehen interne Dokumente, eine Whistleblowerin und ein Journalist, der versucht, die Schattenseiten des Konzerns öffentlich zu machen.

Das klingt nach einem Politthriller.

Nach Enthüllungen.

Nach einem Film über Macht, Manipulation und die enorme gesellschaftliche Verantwortung sozialer Netzwerke.

Doch genau diese Spannung scheint dem Film nach der vorliegenden Kritik weitgehend zu fehlen.

Aaron Sorkin übernimmt diesmal selbst die Regie

Schon „The Social Network“ aus dem Jahr 2010 wurde von Aaron Sorkin geschrieben.

Damals führte David Fincher Regie.

Der Film wurde zu einem enormen Erfolg, gewann drei Oscars und erhielt insgesamt acht Nominierungen.

In „The Social Reckoning“ übernimmt Sorkin nun nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Regie.

Und genau darin könnte einer der entscheidenden Unterschiede liegen.

Während „The Social Network“ selbst aus juristischen Streitigkeiten und Computerprogrammierung einen beinahe elektrisierenden Film machte, wirkt der neue Film nach Einschätzung der Kritik wesentlich behäbiger.

Das Thema ist größer.

Der Film selbst offenbar kleiner.

Jeremy Strong spielt Mark Zuckerberg

Auch beim Hauptdarsteller gibt es einen deutlichen Wechsel.

Jesse Eisenberg hatte Mark Zuckerberg im ersten Film als arroganten, hochintelligenten und gleichzeitig verletzlichen jungen Unternehmer dargestellt.

Nun übernimmt Jeremy Strong die Rolle.

Bekannt ist Strong vor allem aus der Serie „Succession“.

Sein Zuckerberg wird als kühl, verschlossen und nahezu emotionslos dargestellt.

Ein mächtiger Unternehmenschef, der kaum menschliche Regungen zeigt.

Interessanterweise steht Zuckerberg diesmal jedoch gar nicht im Zentrum der Handlung.

Er ist eher eine Nebenfigur.

Die eigentliche Geschichte gehört einer Whistleblowerin

Im Mittelpunkt steht die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen.

Sie wird von Mikey Madison gespielt.

Die Handlung setzt im Jahr 2019 ein.

Der Journalist Jeff Horwitz, gespielt von Jeremy Allen White, wechselt in das Büro des Wall Street Journal in San Francisco.

Er will herausfinden, was innerhalb von Facebook tatsächlich passiert.

Doch Mitarbeiter des Konzerns wollen zunächst nicht mit ihm sprechen.

Dann trifft er Frances Haugen.

Sie arbeitet im Bereich Civic Integrity des Unternehmens und verfügt über interne Informationen.

Bei geheimen Treffen beginnt sie, dem Journalisten Material zuzuspielen.

Der Verdacht: Facebook wusste von den Problemen

Die interne Forschung des Konzerns spielt dabei eine zentrale Rolle.

Im Film wird unter anderem thematisiert, dass Facebook beziehungsweise das zum Konzern gehörende Instagram Erkenntnisse über mögliche negative Auswirkungen auf Jugendliche hatte.

Besonders eindrücklich ist eine im Film aufgegriffene interne Untersuchung.

Demnach sollen 32 Prozent der befragten jugendlichen Mädchen, die bereits Probleme mit ihrem Körperbild hatten, angegeben haben, dass Instagram diese Gefühle verschlimmert habe.

Hinzu kommen Vorwürfe, dass Nutzer durch Empfehlungsmechanismen immer tiefer in extreme Gruppen und radikale Inhalte geführt worden seien.

Damit berührt der Film Fragen, die bis heute relevant sind:

Welche Verantwortung tragen Plattformen für Inhalte, die ihre Algorithmen empfehlen?

Was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen mit der psychischen Gesundheit von Nutzern kollidieren?

Und wie viel wusste die Führung eines Konzerns über mögliche negative Folgen?

Eigentlich der perfekte Stoff für einen Thriller

Die Zutaten wären vorhanden.

Eine Whistleblowerin.

Interne Dokumente.

Ein mächtiger Technologiekonzern.

Milliarden Nutzer.

Ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit.

Und ein Vorstandsvorsitzender, der sich politischen Anhörungen stellen muss.

Der Film möchte offenbar in der Tradition großer journalistischer Enthüllungsfilme wie „All the President’s Men“ oder „Spotlight“ stehen.

Doch genau hier liegt nach der Kritik das Problem.

Die Spannung entsteht kaum.

Niemand bedroht die Journalisten.

Niemand verfolgt die Whistleblowerin.

Es gibt keine unmittelbare Gefahr.

Die Figuren sprechen zwar immer wieder darüber, dass ihre Recherchen gefährlich sein könnten.

Doch im Film passiert offenbar nur wenig, was dieses Gefühl tatsächlich vermittelt.

Zwei Handlungsstränge laufen nebeneinander

Sorkin erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen.

In der einen Handlung treffen sich Horwitz und Haugen immer wieder.

Sie übergibt ihm Informationen, erklärt zunächst regelmäßig, dass sie eigentlich nicht weiterhelfen wolle – und tut es anschließend doch.

Parallel dazu bereitet sich Mark Zuckerberg auf eine Anhörung im US-Senat vor.

Seine Berater versuchen, ihn auf den Auftritt vorzubereiten.

Dabei entstehen einige der humorvolleren Momente des Films.

Zuckerberg soll lernen, weniger mechanisch und weniger distanziert zu wirken.

Doch das grundsätzliche dramaturgische Problem bleibt:

Beide Handlungsstränge verbinden sich kaum.

Zuckerberg begegnet weder dem Journalisten noch der Whistleblowerin direkt.

Damit fehlt dem Film offenbar genau die Konfrontation, auf die man als Zuschauer wartet.

Facebook existiert weiter – und Zuckerberg ist weiterhin Milliardär

Ein weiteres Problem lässt sich kaum lösen.

Das Publikum kennt den Ausgang der Geschichte.

Facebook existiert weiterhin.

Meta gehört nach wie vor zu den mächtigsten Technologieunternehmen der Welt.

Mark Zuckerberg verfügt weiterhin über ein Vermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Damit fehlt dem Film der klassische Triumph der Enthüller.

Es gibt keinen Moment, in dem der mächtige Konzern zusammenbricht.

Keinen Präsidenten, der zurücktritt.

Keinen Unternehmenschef, der am Ende alles verliert.

Die Enthüllungen sind bedeutend.

Aber die Machtverhältnisse bleiben weitgehend bestehen.

Das nimmt einem Film dieser Art zwangsläufig einen Teil seiner dramatischen Wirkung.

Der Titel verspricht eine Abrechnung, die offenbar nicht stattfindet

„The Social Reckoning“ lässt sich sinngemäß als „Die gesellschaftliche Abrechnung“ übersetzen.

Der Titel verspricht deshalb viel.

Vielleicht sogar zu viel.

Denn eine wirkliche Abrechnung mit Facebook findet offenbar kaum statt.

Der Konzern wird kritisiert.

Interne Probleme werden offengelegt.

Die Macht sozialer Netzwerke wird infrage gestellt.

Doch am Ende bleibt Facebook Facebook.

Und Mark Zuckerberg Mark Zuckerberg.

Das vielleicht größte Problem: Der Film überzeugt niemanden neu

Gerade darin liegt nach der vorliegenden Rezension die größte Schwäche.

Menschen, die Facebook und soziale Netzwerke bereits kritisch sehen, werden sich bestätigt fühlen.

Menschen, die den Vorwürfen skeptisch gegenüberstehen, dürften durch den Film kaum ihre Meinung ändern.

Und Menschen, die sich bislang wenig mit diesem Thema beschäftigt haben, könnten einen Film erleben, der wichtige Fragen stellt, diese aber nicht mit genügend Spannung erzählt.

Ironischerweise handelt „The Social Reckoning“ davon, wie soziale Medien unsere Aufmerksamkeit beeinflussen.

Doch die Kritik kommt zu dem Schluss, dass manche Zuschauer während des Films wahrscheinlich selbst zum Smartphone greifen könnten.

Auffällige Besetzung

Trotz der Kritik ist das Ensemble prominent.

Jeremy Strong spielt Mark Zuckerberg.

Mikey Madison übernimmt die Rolle von Frances Haugen.

Jeremy Allen White verkörpert den Journalisten Jeff Horwitz.

Der Film hat eine Laufzeit von einer Stunde und 52 Minuten.

Der Kinostart in den USA und Großbritannien ist für den 9. Oktober vorgesehen.

Ein Film über ein gewaltiges Thema

Dabei sollte man die Bedeutung des Stoffes nicht unterschätzen.

Die Diskussion über soziale Netzwerke hat sich seit „The Social Network“ grundlegend verändert.

2010 ging es vor allem um die Entstehung eines Unternehmens.

Heute geht es um dessen gesellschaftliche Macht.

Um Algorithmen.

Um politische Radikalisierung.

Um Jugendliche.

Um psychische Gesundheit.

Um Desinformation.

Und um die Frage, wie viel Einfluss einige wenige Technologieunternehmen auf Milliarden Menschen besitzen.

Das ist möglicherweise eine der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit.

Fazit: Große Fragen, aber offenbar zu wenig filmische Wucht

„The Social Reckoning“ hätte ein enorm kraftvoller Film werden können.

Die Geschichte einer Whistleblowerin, die interne Geheimnisse eines der mächtigsten Unternehmen der Welt offenlegt, bietet eigentlich alles, was ein moderner Polit- und Wirtschaftsthriller benötigt.

Doch genau diese Spannung scheint der Film nicht konsequent zu entwickeln.

Die Figuren reden viel über Gefahren.

Die tatsächliche Gefahr bleibt jedoch abstrakt.

Mark Zuckerberg wirkt distanziert.

Die investigative Arbeit besteht überwiegend aus Gesprächen und dem Austausch von Informationen.

Und die große Konfrontation bleibt aus.

Das Ergebnis scheint deshalb ein Film zu sein, der wichtige Fragen stellt, aber nur selten wirklich packt.

Vielleicht liegt darin sogar eine gewisse Ironie.

Ein Film über die enorme Fähigkeit sozialer Netzwerke, unsere Aufmerksamkeit zu kontrollieren, schafft es offenbar selbst nicht immer, genau diese Aufmerksamkeit festzuhalten.

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