Zwei Tote, Hunderte Rettungseinsätze und Flüsse, die offenbar beschlossen haben, Straßen mitzubenutzen
Im texanischen Hill Country hat es erneut katastrophale Überschwemmungen gegeben. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, Hunderte mussten aus Häusern, Fahrzeugen und überfluteten Gebieten gerettet werden.
Die Region war bereits im Juli 2025 von einer verheerenden Flut getroffen worden, bei der mehr als 130 Menschen starben. Ein gutes Jahr später heißt es nun wieder: Rekordregen, Rekordpegel und die dringende Empfehlung, Straßen nicht mit Flüssen zu verwechseln.
Zwei Fuß Regen – weil Zentimeter offenbar nicht dramatisch genug waren
In einigen Gebieten fielen innerhalb weniger Tage fast zwei Fuß Regen. Das entspricht rund 60 Zentimetern Wasser, das sich der Himmel offenbar vorgenommen hatte, möglichst ohne Pause abzuliefern.
In Leakey wurden seit Montagnachmittag 23,37 Inch Niederschlag gemessen. In Kerrville, das bereits bei der Flutkatastrophe 2025 schwer getroffen worden war, kamen mehr als 20 Inch zusammen.
Besonders betroffen waren die Countys Uvalde, Kinney, Bandera, Kerr und Gillespie. Dort fielen verbreitet zwischen sechs und 13 Inch Regen.
Für Menschen, die mit dem amerikanischen Maßsystem Schwierigkeiten haben, lautet die vereinfachte Übersetzung:
Sehr viel. Deutlich zu viel. Und es kommt möglicherweise noch mehr.
Flüsse brechen Rekorde, die niemand aufstellen wollte
Der Guadalupe, der Nueces und der Frio traten über die Ufer oder erreichten beinahe historische Höchststände.
Der Nueces River bei Uvalde stieg auf vorläufig gemessene 28,01 Fuß und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 1996 deutlich.
Nach Angaben des texanischen Gouverneurs Greg Abbott führte der Fluss zeitweise eine Wassermenge, die etwa dem Doppelten der Niagarafälle entsprechen sollte.
Eine beeindruckende Naturleistung – allerdings an einem Ort, an dem niemand Eintrittskarten für ein Wasserfallspektakel verkauft.
Straßen wurden überschwemmt, Bäume entwurzelt und Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen. Aufnahmen zeigten Autos, die nicht mehr am Verkehr teilnahmen, sondern am Schiffsverkehr.
Mindestens zwei Menschen sterben
Mindestens zwei Menschen kamen bei den Überschwemmungen ums Leben.
Ein Mann starb, nachdem ein Wohnmobil nahe der Stadt Comfort von den Wassermassen fortgerissen worden war. Eine Frau wurde bei Uvalde in ihrem Fahrzeug von der Strömung erfasst.
Eines der Opfer war nach Angaben seiner Familie der 65-jährige John Mark Steward aus Kerrville. Seine Ehefrau berichtete, ihr gemeinsames Mobilheim sei weggeschwemmt worden, während sie ihre Eltern besuchte.
Die persönlichen Schicksale zeigen, dass hinter Pegelständen und Niederschlagsrekorden Menschen stehen, die innerhalb weniger Minuten ihr Zuhause oder ihr Leben verlieren können.
Mehr als 230 Wasserrettungen
Seit Beginn der Überschwemmungen führten Einsatzkräfte mehr als 230 Wasserrettungen durch.
Rund 2.350 Helfer waren im Einsatz. Zur Verfügung standen etwa 1.400 Fahrzeuge, darunter Hubschrauber, Rettungsboote und Spezialfahrzeuge, die auch in tiefem Wasser eingesetzt werden können.
Die Texas Game Wardens retteten Menschen aus Häusern, überfluteten Autos und von Straßen, die inzwischen nur noch aus Gewohnheit als Straßen bezeichnet wurden.
Videoaufnahmen zeigten unter anderem einen Helfer, der ein kleines Kind mit Schwimmweste und Taucherbrille durch das Hochwasser zu einem Boot trug.
Die Taucherbrille war vermutlich nicht Teil der ursprünglichen Tagesplanung.
59 Countys unter Hochwasserwarnung
In insgesamt 59 texanischen Countys galten Hochwasserwarnungen.
Die Behörden forderten die Bevölkerung eindringlich auf, nicht über überflutete Straßen zu fahren. Diese Warnung wird bei nahezu jeder Flut ausgesprochen – und bei nahezu jeder Flut gibt es Menschen, die dennoch testen möchten, ob ihr Geländewagen möglicherweise auch ein U-Boot ist.
Die Antwort lautet in den meisten Fällen:
Nein.
Bereits wenige Zentimeter schnell fließendes Wasser können ein Fahrzeug verschieben. Bei höheren Wasserständen verlieren selbst schwere Autos den Bodenkontakt und werden mitgerissen.
Der bekannte Warnsatz der US-Behörden lautet deshalb: „Turn around, don’t drown.“
Auf Deutsch: Umdrehen, statt darauf zu hoffen, dass die Bedienungsanleitung irgendwo einen geheimen Amphibienmodus erwähnt.
Erinnerungen an die Katastrophe von 2025
Die neue Flut ereignete sich etwas mehr als ein Jahr nach der Katastrophe vom 4. Juli 2025.
Damals trat der Guadalupe River nach schweren Regenfällen über die Ufer. Mehr als 130 Menschen starben, darunter 28 Personen in einem christlichen Ferienlager für Mädchen.
Nach dieser Katastrophe wurden neue Warnsysteme installiert. Diese kamen bei den aktuellen Überschwemmungen zum Einsatz.
Gouverneur Abbott erklärte, die Erkenntnisse aus dem Vorjahr hätten geholfen, diesmal eine noch größere Katastrophe zu verhindern. Mehr als 80 Menschen seien frühzeitig von Campingplätzen in Flussnähe in Sicherheit gebracht worden.
Das ist ein Fortschritt. Gleichzeitig bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass moderne Warnsysteme zwar Menschen retten, aber weder Rekordregen stoppen noch Wohnmobile schwimmfähig machen können.
Die nächste Regenfront wartet bereits
Meteorologen warnten vor weiteren heftigen Niederschlägen. Ein nur langsam weiterziehendes Wettersystem könnte die Lage erneut verschärfen.
Langsam ziehende Unwetter sind besonders gefährlich, weil sie große Regenmengen über derselben Region abladen. Der Himmel fährt dabei gewissermaßen nicht weiter, sondern bleibt stehen und hält den Gartenschlauch auf dieselbe Stelle.
Für die Bewohner des Texas Hill Country bedeutet das: Warnmeldungen verfolgen, tiefer gelegene Gebiete meiden und Evakuierungsanweisungen ernst nehmen.
Wer an einem Fluss lebt, sollte nicht darauf vertrauen, dass ein Pegelrekord aus dem Jahr 1996 für immer Bestand hat. Der Nueces River hat bereits bewiesen, dass er historische Statistiken eher als persönliche Herausforderung betrachtet.
Fazit
Texas erlebt erneut eine schwere Flutkatastrophe. Zwei Menschen sind gestorben, Hunderte wurden gerettet und zahlreiche Häuser, Straßen und Fahrzeuge beschädigt.
Die neuen Warnsysteme und der massive Einsatz der Rettungskräfte konnten offenbar Schlimmeres verhindern. Dennoch bleibt die Region gefährdet, solange weiterer Starkregen angekündigt ist.
Die wichtigste Regel lautet deshalb weiterhin:
Wenn eine Straße wie ein Fluss aussieht, ist sie im Zweifel gerade auch einer.
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