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Texas: Gericht stoppt Hinrichtung von Robert Roberson – Zweifel an „Shaken Baby Syndrom“

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Eine Woche vor dem geplanten Hinrichtungstermin hat das höchste Strafgericht in Texas, das Texas Court of Criminal Appeals, am 9. Oktober 2025 die Vollstreckung der Todesstrafe gegen Robert Roberson gestoppt. Grund ist die wachsende Kritik an der wissenschaftlichen Grundlage der ursprünglichen Verurteilung: dem sogenannten „Shaken Baby Syndrome“ (SBS).

Hintergrund: Was ist passiert?

Roberson wurde 2003 zum Tode verurteilt, weil er laut Anklage seine zweijährige Tochter Nikki zu Tode geschüttelt haben soll. Die Tat soll sich im Jahr 2002 in der texanischen Stadt Palestine ereignet haben. Roberson selbst erklärte, das Kind sei nachts aus dem Bett gefallen. Morgens fand er sie nicht mehr atmend auf.

Damals diagnostizierten Ärzte Hirnschäden, was zu der Annahme führte, es handle sich um SBS. Diese Theorie wird inzwischen jedoch stark angezweifelt. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Nikki schwer krank war: Sie litt unter Pneumonie, einer Sepsis und hatte veraltete Medikamente im Blut, die heute für Kinder verboten sind.

Gericht: „Todesstrafe ist endgültig – höchste Beweissicherheit nötig“

Das Gericht erklärte in seiner Entscheidung, dass die damalige medizinische Grundlage überholt sei.

„Ein Todesurteil ist endgültig – und wenn es einmal vollstreckt ist, hilft auch kein späterer Zweifel mehr“, heißt es in der Begründung.
Daher brauche es höchste Genauigkeit bei den Beweisen.

Wer kämpft für Roberson?

  • Seine Anwältin, Gretchen Sween, erklärte, Nikki sei an natürlichen Ursachen gestorben – nicht durch Misshandlung.

  • Der leitende Ermittler im Fall, Brian Wharton, gab öffentlich zu:

    „Wir lagen falsch. Wir hatten schlechte Informationen.“
    Er besucht Roberson inzwischen regelmäßig im Gefängnis und nennt ihn einen Freund.

  • Dutzende republikanische Abgeordnete, darunter Jeff Leach und Lacey Hull, setzen sich für Roberson ein – obwohl sie die Todesstrafe grundsätzlich unterstützen.

  • Sogar Bestseller-Autor John Grisham engagiert sich in dem Fall.

Staatsanwaltschaft hält dagegen

Die Generalstaatsanwaltschaft von Texas vertritt weiterhin die Auffassung, dass Roberson seine Tochter getötet hat – nicht nur durch Schütteln, sondern durch weitergehende Gewalt.
Sie kritisiert den Einsatz von Politikern als „verfassungswidrigen Eingriff“ in die Justiz.

Wie geht es weiter?

Das Verfahren wird nun an ein erstinstanzliches Gericht zurückverwiesen, wo neue Anhörungen stattfinden sollen. Wann genau das geschieht, ist unklar – es könnte Monate oder Jahre dauern.

Fazit: Hoffnung für Roberson, Zweifel an der Todesstrafe

Der Fall zeigt beispielhaft, wie gefährlich es sein kann, medizinische Theorien als unumstößlich anzusehen – besonders wenn es um Leben und Tod geht. Viele Beobachter sehen im Stopp der Hinrichtung ein Zeichen für mehr Rechtsstaatlichkeit und einen kritischeren Umgang mit überholten Beweismethoden im amerikanischen Justizsystem.

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