In Tennessee soll erstmals seit mehr als zwei Jahrhunderten wieder eine Frau hingerichtet werden. Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates hat den 30. September 2026 als Hinrichtungstermin für die heute 49-jährige Christa Gail Pike festgesetzt.
Pike wurde 1996 wegen Mordes an einer gleichaltrigen Rivalin im Jahr 1995 zum Tode verurteilt. Sie war damals erst 18 Jahre alt. Gemeinsam mit zwei Mittätern lockte sie ihre Mitschülerin Colleen Slemmer in ein Waldstück in Knoxville, wo es zu einer stundenlangen und grausamen Tat kam, die damals landesweit für Schlagzeilen sorgte. Laut Gerichtsunterlagen wurde das Opfer geschlagen, mit einem Messer und einem schweren Stein verletzt und getötet. Besonders makaber: Pike prahlte später gegenüber anderen Schülern mit ihrer Tat.
Eine seltene Ausnahme
Sollte das Urteil vollstreckt werden, wäre Pike die erste Frau seit über 200 Jahren, die in Tennessee hingerichtet wird – und die 19. Frau in der modernen US-Rechtsgeschichte seit 1976. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 1.623 Männer und nur 18 Frauen exekutiert. Frauen machen damit nur rund ein Prozent aller Hinrichtungen aus.
Der letzte bekannte Fall in Tennessee liegt mehr als zwei Jahrhunderte zurück: Damals wurden zwischen 1807 und 1819 drei Frauen gehängt, darunter auch Sklavinnen, die möglicherweise zu Unrecht verurteilt waren.
Pike heute
In einem Brief an eine Zeitung bekannte sich Pike später zu ihrer Schuld und betonte, dass sie heute ein anderer Mensch sei. Sie verwies auf ihre damalige psychische Erkrankung und eine von Gewalt und Missbrauch geprägte Kindheit. Ihre Anwälte argumentieren, dass sie unter heutigen rechtlichen Maßstäben wohl nicht mehr zum Tode verurteilt würde. Stattdessen fordern sie eine Umwandlung in lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung.
Pike verbrachte fast drei Jahrzehnte in Einzelhaft als einzige Frau im Todestrakt Tennessees. Erst in den vergangenen Jahren durfte sie eingeschränkt am Gefängnisalltag teilnehmen.
Angehörige des Opfers
Die Familie des Opfers zeigt sich dagegen weiterhin entschlossen. Die Mutter von Colleen Slemmer bekräftigte, sie wolle mit der Hinrichtung endlich einen Schlussstrich ziehen und ihre Tochter „zur Ruhe kommen lassen“.
Hintergrund
In den USA hat die Zahl der Hinrichtungen zuletzt wieder zugenommen: 2025 wurden bereits 34 Menschen exekutiert, so viele wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Neun weitere Termine stehen dieses Jahr noch an.
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