Startseite Allgemeines Teherans neues Casting: Wer darf mit Trump telefonieren?
Allgemeines

Teherans neues Casting: Wer darf mit Trump telefonieren?

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
Teilen

In Washington scheint man den Iran inzwischen zu behandeln wie eine Mischung aus Regimewechsel-Simulation und Reality-TV-Format. Titel der Show: „Iran’s Next Top Leader“. Juror: Donald Trump. Preis: ein Gespräch mit dem Weißen Haus – oder wahlweise ein Drohnenüberflug.

Der neueste Name auf der Gerüchteliste: Mohammed-Bagher Ghalibaf, Parlamentspräsident, Ex-General, Ex-Polizeichef, Ex-Bürgermeister von Teheran, dreimal gescheiterter Präsidentschaftskandidat – also politisch genau der Typ, den man in Krisenzeiten gern „stabil“ nennt, solange man seine Vita nicht zu genau liest.

Laut US-Medien gilt Ghalibaf in Teilen des Weißen Hauses als „heiße Option“ für die nächste Verhandlungsrunde mit der „neuen Führung“ des Iran. Welche neue Führung genau gemeint ist, verriet Trump wie üblich nicht. Wahrscheinlich dieselbe, die gestern noch nicht existierte und morgen offiziell dementiert wird.

In Teheran reagiert man erwartbar empört. Staatsmedien sprechen von einer „psychologischen Operation“. Das ist in der Sprache autoritärer Systeme die elegante Umschreibung für: „Bitte nicht öffentlich darüber reden, wen wir intern gerade selbst nicht ausschließen.“

Ghalibaf ist tatsächlich eine bemerkenswerte Figur. Einer dieser seltenen Funktionäre, die im iranischen Machtapparat überall schon einmal zuständig waren: Krieg, Polizei, Parlament, Stadtverwaltung, Repression. Menschenrechtsorganisationen werfen ihm seit Jahren vor, bei der Niederschlagung von Protesten eine Schlüsselrolle gespielt zu haben. In normalen Demokratien wäre das eine Hypothek. Im Nahen Osten ist es eher eine Beförderungsqualifikation.

Pragmatiker nennen ihn einen Hardliner mit flexibler Seite. Kritiker würden sagen: ein Mann, der weiß, wie man Ordnung schafft – notfalls ohne Rücksicht auf Menschen, Recht oder schlechte Presse. Also genau die Sorte „verlässlicher Partner“, die in geopolitischen Notlagen plötzlich erstaunlich beliebt wird.

Nur: Wer im Iran wirklich das Sagen hat, entscheidet sich nicht in Washington, nicht auf X und schon gar nicht in einem Politico-Briefing. Die Macht folgt dort keiner Pressestrategie, sondern Revolutionsgarden, Familiennetzwerken und der alten Regel autoritärer Systeme: Wer sichtbar ist, ist nicht automatisch sicher.

Und während westliche Beobachter Ghalibaf schon zum nächsten Ansprechpartner erklären, hat Teheran mit Mohammed Bagher Solghadr bereits den Sicherheitsrat neu besetzt – ein Ex-General, dessen Ernennung weniger nach Verhandlung klingt als nach der diplomatischen Version von: „Wir sprechen später. Vielleicht.“

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Ölkrise in Asien: Marcos verspricht den Philippinen einen „Fluss von Öl“

Wenn ein Präsident seinem Land in der Krise öffentlich einen „Fluss von...

Allgemeines

„Ruhestand in 15 Minuten? Anleger sollten bei solchen Werbeversprechen sehr genau hinsehen“

Ein Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime zur Werbung von Fisher Investments Redaktion:...

Allgemeines

Erst Iran bombardieren, dann in Peking auf Staatsmann machen

Donald Trump reist im Mai nach China. Am 14. und 15. Mai...

Allgemeines

Trump, Iran und der Tankstellenwahlkampf: Wenn Außenpolitik an der Zapfsäule scheitert

Donald Trump wollte Stärke demonstrieren, Entschlossenheit zeigen, Weltpolitik machen. Herausgekommen ist bislang...