Der neue Superman-Film ist ein Kassenschlager – und zugleich ein Politikum. Regisseur James Gunn sorgt mit einer alten, aber offenbar immer noch provokanten Deutung seines Superhelden für Diskussionen: Superman sei ein Einwanderer, sagte er gegenüber der Times of London – und löste damit Empörung bei konservativen Medien und Kommentatoren aus.
„Superman ist die Geschichte Amerikas“, so Gunn. „Ein Einwanderer, der aus einem anderen Ort kam und dieses Land mitgeprägt hat. Vor allem aber geht es um Menschlichkeit – ein Wert, den wir verloren haben.“
Rechte Stimmen empört: „Superwoke“ Kino
Vor allem rechtsgerichtete Stimmen reagieren empfindlich auf Gunns Aussage. Der Sender Fox News titelte „Superwoke“, Ex-Trump-Beraterin Kellyanne Conway warf dem Film „ideologische Belehrung“ vor, und Schauspieler Dean Cain, einst selbst TV-Superman, warnte bei TMZ vor einem möglichen Imageschaden durch politisierte Aussagen.
Doch der wirtschaftliche Erfolg bleibt bisher ungebrochen: Mit 122 Millionen US-Dollar Einspielergebnis am Startwochenende dominiert der Film die Kinocharts.
Experten: Superman war schon immer ein Einwanderer – und Held der Unterdrückten
Für Comic-Experten und Historiker ist Gunns Aussage alles andere als neu. Der Literaturwissenschaftler Danny Fingeroth, Autor von Superman on the Couch, betont: „Seit seiner ersten Veröffentlichung 1938 ist Superman ein Flüchtling von einem zerstörten Planeten – ein Einwanderer aus Notwendigkeit, kein Tourist.“
Die Figur wurde von Jerry Siegel und Joe Shuster geschaffen, beides Kinder jüdischer Einwanderer, die der Antisemitismus aus Europa vertrieben hatte. Schon früh kämpfte Superman auf Comic-Seiten gegen Nazis, korrupte Politiker und für Ausgebeutete – lange bevor die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten.
Für viele ein Symbol – gerade in heutigen Zeiten
Immigrationsforscher, Studierende und Aktivisten sehen in Superman seit Langem ein Symbol für das Einwanderungserbe Amerikas. Schon 2013 rief die Organisation Define American mit dem Hashtag #SupermanIsAnImmigrant zu einer Social-Media-Kampagne auf.
Initiator Jose Antonio Vargas, selbst einst ohne Papiere in den USA, sagt: „Dieser Film bringt Menschen dazu, über Einwanderung zu reden – auch solche, die das sonst nie tun. Und genau darum geht es.“
Aber: Superman ist wandelbar – je nach Zeitgeist
Nicht in jeder Superman-Adaption spielt die Einwanderungsgeschichte eine große Rolle. Manchmal ist er einfach der Held aus Kansas oder Metropolis. Doch genau diese Wandlungsfähigkeit, sagt Fingeroth, mache ihn für so viele Menschen greifbar – vom Patriot bis zum Rebellen.
„Jede Generation macht Superman zu ihrem eigenen Helden. Und gerade deshalb regen sich jetzt so viele über ihn auf.“
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