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Südkoreas „Robo-Omas“: Wenn Plüschroboter die Einsamkeit der Ältesten lindern sollen

jorono (CC0), Pixabay
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Südkorea kämpft mit einer tiefgreifenden sozialen und demografischen Krise – und setzt nun auf eine ungewöhnliche Maßnahme: plüschige, KI-gesteuerte „Robo-Großmütter“, die älteren Menschen Gesellschaft leisten und ihre psychische Gesundheit stabilisieren sollen.

Die niedlichen Puppen wirken auf den ersten Blick wie Spielzeug: große Augen, freundliche Stimmen, bunte Kleidung. Doch im Inneren stecken Sensoren, Mikrofone und künstliche Intelligenz. Entwickelt wurden sie vom Unternehmen Hyodol, das die Roboter als Antwort auf eine dramatische Entwicklung positioniert.

Eine Krise, die Leben kostet

Jeden Tag sterben in Südkorea etwa zehn ältere Menschen durch Suizid. Eine Studie im Journal of the Korean Medical Association aus dem Juni 2025 beschreibt die Lage als „anhaltend alarmierend“. Südkorea hat innerhalb weniger Jahrzehnte den Sprung zur sogenannten „super-aged society“ gemacht: Über 10 Millionen Menschen sind heute 65 Jahre oder älter – das sind rund 20 Prozent der Bevölkerung.

Doch der Staat war auf diesen Wandel kaum vorbereitet. Professorin Othelia E. Lee von der University of North Carolina erklärt:
„Die Veränderung ging so schnell, dass es kaum Zeit gab, ein ausreichendes Renten- und Unterstützungssystem aufzubauen. Viele ältere Menschen sind schlicht auf sich allein gestellt.“

Erosion der Tradition – und bittere Folgen

Früher lebten mehrere Generationen unter einem Dach, Familie war das soziale Sicherheitsnetz. Heute gilt das Gegenteil:

  • Nur noch wenige Großfamilien

  • Eine stark individualisierte Gesellschaft

  • Jeder dritte Senior lebt allein

Isolation, finanzielle Sorgen und das Gefühl, zur Last zu fallen, führen direkt zu Depressionen – und oft zu tragischen Entscheidungen.

Wenn Roboter zu Pflegekräften werden

Hyodol-Roboter sollen genau hier eingreifen. Sie sind darauf ausgelegt, rund um die Uhr bei alleinlebenden Seniorinnen und Senioren zu bleiben. Ihre Funktionen gehen weit über bloße Unterhaltung hinaus:

  • emotionale Unterstützung durch Gespräche und Erinnerungen

  • Überwachung von Aktivität und Gesundheit

  • Notfallmeldungen an Angehörige

  • Erinnerungen an Medikamente und Tagesabläufe

  • Verbindung zu einer App für Pflegekräfte und Familien

Für eine ältere Frau fühlt sich der Roboter „wie ein Enkelkind an, das nie vergisst, nach mir zu fragen“, erklärt das Unternehmen.

Ein Land sucht verzweifelt Entlastung

Die Regierung betrachtet die Technologie als Chance, Lücken im überlasteten Sozialsystem zu schließen. Angesichts massiver Arbeitskräftemängel in der Pflegebranche wächst der Druck, innovative Lösungen zu finden.

Doch Experten warnen auch: Technische Geräte können menschliche Nähe ersetzen – aber nie vollständig. Und sie dürfen nicht zum Freibrief werden, notwendige soziale und staatliche Unterstützungsstrukturen weiter auszudünnen.

Fazit: Hilfe aus Baumwolle und Schaltkreisen

Südkorea zeigt gerade, wie weit gesellschaftliche Veränderungen ein Land treiben können – und wie Technologie zum Rettungsanker wird. Die „Robo-Omas“ mögen ungewöhnlich wirken, aber sie treffen einen Nerv:
Sie schenken Menschen, die sonst niemanden haben, ein kleines Stück Nähe – und manchmal reicht das, um weiterzumachen.

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