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Strom und Saat vereint – Deutschlands erster senkrechter Solarpark startet in Dörverden

IntelligentVisualDesing (CC0), Pixabay
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In Dörverden im Landkreis Verden wird das, worüber Landwirte und Energieexperten seit Jahren diskutieren, nun Realität: Ackerbau und Solarstrom schließen sich nicht länger aus – sie arbeiten zusammen. Mit dem Start des ersten senkrechten Solarparks Deutschlands entsteht ein Modellprojekt, das Energiegewinnung und Landwirtschaft miteinander verbindet.

Solarzäune statt Solardächer

Zwischen dunklem, lehmigem Ackerboden ragen rund dreieinhalb Meter hohe Solarmodule auf – wie Zäune stehen sie in Reihen mit 13 Metern Abstand. Die Erfinder und Initiatoren Corbinian Schöfinius und Stefan Dreesmann haben fünf Jahre an der Umsetzung gearbeitet. Ihr Ergebnis: ein völlig neues Konzept, das Solarstromproduktion ermöglicht, ohne fruchtbare Ackerfläche zu opfern.

„Das ist etwas ganz Neues – so etwas gab es noch nie“, sagt Schöfinius sichtlich stolz. Der Clou: Die bifacialen Module fangen Licht von beiden Seiten ein – sowohl morgens als auch abends, wenn andere Anlagen kaum Strom liefern. Zwischen den Paneelen bleibt genug Platz, damit sogar Mähdrescher problemlos hindurchfahren können.

Ost-West statt Süden – Sonnenenergie clever genutzt

Während klassische Solaranlagen nach Süden ausgerichtet sind, um die Mittagsstunden optimal zu nutzen, richtet sich die senkrechte Anlage in Dörverden nach Osten und Westen aus.
„Wir erzeugen Strom vor allem dann, wenn andere Anlagen ruhen – in den Morgen- und Abendstunden“, erklärt Ingenieur Schöfinius. Das macht das Konzept nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch ökologisch sinnvoll, da die Mittagssonne den Pflanzen überlassen bleibt.

Auf einem Testfeld von einem Hektar wurde bereits Winterweizen ausgesät. Nun soll beobachtet werden, wie die Pflanzen unter den neuen Bedingungen wachsen.

Doppelte Nutzung statt Flächenkonkurrenz

Traditionelle Solarparks beanspruchen große Flächen und verdrängen die landwirtschaftliche Nutzung – unter den schrägen Modulen wächst meist nur Gras. Das senkrechte Konzept aus Dörverden soll diesen Konflikt auflösen.
„Wir verbrauchen für die Stromerzeugung kaum Fläche“, erklärt Agraringenieur Stefan Dreesmann. „Selbst wenn die Ernte etwas geringer ausfällt, wird der wirtschaftliche Verlust durch die Stromeinnahmen ausgeglichen.“

Damit könnte das Projekt zum Blaupause für die Landwirtschaft der Zukunft werden: Strom und Nahrung vom selben Feld – ein nachhaltiges Modell, das Erträge sichert und die Energiewende voranbringt.

Ein Projekt mit Signalwirkung

Der Solarpark in Dörverden gilt als Pilotprojekt mit bundesweiter Bedeutung. Wenn die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte das Konzept künftig auf größere Flächen ausgeweitet werden. Für Regionen mit hohem Anteil an Ackerland eröffnet sich damit eine neue Perspektive: Energieproduktion ohne Flächenverlust.

„Wir wollen zeigen, dass beides geht – Landwirtschaft und Klimaschutz“, sagt Dreesmann. Und während der Weizen unter den Paneelen wächst, liefert der Acker gleichzeitig grünen Strom – ein echtes Leuchtturmprojekt der Agrarenergie.

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