Wenn der Liter Diesel plötzlich mehr kostet als früher ein kleiner Wochenendausflug, dann weiß man: Die Politik hat wieder ihre Lieblingsidee aus dem Museum geholt – langsamer fahren.
Seit dem Krieg im Iran schießen die Spritpreise weltweit nach oben, und auch in Österreich wird Tanken langsam zur Charakterprüfung. Am Ostersamstag kostete ein Liter Diesel im Schnitt stolze 2,172 Euro, Superbenzin immerhin noch 1,765 Euro. Wer also über die Feiertage zur Familie gefahren ist, hat neben Ostereiern gleich noch seine finanzielle Schmerzgrenze gesucht.
Und weil hohe Spritpreise in Österreich traditionell nicht mit sinkenden Steuern, sondern mit erhobenem Zeigefinger beantwortet werden, hat das Wirtschaftsministerium nun verkündet: Tempolimits werden nicht kategorisch ausgeschlossen.
Oder anders gesagt:
Der Sprit ist teuer, also soll jetzt bitte wenigstens langsam verfahren werden.
Noch ist nichts fix. Aber falls sich die Lage weiter zuspitzt, könnte man auf ein „Maßnahmenbündel“ zurückgreifen. Das klingt wichtig, komplex und staatsmännisch – bedeutet aber im Kern: Vielleicht darfst du bald nur noch 100 fahren, damit du dir das 100-Fahren überhaupt noch leisten kannst.
Bisher hatte die Regierung Geschwindigkeitsbegrenzungen eher abgelehnt. Kanzler Christian Stocker und Co. wollten von Tempolimits lange nichts wissen. Schließlich zeichne sich kein akuter Treibstoffmangel ab. Übersetzung: Solange an der Zapfsäule noch irgendwas rauskommt, ist alles halb so wild – auch wenn’s pro Liter bald so viel kostet wie ein Cappuccino am Flughafen.
Statt klarer Maßnahmen gibt es daher vorerst die bewährte österreichische Lösung: freundliche Empfehlungen.
Bitte unnötige Autofahrten vermeiden.
Bitte vorausschauend fahren.
Bitte sanft beschleunigen.
Bitte gleichmäßig rollen.
Und vermutlich demnächst: Bitte beim Tanken nicht laut weinen.
Der Kanzler formulierte es gewohnt staatsmännisch: Alles, was freiwillig fürs Energiesparen getan werden kann, sei „gut und richtig“. Wer sein Tempo reduziere, leiste einen Beitrag für sich selbst. Das stimmt natürlich. Vor allem leistet man einen Beitrag dazu, dass der Tank nicht ganz so schnell leer wird wie das Konto.
Fachleute wiederum sind vom Tempolimit deutlich begeisterter als Teile der Regierung. Umweltökonomen nennen es eine schnelle und wirksame Maßnahme. Weniger Spritverbrauch, weniger Lärm, mehr Sicherheit – also im Grunde alles außer Spaß. Auch die Internationale Energieagentur empfiehlt seit Jahren: Fuß runter, Vernunft rauf.
Wenig überraschend schäumt die FPÖ bereits wie ein zu stark geschüttelter Kanister. Dort erinnert man daran, dass am Land weder Straßenbahn noch U-Bahn vor der Tür stehen. Ein berechtigter Einwand – denn wer am Dorf lebt, fährt oft nicht aus Lust, sondern weil der nächste Supermarkt, Arzt oder Geldautomat ungefähr in Niederösterreich liegt.
Historisch ist das alles übrigens nicht neu. Schon in den 1970er-Jahren, als Öl knapp und teuer wurde, setzte Österreich auf Energiesparen: autofreie Tage, Energieferien und Tempo 100 auf der Autobahn. Beliebt war das damals schon nicht. Aber immerhin konnte man sich danach wenigstens noch den Sprit leisten, um sich darüber aufzuregen.
Zusätzlich wird jetzt wieder über Übergewinnsteuern, erneuerbare Energien und die aktuelle Spritpreisbremse diskutiert. Letztere soll den Liter um ganze zehn Cent billiger machen. Ein mutiger Schritt – ungefähr so wirksam, wie einem Ertrinkenden ein Taschentuch zuzuwerfen.
Fazit:
Der Sprit wird immer teurer, die Regierung denkt über Tempolimits nach, und Österreich lernt erneut die wichtigste Lektion der Energiepolitik:
Wenn Tanken unbezahlbar wird, fährt man halt einfach langsamer ins finanzielle Verderben.
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