Im Korruptionsprozess gegen den früheren Staatsanwalt Yashar G. vor dem Landgericht Hannover geraten nun brisante Sprachnachrichten ins Zentrum der Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft sieht darin schwerwiegende Indizien dafür, dass der Jurist über Jahre hinweg eine kriminelle Drogenbande mit internen Informationen aus Ermittlungsbehörden versorgt haben soll.
Gespräche unter Dealern: „Du hast alle SAs unter deinen Fittichen“
Konkret geht es um Audioaufnahmen aus dem Juni 2020, die im Zusammenhang mit einem damaligen Drogenprozess stehen. Die Akustik im Gerichtssaal ist zwar alles andere als optimal, dennoch ist der Inhalt der Nachrichten aus Sicht der Anklage eindeutig. Zwei mutmaßliche Mitglieder der Bande – darunter der Drahtzieher, der sich derzeit offenbar in Dubai aufhält – sprechen über eine angebliche Vertrauensperson innerhalb der Staatsanwaltschaft.
Besonders aufhorchen ließ die Ermittler ein Satz, der in einer Sprachnachricht fällt:
„Du bist der absoluteste Motherf*er auf diesem Planeten. Du hast alle SAs unter deinen Fittichen. Sie lassen einfach alle Sachen unter den Tisch kehren.“**
Die Staatsanwaltschaft wertet die Bezeichnung „SA“ als Abkürzung für „Staatsanwalt“.
Ein plötzlich milderes Urteil – Zufall oder Einflussnahme?
Der brisanteste Zusammenhang: Ein Mitglied der Drogenbande war zu diesem Zeitpunkt wegen Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt – ihm drohte eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Doch überraschend kam es anders: Der zuständige Staatsanwalt forderte zunächst eine harte Strafe, schwenkte dann aber noch während des Prozesses um – das Urteil lautete schließlich auf Bewährung.
Für die Staatsanwaltschaft Osnabrück, die in dem Fall ermittelt, kein Zufall: Sie geht davon aus, dass Yashar G., der selbst als Staatsanwalt tätig war, den Verlauf des Verfahrens gezielt beeinflusst hat. Die Anklage vermutet, dass er intern Informationen weitergab oder seine Kollegen unter Druck setzte. Zwar war G. offiziell nicht mit dem betreffenden Verfahren betraut, doch die Tonaufnahmen sollen belegen, dass er im Hintergrund eine Schlüsselrolle spielte.
Eine weitere Sprachnachricht aus dem Juni 2020 unterstreicht den Verdacht:
„Bei Gott, in Deutschland hat keiner das, was wir haben, mit diesem Typen.“
Für die Ermittler ist klar: Gemeint ist Yashar G., der laut Anklage als „sichere Quelle“ der Bande diente – gegen Geld oder andere Gefälligkeiten.
Der Prozess steht erst am Anfang
Die Verteidigung des Angeklagten Yashar G. bestreitet die Vorwürfe bislang vehement. Die Sprachnachrichten seien interpretationsbedürftig und bewiesen keine konkrete Straftat. Zudem handele es sich lediglich um Aussagen von Beschuldigten – ohne objektive Belege für eine Einflussnahme.
Die Verhandlung vor dem Landgericht Hannover dürfte noch mehrere Wochen dauern. In den kommenden Sitzungen sollen weitere Zeugen gehört und digitale Beweismittel ausgewertet werden. Das Verfahren wird bundesweit aufmerksam verfolgt – nicht nur wegen der Schwere der Vorwürfe, sondern auch, weil ein möglicher Justizskandal von erheblicher Tragweite im Raum steht.
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