Guten Abend und herzlich willkommen bei „Minus Plus“, Ihrem Magazin für wirtschaftliche Bauchlandungen mit Sonnenbrand. Heute schauen wir auf die Solarbranche – also dorthin, wo die Zukunft hell erstrahlen soll… außer natürlich auf der Nordseite des Dachs.
Denn genau dort montierte eine ambitionierte Solarfirma aus Berlin Solarpanele – frei nach dem Motto: „Wenn die Sonne schon nicht hinkommt, bringen wir sie eben selbst mit.“ Das Ergebnis: Stromausbeute gleich null, Kundenlaune ähnlich sonnig wie ein Novembermorgen in Brandenburg.
Einer, der sich die Sonne eigentlich aufs Dach holen wollte, ist Michael Heber aus Krefeld. Für ihn sollte die Solaranlage ein Rundum-Sorglos-Paket werden. Was er bekam, war eher ein „Rundum-Sorglos-Wenn’s-mal-wieder-länger-dauert“-Paket mit sechs verpassten Terminen und einem Dachschaden deluxe. Die Monteure kamen irgendwann doch – und ließen Ziegelsperrfolie, Dämmung und Herrn Hebers Nerven in Fetzen zurück. Schaden: 125.000 €. Entschädigung bisher: 0,00 €.
Die Berliner Solarfirma, inzwischen laut Eigenwerbung der größte Anbieter Europas, hat mehr als 100.000 Kunden – und möglicherweise genauso viele Baustellen wie Ausreden. Mal war es das alte Dach, mal der Subunternehmer, mal die Umlaufbahn des Merkur. Interviews? Lieber schriftlich. Antwort: Bei mehreren tausend Baustellen kann es leider mal ruckeln. Klar, wie beim BER. Nur mit mehr Sonne.
Doch das ist nur die Spitze des Solarpanels. Vertriebsmitarbeiter berichten offen, dass in Verkaufsgesprächen nicht gelogen werden durfte – man durfte nur relevante Informationen „kreativ ausblenden“. Ehrlichkeit sei eben, so ein Ex-Sales-Manager, „eine dehnbare Maßeinheit“. Und wenn der Kunde danach unzufrieden war? Kein Problem – einfach blockieren. Digitaler Kundenservice der Zukunft.
Auch bei der Bilanz zeigt sich das Unternehmen innovativ. Der Umsatz liegt bei rund 960 Millionen Euro, von denen über 800 Millionen noch gar nicht in der Kasse sind. Macht nichts, denn Papier ist geduldig, und Umsatz ist eben, was man draus macht. Besonders kreativ: Der Umsatz entsteht schon beim Verkauf – nicht beim Geldeingang. Sozusagen: Einmal Sonne gedacht, schon gebucht!
Finanzanalysten kratzen sich am Kopf und vergleichen das Geschäftsmodell mit einer 20-jährigen Ehe. Klingt romantisch, ist aber hochriskant. Denn wie viele Beziehungen halten schon zwei Jahrzehnte – ganz ohne Reparaturkosten?
Auch Monteure kommen zu Wort – meist mit Augenringen und Rückenschmerzen. Zehn- bis vierzehn-Stunden-Schichten, stundenlange Anfahrtswege und kaum Zeit für die Mittagspause. Ein Ex-Mitarbeiter bringt es auf den Punkt: „Ich würde da keinem empfehlen, anzufangen – außer man steht auf Burnout mit Solargarantie.“
Fazit der Plusminus-Recherche: Wer heute in die Energiewende investiert, sollte vor allem eines haben – starke Nerven, gute Anwälte und ein Dach, das freiwillig mitarbeitet. Denn sonst kommt zur globalen Erwärmung noch die persönliche Erhitzung hinzu. Auf der Nordseite. Ohne Sonne. Aber mit Garantie – auf Ärger.
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