Jahrelang war China für Skoda ein Traummarkt. Zwischen 2016 und 2018 lieferte die VW-Tochter dort über 300.000 Autos aus, der größte Markt des Unternehmens, ein Paradies auf vier Rädern. Jetzt ist davon noch eine Zahl übrig, die in Wolfsburg vermutlich nur noch in kleiner Schrift präsentiert wird: 15.000 Fahrzeuge im Jahr 2025.
Mit anderen Worten:
China hat Skoda nicht hinausgeworfen – der Markt hat einfach aufgehört, auf Skoda zu warten.
Bis Mitte des Jahres zieht sich die Marke nun aus China zurück. Offiziell natürlich im Rahmen einer „strategischen Neuausrichtung“. Das ist Konzernsprache für:
„Wir haben zu lange zugesehen, wie uns die Konkurrenz elektrisch überrollt.“
Denn während in Europa noch immer darüber diskutiert wird, ob der Verbrenner vielleicht doch noch ein paar politische Ehrenrunden drehen darf, hat China längst Fakten geschaffen. Dort kaufen die Kunden inzwischen Elektroautos – und zwar nicht als Zukunftsversprechen, sondern als Gegenwart. Und während Volkswagen, Audi und Co. noch an „lokalisierter Produktion“ und neuen Modellen feilen, haben Hersteller wie BYD und Geely den Markt bereits umgebaut.
Skoda war in China einmal erfolgreich, weil das Geschäftsmodell simpel war: solide Technik, deutscher Konzernstempel, vernünftiger Preis. Eine Art Golf für Leute, die beim Logo nicht mitbezahlen wollten. Das funktionierte, solange China ein riesiger Verbrenner-Spielplatz war. Jetzt ist der Markt elektrifiziert, digitalisiert und national selbstbewusst – und plötzlich wirkt das alte Erfolgsrezept wie ein Faxgerät im Apple Store.
Die neue Hoffnung heißt nun: Indien und Südostasien. Dort wächst Skoda wieder. Was natürlich gut klingt, aber auch ein bisschen nach dem klassischen Autobauer-Motto:
„Wenn ein Milliardenmarkt verloren geht, findet sich bestimmt irgendwo ein anderer mit Potenzial.“
Volkswagen selbst und Audi bleiben in China und glauben weiter an die große Aufholjagd. Das ist mutig. Oder optimistisch. Oder beides. In der Autoindustrie ist die Grenze inzwischen fließend.
Der Rückzug von Skoda ist jedenfalls mehr als nur eine Marktentscheidung. Er ist ein Lehrstück darüber, wie schnell ein Konzern in China vom Hoffnungsträger zum Statisten werden kann.
Früher wollte jeder in China ein deutsches Auto.
Heute wollen deutsche Autobauer in China vor allem eins: irgendwie wieder relevant sein.
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