Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat die christlich-konservative Liberty University einem Vergleich mit ihrem ehemaligen Präsidenten Jerry Falwell Jr. zugestimmt. Der Skandal rund um den Sohn des Universitätsgründers hatte 2020 landesweit für Schlagzeilen gesorgt – nun erhält Falwell insgesamt rund 15 Millionen US-Dollar, um sämtliche rechtlichen Auseinandersetzungen beizulegen.
Details der Abfindung
- Falwell erhält laut aktuellen Steuerdokumenten 5,5 Millionen US-Dollar zur Beilegung der Klagen.
- Zuvor hatte er bereits 9,7 Millionen US-Dollar im Rahmen seiner Ruhestandsregelung erhalten.
- Gleichzeitig zahlt Falwell 440.000 US-Dollar an die Universität zurück – für sogenannte „strittige Ausgaben“.
Weder Falwell noch die Universität wollten weitere Details zur Vereinbarung öffentlich machen. In einer gemeinsamen Erklärung bedauerten beide Seiten das langwierige und belastende Verfahren.
Skandal mit Folgen
Falwell, ein prominenter evangelikaler Unterstützer Donald Trumps, trat 2020 zurück, nachdem ein Sexskandal mit seiner Frau und einem weiteren Mann öffentlich wurde. Kurz zuvor hatte ein Foto Aufsehen erregt, das ihn mit geöffnetem Hosenbund und einem alkoholischen Getränk zeigte – entgegen den strengen Verhaltensregeln („The Liberty Way“) der Universität, die u. a. vorehelichen Sex und Alkoholkonsum verbietet.
Rechtliche Auseinandersetzungen
- Falwell verklagte zunächst die Universität wegen Verleumdung, zog die Klage aber zurück.
- Liberty reichte daraufhin 2021 Klage gegen ihn ein – wegen Vertragsverletzung.
- Weitere Verfahren betrafen Falwells Pensionsansprüche und die Nutzung des Namens seines Vaters.
Im Juli 2024 einigten sich beide Seiten auf eine gegenseitige Rücknahme der Ansprüche. Falwell wurde der Zugang zum Campus wieder gestattet und er besuchte das Homecoming-Footballspiel.
Weitere Probleme für Liberty University
Zusätzlich zur Affäre Falwell wurde die Universität 2024 von der US-Regierung mit einer Strafe von 16 Millionen Dollar belegt. Der Vorwurf: Die Hochschule habe eine Kultur der Angst geschaffen, in der Studierende sexuelle Gewalt nicht gemeldet hätten. Neben der Geldstrafe wurden Sicherheitsverbesserungen und eine staatliche Aufsicht bis 2026 angeordnet.
Die Universität sieht sich durch die Maßnahmen „politisch ungerecht behandelt“.
Hintergrund: Jerry Falwell Jr. übernahm die Präsidentschaft der Universität 2007 nach dem Tod seines Vaters, des bekannten evangelikalen Predigers Jerry Falwell Sr. Die Familie bleibt weiter präsent: Sein Bruder Jonathan Falwell ist heute Kanzler der Universität und leitet die mit ihr verbundene Thomas Road Baptist Church.
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