Mit 25 schloss Lauren McQuistin endgültig mit dem Alkohol ab – in einem Alter, in dem viele gerade erst ins Nachtleben eintauchen. Heute, mit 32, spricht die Opernsängerin offen darüber, wie ihr Leben „unerträglich“ wurde, obwohl sie nach außen hin alles richtig machte: Studium an der Yale School of Music, Talent, Ambition. Doch innerlich war sie am Ende.
„Ich dachte, ich müsste erst ganz unten ankommen – verhaftet werden, Schulden machen, jemanden verlieren – bevor ich Hilfe suchen darf“, schreibt sie in ihrem neuen Buch No Lost Causes Club. Aber so sah ihr Tiefpunkt nicht aus. „Ich hatte nichts davon. Nicht mal ein Haus – wer kann sich das leisten?“ Stattdessen war da einfach das Gefühl: So kann es nicht weitergehen.
Nüchtern mit Humor
In den sozialen Medien wurde McQuistin durch ihren Instagram-Kanal @brutalrecovery bekannt. Dort teilt sie mit inzwischen über 179.000 Followern bitterkomische Memes über die Realität der frühen Abstinenz: emotionale Achterbahnfahrten, Isolation, Rückfälle, aber auch trockenen Humor, Selbstironie und alltägliche Siege.
Eines ihrer beliebtesten Formate ist das „Tag dich selbst“-Meme: „9 Stunden Sims am Tag nüchtern“, „Kalt duschen und in wilden Seen schwimmen nüchtern“ oder „Zu viel shoppen, um etwas zu fühlen nüchtern“. Ihre Message: Nüchtern sein ist nicht gleichbedeutend mit langweilig sein. Es darf gelacht werden – sogar (oder gerade) über die eigenen Rückschläge.
„Wir nehmen unsere Genesung ernst – aber uns selbst nicht immer. Das ist wichtig“, so McQuistin.
Ein neuer Blick auf Sucht
Was McQuistin besonders wichtig ist: das gesellschaftliche Bild von Abhängigkeit zu verändern. „Sucht ist eine Krankheit, keine moralische Schwäche“, betont sie. In No Lost Causes Club beschreibt sie, wie Alkohol bei ihr eng mit Essstörungen, Selbstverletzung und Traumata verwoben war – und wie nüchtern zu werden bedeutete, all dem ins Gesicht zu sehen.
„Es geht nicht nur darum, den Alkohol wegzulassen. Es geht um alles, was darunter lag“, erklärt sie im Gespräch mit USA TODAY.
Gen Z: Weniger trinken, bewusster leben
McQuistin beobachtet einen Kulturwandel: Immer mehr junge Menschen – besonders aus der Generation Z – entscheiden sich bewusst für einen alkoholfreien Lebensstil. Laut einer Umfrage vom Januar 2025 planen 65 % der Gen Z, im Jahr 2025 weniger zu trinken; 39 % haben sich sogar vorgenommen, ganz trocken zu bleiben.
„Frühere Generationen haben gelernt, zu funktionieren – unsere Generation lernt, zu fühlen“, sagt McQuistin. Offen über psychische Gesundheit zu sprechen, sei heute kein Tabu mehr, sondern Teil eines neuen, achtsameren Lebensstils.
Kein klassischer Weg – aber ein echter
„Der Weg, wie er früher ausgesehen hat – den gibt es nicht mehr“, schreibt McQuistin. Ihre Botschaft: Man muss nicht am Abgrund stehen, um das Ruder herumzureißen. Der richtige Moment ist, wenn man selbst nicht mehr so weitermachen will.
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