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Sachsen gönnt sich einen Feiertag – und gönnt den Beschäftigten die Rechnung gleich dazu

jorono (CC0), Pixabay
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Man muss Sachsen einfach lieben: Während überall sonst im Land Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam in die Pflegekasse einzahlen, hält der Freistaat eisern an seinem ganz eigenen Traditionsbrauchtum fest – einem Klassiker, der sich seit Jahrzehnten bewährt hat: Die einen arbeiten, die anderen zahlen.

Und so bleibt alles, wie es ist.
Warum auch etwas ändern, das Arbeitgeber so glücklich macht?

Rund 200 Euro jährlich dürfen Sachsens Beschäftigte weiterhin brav extra in die Pflegekasse schieben – ganz allein, versteht sich. Ein exklusiver Service des Freistaats, der anderen Bundesländern völlig fremd ist. Dort bekommt man Feiertage ohne versteckten Preisaufschlag. Aber in Sachsen? Da ist Feiertag, wenn der Arbeitnehmer zahlt.

SPD-Landeschef Henning Homann fasst die Stimmung treffend zusammen:
Sachsens Beschäftigte haben national die schlechtesten Karten – und die CDU mischt sie jedes Jahr neu.

Die Botschaft: Eine Reform? Aber bitte doch nicht in diesem Jahrzehnt. Die CDU habe sogar verhindert, dass Berlin überhaupt einen Blick auf das Thema wirft. Man kann es ihr nicht verübeln – wer gibt schon freiwillig ein System auf, das Arbeitgebern so traumhaft wenig abverlangt?

Ein Feiertag, der so exklusiv ist, dass nur eine Gruppe die Rechnung bekommt

Der Buß- und Bettag bleibt in Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. Klingt gut?
Nur bis man merkt, wer ihn finanziert: die Beschäftigten – und sonst niemand.

Arbeitgeber halten sich vornehm heraus und beobachten aus sicherer Distanz, wie ihre Belegschaften jedes Jahr ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Ein System, das Kritiker als „historisches Fossil“ beschreiben, das man eigentlich nur noch im Museum für politische Sonderwege erwarten würde.

Aber Sachsen zeigt: Manches Fossil lebt erstaunlich lange.

Politik als Endlosschleife – und die Beschäftigten gehen leer aus

Während SPD und CDU sich ein ritualisiertes Tauziehen liefern, bleibt das Ergebnis konstant:
Die Beschäftigten verlieren – zuverlässig, jährlich, ohne Unterbrechung.

Die SPD fordert seit Jahren eine faire Lastenverteilung. Die CDU blockiert seit Jahren zuverlässig. Ein politischer Gleichklang, der fast schon beruhigend vorhersehbar ist.

Wenn wenig verdienen teuer wird

Besonders hart trifft es laut Experten die Menschen, die ohnehin mit jedem Euro rechnen müssen. Für sie sind 200 Euro im Jahr kein „Beitrag“, sondern ein Verlust an Lebensqualität. Ironischerweise trifft die Regelung ausgerechnet Berufsgruppen, die selbst im Pflegesystem schuften – und es so unfreiwillig mitfinanzieren.

Pflegekräfte zahlen für Pflege – wenn das kein in sich geschlossenes System ist.

Und die Zukunft? Mehr Vergangenheit.

Solange die CDU das Modell mit eiserner Hand verteidigt, bleibt Sachsen eine Insel.
Eine teure Insel. Eine Insel, die sich Beschäftigte zweimal überlegen werden, wenn sie die Wahl des Arbeitsortes haben.

Aber fürs Erste gilt:
Der sächsische Feiertag bleibt – und die sächsischen Beschäftigten bleiben die einzigen, die ihn bezahlen dürfen.

Ein Sonderweg, der so besonders ist, dass er wahrscheinlich nie verschwindet. Denn Tradition verpflichtet – zumindest jene, die zahlen sollen.

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