Ein russischer Flüssiggas-Tanker ist im Mittelmeer zwischen Libyen und Malta nach Explosionen und einem anschließenden Brand gesunken. Nach Angaben libyscher Hafenbehörden hatte das Schiff zuvor mehrere Detonationen an Bord erlebt.
Russland beschuldigt die Ukraine, den Tanker mit unbemannten Seedrohnen angegriffen zu haben, die angeblich von der libyschen Küste gestartet worden seien. Offizielle Stellen in der Ukraine haben diese Vorwürfe bislang nicht kommentiert. Auch die libyschen Behörden erklärten, die genaue Ursache des Feuers sei derzeit unklar.
Der Tanker mit dem Namen „Arctic Metagaz“ transportierte laut Angaben etwa 62.000 Tonnen Flüssigerdgas (LNG). Das Schiff sank rund 130 Seemeilen (etwa 240 Kilometer) nördlich des libyschen Hafens Sirte.
Besatzung gerettet
Nach Angaben des russischen Verkehrsministeriums befanden sich 30 russische Crewmitglieder an Bord. Sie konnten jedoch gerettet werden. Maltas Innenminister Byron Camilleri erklärte, dass die Seeleute während einer Rettungsaktion von den maltesischen Streitkräften in einem Rettungsboot gefunden wurden und unverletzt sind.
Videoaufnahmen zeigen brennendes Schiff
Im Internet kursieren zudem nicht verifizierte Nachtaufnahmen, die den brennenden Tanker nach dem Angriff zeigen sollen. Veröffentlicht wurden sie unter anderem von Serhii Sternenko, einem ukrainischen Blogger und Berater des ukrainischen Verteidigungsministers.
Er behauptete, das Schiff habe ein großes Loch im Maschinenraum erlitten und sei nicht mehr reparierbar. Woher die Bilder stammen, ist jedoch unklar, und sie wurden bislang nicht unabhängig bestätigt.
Russland spricht von „Terrorakt“
Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Vorfall im Staatsfernsehen als „terroristischen Angriff“. Auch das russische Verkehrsministerium sprach von „internationalem Terrorismus und Piraterie auf See“ und warf der Europäischen Union indirekt eine Mitschuld vor.
Der Tanker war laut russischen Angaben vom nördlichen Hafen Murmansk gestartet und auf dem Weg nach Port Said in Ägypten. Das Schiff gilt als Teil der sogenannten russischen Schattenflotte, mit der Russland versucht, westliche Sanktionen beim Transport von Öl und Gas zu umgehen.
Angriff weit entfernt vom Schwarzen Meer
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 hat die Ukraine mehrfach Seedrohnen gegen russische Schiffe eingesetzt. Die meisten dieser Angriffe fanden jedoch im Schwarzen Meer statt.
Sollte sich ein Angriff im Mittelmeer bestätigen, wäre dies eine deutliche Ausweitung der bisherigen Operationsgebiete. Derzeit liegen dafür jedoch keine unabhängigen Beweise vor.
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