Startseite Allgemeines Russland für Washington unattraktiv sei, sagten zwei der Diplomaten. Friedensgespräche mit dem Iran: Washington reist an, Teheran sagt vielleicht, vielleicht nicht, eher nein
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Russland für Washington unattraktiv sei, sagten zwei der Diplomaten. Friedensgespräche mit dem Iran: Washington reist an, Teheran sagt vielleicht, vielleicht nicht, eher nein

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Die nächste Runde der großen Nahost-Diplomatie nimmt Fahrt auf – oder auch nicht.
US-Präsident Donald Trump schickt laut eigener Darstellung erneut eine Delegation nach Islamabad. Der Iran hingegen reagiert wie ein genervter Chatpartner um 2 Uhr nachts: „Gelesen, aber keine Lust.“

Erst hieß es aus Washington: Neue Gespräche, neue Hoffnung, neues Kapitel.
Dann hieß es aus Teheran sinngemäß: „Mit euch? Nach der Blockade? Eher nicht.“
Später folgten dann Berichte über eine Absage. Mit anderen Worten: Die zweite Verhandlungsrunde stand ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl auf Glatteis.

Diplomatie auf Trump-Art: Erst blockieren, dann verhandeln, dann Brücken sprengen

Zur Begründung für die iranische Zurückhaltung wurde eine Liste vorgelegt, die ungefähr klingt wie eine toxische Beziehung in Staatsform:

  • übertriebene Forderungen aus Washington
  • tägliche Kurswechsel
  • fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen
  • und als Sahnehäubchen: amerikanische Medienkampagnen zur Schuldverteilung

Mit anderen Worten: Die USA laden zum Gespräch, während sie gleichzeitig den Stuhl anzünden.

Iran-Präsident Massud Peseschkian warf Washington entsprechend Vertragsbruch vor und erklärte, die fortgesetzte Blockade sei ein klarer Verstoß gegen die Waffenruhe. Eine überraschende Erkenntnis: Wenn man eine Feuerpause vereinbart und dann trotzdem weitermacht, wirkt das auf die Gegenseite offenbar nicht vertrauensbildend.

Trump bietet „fairen Deal“ an – inklusive Kraftwerke und Brücken als Druckmittel

Donald Trump selbst blieb natürlich gewohnt staatsmännisch.
Er verkündete auf Truth Social, die USA böten dem Iran einen „sehr fairen und vernünftigen Deal“ an.

Übersetzt in die Sprache des 21. Jahrhunderts bedeutet das bei Trump traditionell:
„Nehmt das Angebot an – oder wir schalten euch jedes Kraftwerk und jede Brücke aus.“

Ja, genau das schrieb er sinngemäß.
Wer noch immer glaubt, Diplomatie sei das geduldige Ringen um Kompromisse, hat die letzten Jahre offenbar unter einem sehr großen Stein verbracht.

Die angedrohte Zerstörung „jedes einzelnen Kraftwerks und jeder einzelnen Brücke“ wurde von Trump gleich noch mit dem üblichen Pathos garniert: Es wäre ihm eine „Ehre“, endlich zu tun, was frühere Präsidenten seiner Meinung nach 47 Jahre lang versäumt hätten.

Man muss es anerkennen:
Andere schicken Noten. Trump schickt Bombendrohungen mit Werbetext.

Islamabad bereitet sich vor – für Gespräche, die womöglich gar nicht stattfinden

In Pakistan läuft derweil das übliche Ritual der internationalen Krisenverwaltung:
Die Rote Zone in Islamabad wurde wieder abgesperrt, Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren, die Kulisse geschniegelt – alles bereit für Gespräche, die möglicherweise nie stattfinden.

Offiziell wollte die pakistanische Regierung allerdings zunächst nichts bestätigen.
Was auch verständlich ist: Wenn die eine Seite „Wir kommen!“ ruft und die andere „Mit Sicherheit nicht!“, ist Zurückhaltung meist die klügste Form staatlicher Kommunikation.

Iran meldet Fortschritte – und gleichzeitig totalen Sieg

Besonders elegant wirkte auch die iranische Linie am Wochenende:
Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf sprach einerseits von Fortschritten bei der Suche nach einer Friedenslösung, erklärte aber gleichzeitig, man sei „weit von einer Einigung entfernt“.

Zusätzlich stellte er klar, der Iran habe den Krieg „auf dem Schlachtfeld gewonnen“, kontrolliere die Straße von Hormus und habe der Waffenruhe ohnehin nur zugestimmt, weil natürlich die anderen zuerst eingeknickt seien.

Das ist ungefähr die diplomatische Version von:
„Wir reden zwar mit euch, aber eigentlich habt ihr schon verloren.“

Europa blickt nervös zu – und fürchtet den klassischen Trump-Deal

In Europa wächst derweil die Sorge, dass Washington am Ende wieder das macht, was Washington unter Trump am liebsten macht:
ein schnelles, lautes, kamerataugliches Rahmenabkommen verkaufen, das auf den ersten Blick nach Frieden aussieht und auf den zweiten wie ein schlecht getackerter Teppich über einem offenen Abfluss.

Diplomaten befürchten laut Reuters, ein solches Abkommen könnte weniger Probleme lösen als neue produzieren.

Ein europäischer Diplomat brachte es sinngemäß auf den Punkt:
Die Angst sei nicht, dass es keinen Deal gibt.
Die Angst sei, dass es einen schlechten Deal gibt.

Oder in verständlichem Deutsch:
Nicht das Ausbleiben der Katastrophe ist das Problem – sondern ihre Pressekonferenz.

Fazit: Beide wollen reden, solange niemand zuhört und keiner nachgibt

Damit bleibt die Lage, wie sie ist:

  • Washington verkündet Gespräche, bevor klar ist, ob es überhaupt welche gibt.
  • Teheran nennt Verhandlungen unrealistisch, solange die Blockade läuft.
  • Trump droht mit Infrastruktur-Bingo.
  • Pakistan sperrt Straßen.
  • Europa bekommt Nervenzucken.
  • Und die Straße von Hormus bleibt das geopolitische Nadelöhr mit Sprengsatz.

Kurz gesagt:
Die Chancen auf neue Verhandlungen stehen hervorragend – sobald beide Seiten aufhören, gleichzeitig Ultimaten, Drohungen und Siegmeldungen in die Welt zu posten.

Bis dahin gilt:
Friedensprozess im Jahr 2026 – jetzt neu mit Seeblockade, Wahrheits-Posts und Brückenabrissgarantie

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