Startseite Allgemeines r2p GmbH und r2p Holding GmbH in vorläufiger Insolvenz: Was hinter dem Flensburger Technologieunternehmen steckt
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r2p GmbH und r2p Holding GmbH in vorläufiger Insolvenz: Was hinter dem Flensburger Technologieunternehmen steckt

geralt (CC0), Pixabay
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Bei der Flensburger r2p GmbH und ihrer Muttergesellschaft r2p Holding GmbH ist am 28. September 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet worden. Beide Gesellschaften hatten zuvor Insolvenzanträge über das eigene Vermögen gestellt.

Das Amtsgericht Flensburg setzte in beiden Verfahren Rechtsanwalt Dr. Christoph Morgen aus Hamburg als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Verfügungen der Gesellschaften sind seitdem nur noch mit seiner Zustimmung wirksam. Das betrifft ausdrücklich auch die Einziehung von Außenständen.

Für die operative r2p GmbH läuft das Verfahren unter dem Aktenzeichen 56 IN 331/26, für die r2p Holding GmbH unter 56 IN 329/26.

Damit gerät ein Unternehmen in die Krise, das über viele Jahre weltweit Technik für Busse, Bahnen und andere Systeme des öffentlichen Verkehrs geliefert hat.

Was macht r2p eigentlich?

r2p ist kein klassischer Verkehrsbetreiber, sondern ein Technologieanbieter für den öffentlichen Personenverkehr.

Das Unternehmen entwickelt und liefert Hard- und Softwarelösungen unter anderem für:

  • Fahrgastinformationssysteme,
  • Lautsprecher- und Durchsagesysteme,
  • Videoüberwachung in Bussen und Bahnen,
  • Echtzeit-Fahrgastinformationen,
  • automatische Fahrgastzählung,
  • Kommunikationssysteme zwischen Fahrzeug und Leitstelle,
  • Analyse von Fahrgastströmen.

Zum Portfolio gehören unter anderem die Produktfamilien Horizon für Videoüberwachung, NetSpire für Fahrgastinformation und Kommunikation, iConnex für Echtzeitinformationen und CAPA für Fahrgastanalyse. r2p

Das Unternehmen beschreibt sich selbst als international tätigen Anbieter mit Hauptsitz in Flensburg. Nach aktuellen Unternehmensangaben verfügt die Gruppe über zehn Standorte in neun Ländern auf vier Kontinenten. Neben Deutschland bestehen beziehungsweise bestanden Strukturen unter anderem in Dänemark, Großbritannien, Spanien, Australien, Malaysia, den USA, Kanada und Indien. r2p

Technik für Bahnen auf mehreren Kontinenten

Die Referenzliste des Unternehmens zeigt, dass r2p an zahlreichen internationalen Verkehrsprojekten beteiligt war.

Dazu gehören Kommunikations- und Sicherheitssysteme für Züge in Australien und Nordamerika sowie Fahrgastinformations- und Videoüberwachungssysteme. In einzelnen Projekten lieferte r2p unter anderem LED- und LCD-Fahrgastanzeigen, Videoüberwachung, Notrufeinrichtungen, Zugfunkintegration und interne Kommunikationssysteme für das Zugpersonal. r2p

Das Geschäftsmodell war damit stark projektbezogen und international ausgerichtet.

Mehrere Eigentümerwechsel in der Vergangenheit

Auch die Eigentümergeschichte von r2p ist bemerkenswert.

2018 übernahm die Beteiligungsgesellschaft HQ Equita eine Mehrheitsbeteiligung an r2p vom schwedischen Investor Alder. Gleichzeitig wurde die australische Open Access Pty Ltd übernommen und in die Gruppe integriert. Ziel war damals der Aufbau eines größeren internationalen Anbieters für intelligente Verkehrssysteme. Gleiss Lutz

r2p hatte sich damit über Jahre über Zukäufe und internationale Expansion vergrößert.

Bereits 2017 waren unter anderem Nimbus Journey Information und React Technologies übernommen worden. Alder

2023 trennte sich die Gruppe wiederum von der dänischen r2pTracking. Das Unternehmen erklärte damals, man wolle sich künftig stärker auf das Kerngeschäft im öffentlichen Verkehr konzentrieren. r2pTracking wurde an Alder verkauft. r2p

Noch 2024 wurde eine Finanzierung verlängert

Besonders interessant im Rückblick ist eine Mitteilung aus dem September 2024.

Damals wurde bekannt, dass sich die r2p Group eine Verlängerung beziehungsweise Erweiterung bestehender Finanzierungen gesichert hatte. Diese sollte nach damaliger Darstellung dazu dienen, einen erheblichen Auftragsbestand abzuarbeiten und weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Grant Thornton unterstützte die Gruppe dabei unter anderem mit Financial und Commercial Fact Books. Deutschland – Grant Thornton

Dass nun rund zwei Jahre später Insolvenzanträge gestellt wurden, wirft zwangsläufig die Frage auf, wie sich die finanzielle Situation seitdem entwickelt hat.

Eine öffentlich bestätigte Erklärung der Geschäftsführung zu den konkreten Ursachen der Insolvenzanträge war zum Zeitpunkt dieser Recherche allerdings nicht auffindbar.

Jahresabschluss 2024 zeigt erhebliche Belastungen bei der operativen GmbH

Ein Blick auf öffentlich ausgewertete Jahresabschlussdaten der r2p GmbH zeigt bereits für 2024 eine angespannte Lage.

Nach diesen Daten erzielte die operative r2p GmbH 2024 Umsatzerlöse von rund 27,17 Millionen Euro. Gleichzeitig wird ein Jahresfehlbetrag von rund 19,1 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Verbindlichkeiten lagen demnach bei rund 44,11 Millionen Euro. Zudem wurde ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 17,21 Millionen Euro ausgewiesen. Handelsregister

Diese Zahlen sind erheblich.

Sie belegen allerdings nicht automatisch, warum es im September 2026 tatsächlich zum Insolvenzantrag kam. Zwischen einem Jahresabschluss 2024 und einem Antrag im Jahr 2026 können zahlreiche Entwicklungen liegen.

Trotzdem zeigen die Zahlen, dass die operative Gesellschaft bereits deutlich vor dem jetzigen Insolvenzantrag wirtschaftlich unter Druck stand.

Hohe Abschreibungen und Finanzierungskosten

Auffällig ist auch die Kostenstruktur des Jahres 2024.

Neben Material- und Personalaufwand werden in den öffentlich ausgewerteten Daten unter anderem Abschreibungen auf Finanzanlagen beziehungsweise Wertpapiere von rund 10,15 Millionen Euro sowie Zinsaufwendungen von rund 3,29 Millionen Euro ausgewiesen. Handelsregister

Gerade hohe Finanzierungs- und Abschreibungsbelastungen können für ein projektorientiertes Unternehmen erhebliche Auswirkungen haben.

Ob diese Positionen unmittelbar mit der heutigen Insolvenz zusammenhängen, lässt sich derzeit allerdings nicht feststellen.

Auch die Holding hat Insolvenzantrag gestellt

Bemerkenswert ist, dass nicht nur die operative Gesellschaft, sondern auch die r2p Holding GmbH einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Die Holding dient nach ihrem Unternehmensgegenstand insbesondere dem Erwerb, Halten und Verwalten von Beteiligungen an Unternehmen aus dem Bereich intelligenter Systemlösungen für Schienen- und Straßenfahrzeuge. Unternehmen24

Die gleichzeitigen Verfahren zeigen, dass es sich offenbar nicht lediglich um ein isoliertes Problem einer einzelnen operativen Tochter handelt.

Wie stark weitere internationale Gesellschaften der Gruppe betroffen sind, ist derzeit öffentlich nicht geklärt.

Auffällige Veränderungen im Management 2026

Auch auf Führungsebene gab es in diesem Jahr Veränderungen.

Im Juni 2026 wurde Huschke Diekmann als Geschäftsführer der r2p GmbH eingetragen. Tilo Brandis schied aus der Geschäftsführung aus. Auch bei der Holding gab es entsprechende Veränderungen. OpenRegister

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags wird die r2p GmbH laut gerichtlicher Bekanntmachung durch Flemming Hegelund Kaer, Huschke Diekman und Sebastian Dannenberg vertreten.

Ob die personellen Veränderungen mit der späteren Insolvenz zusammenhängen, ist nicht bekannt und sollte ohne weitere Belege nicht unterstellt werden.

Was bedeutet die vorläufige Insolvenz jetzt?

Die gerichtlichen Beschlüsse bedeuten zunächst noch nicht, dass die Insolvenzverfahren bereits endgültig eröffnet sind.

Der vorläufige Insolvenzverwalter muss nun unter anderem prüfen:

  • welches Vermögen vorhanden ist,
  • welche Verbindlichkeiten bestehen,
  • ob ausreichende Masse zur Finanzierung eines Insolvenzverfahrens vorhanden ist,
  • ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann,
  • ob Investoren oder Käufer gefunden werden können,
  • und welche Sanierungsoptionen bestehen.

Der vom Gericht angeordnete Zustimmungsvorbehalt bedeutet, dass die Geschäftsführung nicht mehr frei über das Vermögen verfügen kann. Wesentliche Verfügungen benötigen die Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Was ist mit Kunden, Lieferanten und Beschäftigten?

Für Geschäftspartner dürfte jetzt entscheidend sein, ob der Betrieb fortgeführt wird und welche bestehenden Aufträge abgearbeitet werden können.

Gerade bei r2p dürfte das komplex sein, weil viele Systeme langfristig in Bussen und Bahnen eingesetzt werden und Wartung, Ersatzteile, Softwarepflege und technische Unterstützung benötigen.

Auch für Lieferanten stellt sich die Frage, welche offenen Forderungen bestehen und ob Leistungen weiterhin erbracht werden sollen.

Beschäftigte müssen zunächst die weiteren Mitteilungen des Unternehmens und des vorläufigen Insolvenzverwalters abwarten.

Die Internetseite läuft weiterhin

Zum Zeitpunkt unserer Recherche war die Unternehmensseite von r2p weiterhin erreichbar. Dort werden die Produkte, internationalen Standorte und Ansprechpartner weiterhin dargestellt.

Auch Karriereinformationen sind weiterhin abrufbar. In der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit war zuletzt sogar noch eine Stelle als studentische Hilfskraft im Finanzbereich bei r2p gelistet. r2p

Das allein sagt allerdings nichts darüber aus, wie der Geschäftsbetrieb nach dem Insolvenzantrag tatsächlich weitergeführt wird.

Noch viele offene Fragen

Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen vor allem Antworten auf entscheidende wirtschaftliche Fragen.

Wie hoch sind die aktuellen Bankverbindlichkeiten?

Welche Finanzierungen wurden 2024 verlängert?

Welche Sicherheiten bestehen?

Wie groß ist der aktuelle Auftragsbestand?

Wie viel Liquidität war zuletzt noch vorhanden?

Welche Forderungen gegenüber Kunden sind werthaltig?

Und welche Teile der internationalen Gruppe könnten gegebenenfalls verkauft werden?

Gerade angesichts des internationalen Geschäfts könnte ein Investorenprozess durchaus eine Rolle spielen.

Ob es dazu kommt, ist derzeit jedoch noch offen.

Unser Fazit

Mit r2p ist kein unbekanntes Kleinstunternehmen in die vorläufige Insolvenz geraten.

Die Gruppe hat über viele Jahre komplexe Technik für den internationalen öffentlichen Verkehr entwickelt, weltweit Projekte umgesetzt, Unternehmen übernommen und ihre internationale Präsenz ausgebaut.

Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Jahresabschlussdaten spätestens für 2024 erhebliche wirtschaftliche Belastungen der deutschen operativen Gesellschaft.

Noch 2024 wurde eine bestehende Finanzierung verlängert, um Auftragsbestand und weiteres Wachstum zu finanzieren. Nun – zwei Jahre später – haben sowohl die operative r2p GmbH als auch die Holding Insolvenzantrag gestellt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb jetzt:

Handelt es sich um ein grundsätzlich tragfähiges Technologiegeschäft, das unter einer zu hohen Finanzierungs- und Kostenlast zusammengebrochen ist – oder liegen die Probleme tiefer im operativen Geschäft?

Darauf gibt es derzeit noch keine belastbare öffentliche Antwort.

Genau diese Frage wird der vorläufige Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen klären müssen.

Bis dahin gilt: Die Insolvenzanträge und die vorläufige Verwaltung sind gerichtliche Tatsachen. Aussagen über Verantwortlichkeiten, konkrete Insolvenzursachen oder mögliche Pflichtverletzungen wären zum jetzigen Zeitpunkt dagegen Spekulation.

5 Kommentare

  • …nu‘ mach mal halblang. Was soll denn dieses dämliche Gequatsche über den GF und sein Audi? Sollte hier irgendetwas diesbezüglich nicht gesetzeskonform gelaufen sein, wäre sicher schon eine Anzeige wg. Insolvenzverschleppung anhängig. Ich würde mein Augenmerk ebenfalls eher auf diese Investorenbande legen welche in dem Aufstieg und Fall innovativer Unternehmen ein Geschäftsmodell sehen. Ohne Rücksicht auf verlorene Arbeitsplätze und Verlusten verbundener Unternehmen. Mich macht soetwas traurig.

  • Wie kann es sein, dass ein solches Unternehmen Verluste in dieser Höhe aufbaut. Ich sage es einfach nur einmal. Man verschiebt innerhalb weniger Jahre solch Unternehmen von einem Investor zum anderen . Jedes Mal steigt der Wert und somit der Gewinn für die bisherigen Investoren. Irgend wann einmal ist die Verschuldung so hoch, und es müssen Abschreibungen auf Beteiligungen gebildet werden. So funktioniert auch ein System mit Immobilien. Da es sich um eine GmbH handelt, haftet kein Gesellschafter mit seinem Vermögen. Heutzutage ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

  • Hier hat jemand auf großem Fuß gelebt.
    Für Insider war dies vorhersehbar. Wenn Kunden über ein halbes Jahr auf Ware warten müssen, ist das JETZT kein Wunder.

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