Es war ein Tag voller Emotionen und geopolitischer Tragikomödie:
Wladimir Putin, Präsident, Friedensfreund und leidenschaftlicher Landumverteiler, hat sich mit feuchtem Blick und zitternder Stimme über das „schlechte Verhältnis zu Europa“ beklagt. Die Schuld daran? Natürlich nicht bei ihm! Sondern – Sie ahnen es – bei den „europäischen Nachbarn“.
„Der Dialog ist auf ein Minimum reduziert – nicht durch unsere Schuld, das möchte ich betonen“, sagte der Kremlchef, während irgendwo in der Ukraine wieder ein Kraftwerk in Flammen aufging.
Realitätsverlust mit diplomatischer Kulisse
Putin sprach bei der Zeremonie zur Entgegennahme von Beglaubigungsschreiben, ein traditionsreiches Ritual, bei dem neue Botschafter*innen höflich versuchen, die Realität für zehn Minuten auszublenden, um nicht hysterisch zu lachen oder zu weinen.
Vertreter*innen aus Frankreich, Italien, Schweden, Tschechien, der Schweiz und auch Österreich waren dabei – vermutlich mit versteinerter Miene, höflichem Lächeln und innerlich kreischend: „Warum bin ich noch mal Diplomat geworden?“
„Wir wollen Frieden, aber mit unseren Bedingungen – oder sonst…“
Putin versicherte in seinem Statement, Russland strebe Frieden in der Ukraine an. Ein dauerhafter natürlich. Nur eben nicht aufhören. Oder abziehen. Oder Verantwortung übernehmen. Nein, Russland werde selbstverständlich weiter seine „Ziele“ verfolgen – was im Kreml-Wörterbuch bekanntlich irgendwo zwischen Annexion und Artillerieschlag liegt.
„Nicht überall – unter anderem in Kiew und den Hauptstädten, die es unterstützen – ist man dazu bereit“, sagte Putin vorwurfsvoll, als hätte man ihm beim UNO-Brunch sein Croissant geklaut.
Russland: Jetzt auch mit Taliban-Partnerprogramm
Wer nicht ganz so ablehnend reagierte, war der neue Botschafter der Taliban-Regierung Afghanistans, den Putin herzlich begrüßte. Russland sei daran interessiert, dass Afghanistan ein „geeinter, unabhängiger und friedlicher Staat“ sei – am besten gleich unter der freundlichen Schirmherrschaft derjenigen, die Frauenrechte gerne rückabwickeln und Musik verbieten.
Russland war übrigens das erste Land, das die Taliban offiziell anerkannte.
Weil echte Freunde sich eben erkennen – sogar ohne westliche Vermittlung.
Zwischen Bitterkeit und bitterer Ironie
Putin steht also da, mit der verbalen Träne im Knopfloch, klagt über Kontaktarmut, während sein Telefon nur noch von Peking und Pjöngjang klingelt – und fragt sich ernsthaft, warum Europa so komisch geworden ist.
Vielleicht sollte ihm jemand leise zuflüstern, dass das Einmarschieren in ein Nachbarland nicht der übliche Weg zur Völkerverständigung ist. Oder dass „Frieden“ nicht bedeutet: „Alle kapitulieren vor mir, dann ist Ruhe.“
Aber vermutlich wird Putin das nicht hören wollen. Denn in seinem Russland gibt es nur einen Sender – und der meldet täglich:
„Alle lieben uns. Nur Europa hat’s noch nicht gemerkt.“
Kommentar hinterlassen