Während in der US-Hauptstadt das internationale Festival WorldPride mit Zehntausenden Teilnehmer:innen aus aller Welt gefeiert wird, setzt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ein deutliches politisches Gegensignal: Mit einer Reihe umstrittener Maßnahmen sorgt sie zum Beginn des Pride Month für massive Kritik aus der LGBTQ+-Community und darüber hinaus.
Von Namensstreichung bis Parkverbot: Symbolische Angriffe auf Sichtbarkeit
Das Verteidigungsministerium kündigte an, ein Marineschiff umzubenennen, das ursprünglich nach Harvey Milk – einem der ersten offen schwulen US-Politiker – benannt wurde. Der National Park Service versuchte, den symbolträchtigen Dupont Circle in einem LGBTQ+-geprägten Viertel während des Pride-Wochenendes zu sperren. Und das FBI forderte öffentlich Hinweise auf medizinisches Fachpersonal, das geschlechtsangleichende Behandlungen bei Jugendlichen anbietet.
Diese symbolischen Handlungen fügen sich in eine größere politische Strategie: Die Bundesregierung erklärte den Juni kurzerhand nicht mehr zum „Pride Month“, sondern zum „Title IX Month“, mit Fokus auf biologische Geschlechterunterschiede. Transrechte? Fehlanzeige.
Transfeindliche Politik – jetzt auch mit Strafandrohung
Besonders heftig trifft es trans Jugendliche: Nach einem Sportwettbewerb in Kalifornien, bei dem eine trans Schülerin erfolgreich teilnahm, drohte Trump dem Bundesstaat mit hohen Geldstrafen. Das Justizministerium folgte prompt mit juristischen Drohungen.
Zudem postete das FBI auf X (ehemals Twitter) einen Aufruf, medizinisches Personal zu melden, das Jugendlichen geschlechtsangleichende Behandlungen anbietet. Kritiker:innen sprechen von einer Hexenjagd auf Ärzt:innen und Eltern, die trans Jugendlichen helfen wollen, ihre Identität zu leben.
Historischer Rückschritt mit Folgen
Laut einer Analyse des Williams Institute führen solche repressiven Maßnahmen zu einem Anstieg psychischer Belastungen, Depressionen und Suizidgedanken bei LGBTQ+-Jugendlichen. Besonders trans Schüler:innen werden durch Trumps Politik aus Schulaktivitäten gedrängt – sie verlieren den Zugang zu Sport, Toiletten, Anerkennung ihrer Namen und Pronomen.
„Das ist gezieltes Mobbing“
Cathy Renna vom National LGBTQ Task Force Action Fund bringt es auf den Punkt: „Die Regierung betreibt gezieltes Mobbing. Aber es wird uns nicht aufhalten – im Gegenteil: Es wird uns sichtbarer und lauter machen.“ Viele Pride-Veranstalter:innen in den USA sehen die Entwicklungen als Weckruf zur Verteidigung der hart erkämpften Rechte.
Was die Geschichte lehrt
Der Historiker John D’Emilio erinnert daran, dass die LGBTQ+-Community schon öfter unter Beschuss stand: im Kalten Krieg, während der AIDS-Krise in den 1980ern und unter dem „Don’t Ask, Don’t Tell“-Gesetz der 1990er. Aber immer habe es Gegenwehr gegeben: „Feindselige Politik hat die Community stets mobilisiert – und das wird auch diesmal so sein.“
Fazit: Sichtbarkeit ist Widerstand
Während Präsident Trump politische Rückschritte feiert, sendet WorldPride aus der Hauptstadt ein anderes Signal: Wir sind hier. Wir sind laut. Und wir gehen nicht wieder in den Schrank zurück. 🌈
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