Im Januar 2025 meldete sich Lina bei der Polizei im spanischen Benalmádena, weil ihr Ex-Partner sie bedrohte. Dabei wurde ihr Fall im VioGén-System registriert – ein algorithmusbasiertes Tool zur Risikobewertung bei geschlechtsspezifischer Gewalt in Spanien. Dieses System stufte Lina als „mittleres“ Risiko ein.
Trotz ihrer Bitte wurde ihr eine einstweilige Verfügung vom Gericht verweigert. Wenige Wochen später wurde sie getötet – offenbar von ihrem Ex-Partner, der noch einen Schlüssel zur Wohnung hatte. Die Polizei hatte aufgrund der Risikoeinstufung keine dringlichen Maßnahmen zum Schutz Linas eingeleitet.
Der Fall wirft Fragen zur Zuverlässigkeit des VioGén-Systems auf. Kritiker bemängeln, dass Entscheidungen zu sehr von einem Algorithmus abhängig gemacht werden, ohne unabhängige Audits oder tiefere Analysen. Zwischen 2003 und 2021 wurden 71 Frauen getötet, obwohl sie zuvor Missbrauch gemeldet hatten – viele davon waren im System als „niedrig“ oder „mittel“ gefährdet eingestuft worden.
Die Behörden verteidigen VioGén grundsätzlich, verweisen aber auch auf laufende Verbesserungen. Linas Tod hat dennoch zu gesellschaftlicher Bestürzung geführt, insbesondere in ihrer Heimatstadt, wo eine Mahnwache für sie eingerichtet wurde.
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