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Pete Hegseth oder Pinoccio Pete?

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Wenn man sich die Auftritte von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Pentagon anhört, dann könnte man meinen, die Vereinigten Staaten hätten im Iran nicht nur alles erreicht, sondern gleich noch Geschichte, Physik und Geopolitik neu geschrieben. Von „capital V military victory“ war da die Rede, von „death and destruction from the sky all day long“ und natürlich von jener Mischung aus Pathos, Selbstlob und TV-Donner, für die Hegseth inzwischen ungefähr so bekannt ist wie früher für Fox-News-Monologe.

Nur leider stellt sich bei näherem Hinsehen eine ziemlich unangenehme Frage: Was genau hat die USA eigentlich erreicht?

Die kurze Antwort lautet: militärisch einiges zerstört, politisch erstaunlich wenig gelöst, strategisch neue Risiken geschaffen und wirtschaftlich eine Krise produziert, die man am Ende selbst wieder hektisch eindämmen musste.

Trumps zentrales Kriegsziel war nach eigener Darstellung, Iran daran zu hindern, eine Atomwaffe zu entwickeln. Das ist bemerkenswert, weil genau dieses Ziel schon jahrelang Gegenstand diplomatischer Bemühungen war – bis Trump in seiner ersten Amtszeit lieber das Atomabkommen zerschlug, Sanktionen zurückbrachte und damit den Weg zurück in die Eskalation ebnete. Man könnte auch sagen: Er hat erst die Diplomatie zerlegt und sich dann später dafür feiern lassen wollen, dass er das daraus entstandene Chaos bombardiert.

Heute, Wochen nach Kriegsbeginn und trotz massiver Angriffe auf Isfahan, Fordow und Natanz, gibt es keinen überzeugenden Beleg dafür, dass das Atomproblem wirklich gelöst wäre. Iran verfügt offenbar weiterhin über Bestände hoch angereicherten Urans, die irgendwo unter Schutt, Beton und politischer Trotzreaktion lagern. Trump behauptet zwar, man werde das alles nun gemeinsam mit Iran „ausgraben und entfernen“, was ungefähr so realistisch klingt wie eine harmonische Gartenparty mit Pressesprechern der Revolutionsgarden. In Wahrheit dürfte Teheran nach diesem Krieg eher noch entschlossener sein, sich künftig militärisch unangreifbar zu machen.

Das zweite große Ziel war zwischenzeitlich ganz offen ein Regimewechsel. Trump forderte die bedingungslose Kapitulation, fabulierte von einem neuen Iran und hoffte offenbar, man könne in Teheran ein ähnliches Modell durchziehen wie anderswo: oben die Führung zerschlagen, unten politische Folgsamkeit erwarten. Nur dumm, dass auch dieses Ziel bislang nicht eingetreten ist. Das Regime ist nicht gefallen, sondern hat den Übergang organisiert, die Macht intern abgesichert und mit Mojtaba Khamenei sogar schon den Sohn des getöteten Ayatollahs als Nachfolger installiert. Von amerikanischer Seite klingt das dann plötzlich so, als sei die neue Führung „weniger radikalisiert und intelligenter“. Das ist diplomatisch die elegante Umschreibung für: Eigentlich wollten wir einen Umsturz, bekommen haben wir nur eine neue Besetzung derselben Bühne.

Auch beim iranischen Arsenal ist die Lage erstaunlich unklar. Washington behauptet, man habe Raketen, Drohnen, Fabriken, Marine und Startsysteme weitgehend ausgelöscht. Gleichzeitig kursieren geleakte Geheimdienstbewertungen, nach denen Iran noch rund die Hälfte seines Vorkriegsarsenals besitzen könnte. Verifizieren lässt sich das kaum. Sicher ist nur: Wenn man nach sechs Kriegswochen immer noch nicht sauber sagen kann, wie viel vom gegnerischen Arsenal wirklich zerstört wurde, dann ist das mit dem verkündeten totalen Triumph vielleicht doch eher eine Frage der Tonlage als der Tatsachen.

Und was hat der Krieg gekostet? Militärisch mindestens 13 tote US-Soldaten und Hunderte Verwundete. Finanziell offenbar mehr als eine Milliarde Dollar pro Tag. Logistisch einen rasanten Verbrauch an Munition, Tomahawks und Ressourcen. Politisch hat Trump zudem innenpolitisch tiefe Risse in seinem eigenen Lager offengelegt. Selbst Teile seiner MAGA-Bewegung hatten irgendwann Mühe, den Kurs noch als „America First“ zu verkaufen, wenn gleichzeitig mit der Vernichtung einer ganzen Zivilisation gedroht wurde. Marjorie Taylor Greene sprach offen von „böse“, Tucker Carlson zerlegte den Kurs ohnehin schon seit Tagen, Demokraten forderten teils sogar ein Vorgehen nach dem 25. Verfassungszusatz. Das ist für einen Präsidenten, der Stärke inszenieren wollte, eine ziemlich teure Form der Selbstbeschädigung.

Besonders unerquicklich bleibt zudem die Frage möglicher ziviler Opfer. Der mutmaßliche US-Schlag auf eine Schule in Minab mit mindestens 168 Toten, darunter 110 Kinder, steht weiter im Raum. Das Pentagon „ermittelt“ angeblich, hat aber auch nach Wochen keine Ergebnisse vorgelegt. Auch das gehört zu diesem Krieg: große Reden über Präzision, Freiheit und Sicherheitsinteressen – und dann eine Untersuchung, die offenbar ungefähr so schnell vorankommt wie Wahrheitsfindung in einem Wahlkampf-Spot.

Wirtschaftlich ist der Befund fast schon grotesk. Trump begann einen Krieg, an dessen Ende sein vordringlichstes Ziel plötzlich nicht mehr Regimewechsel, Abrüstung oder strategische Neuordnung war, sondern die Wiederöffnung einer Meerenge, die offen war, bevor er losschlug. Iran nutzte die Straße von Hormus als Hebel, setzte den Welthandel unter Druck, trieb Öl- und Transportkosten nach oben und erzeugte genau jene wirtschaftliche Schockwelle, die nun amerikanische Autofahrer und Verbraucher mit höheren Preisen bezahlen dürfen. Oder in einem Satz: Trump startete einen Krieg und musste ihn dann abbremsen, weil die Folgen seines eigenen Krieges ökonomisch zu teuer wurden.

Auch gegenüber den Verbündeten sah das Bild unerquicklich aus. Trump informierte sie anfangs nicht, um den Überraschungseffekt zu erhalten, beschimpfte sie später als zu langsam, forderte mal Hilfe, mal keine Hilfe und legte anschließend wieder nach, dass NATO-Partner versagt hätten. Für Europa ist das einmal mehr ein Lehrstück darüber, wie unberechenbar und eigensüchtig Washington inzwischen agiert. Wer bislang noch glaubte, Amerikas Schutzschirm sei dauerhaft verlässlich, dürfte spätestens jetzt begonnen haben, den Begriff „strategische Eigenständigkeit“ nicht mehr für eine französische Marotte, sondern für eine Überlebensfrage zu halten.

Kommentar von diebewertung

Die USA haben im Iran-Krieg vor allem eines erreicht: Sie haben gezeigt, dass militärische Überlegenheit noch lange keine politische Lösung garantiert. Das Atomproblem ist nicht gelöst, das Regime ist nicht gefallen, das Arsenal ist offenbar nicht vollständig zerstört, die Straße von Hormus wurde zum ökonomischen Erpressungshebel, Verbündete wurden vor den Kopf gestoßen und im eigenen Land wächst der politische Preis. Im Pentagon mag das nach heldenhafter Luftkriegspoesie klingen. In der Realität bleibt vor allem der Eindruck eines Krieges, der sehr laut als Sieg verkauft wird, weil die tatsächlichen Ergebnisse viel zu dürftig wären, um sie nüchtern vorzutragen.

Fazit

Hat die USA ihre Kriegsziele im Iran erreicht? Wenn man Trumps und Hegseths Rhetorik glaubt, natürlich vollständig, glorreich und beinahe biblisch. Wenn man sich die Fakten anschaut, lautet die Antwort eher: teilweise militärische Schäden verursacht, aber die eigentlichen politischen Probleme nicht gelöst und dafür neue geschaffen. Das ist kein strategischer Durchbruch. Das ist eher die altbekannte amerikanische Spezialität, militärische Macht mit politischer Wirksamkeit zu verwechseln – und den Rest dann mit Pressebriefings zuzukleistern.

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