Rund 200 Millionen Franken investierten mehr als 6.000 Anleger in Teakbäume der inzwischen insolventen Life Forestry Switzerland AG. Während Schweizer Strafverfolger gegen frühere Verantwortliche ermitteln, greift Patrick Huber, Verwaltungsrat der LFS Bewirtschaftungs AG, in einem Kundenschreiben die Anlegervertretung und Rechtsanwalt Jens Reime scharf an. Dabei war Huber selbst jahrelang stellvertretender Geschäftsführer der früheren Life Forestry Switzerland AG.
200 Millionen Franken und viele offene Fragen
Die Schweizer Fernsehsendung „Rundschau“ veröffentlichte am 14. Oktober 2026 gemeinsam mit Correctiv.Schweiz bemerkenswerte Rechercheergebnisse.
Mehr als 6.000 Anleger, darunter zahlreiche Deutsche, investierten insgesamt rund 200 Millionen Franken. Versprochen wurden teilweise jährliche Renditen von bis zu zwölf Prozent.
Heute ist die Gesellschaft insolvent. Zahlreiche Anleger fürchten um ihre Investitionen.
Die Staatsanwaltschaft Nidwalden ermittelt gegen den früheren Unternehmenschef Carl-Lambert Liesenberg und eine weitere Person wegen des Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Konkursdelikte. Fünf Hausdurchsuchungen fanden statt.
Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Besonders brisant: 25 Millionen Franken Darlehen
Die Fernsehrecherche dokumentierte weitere bemerkenswerte Vorgänge.
Im Jahresabschluss 2023 wurden Darlehen über insgesamt 25 Millionen Franken ausgewiesen. Davon entfielen 3,6 Millionen Franken auf Liesenberg persönlich. Weitere Beträge gingen an verbundene Unternehmen und Geschäftspartner.
Zugleich ergaben Grundbuchrecherchen, dass die Plantagengrundstücke in Costa Rica nicht der insolventen Schweizer Gesellschaft gehörten, sondern anderen Gesellschaften.
Diese Erkenntnisse verlangen eine gründliche Aufklärung der Geldflüsse.
Und welche Verantwortung hatte Patrick Huber?
Ausgerechnet jetzt warnt Patrick Huber ehemalige Anleger vor der IG Life Forestry und Rechtsanwalt Jens Reime.
Er kritisiert angeblich überhöhte Anwaltskosten, stellt die Glaubwürdigkeit der Anlegervertretung infrage und deutet sogar einen möglichen Zusammenhang zwischen deren Reise nach Mittelamerika und späteren Plantagenbesetzungen an.
Belege für einen solchen Zusammenhang enthält das vorliegende Schreiben nicht.
Dabei bestätigt die SRF-Recherche ausdrücklich, dass Huber jahrelang stellvertretender Geschäftsführer der Life Forestry Switzerland AG war.
Deshalb interessieren uns andere Fragen: Welche Kenntnisse hatte Huber über die finanziellen Verhältnisse? Waren ihm die Darlehen an verbundene Unternehmen bekannt? Welche Zuständigkeiten besaß er bei der Betreuung der Anleger?
Eine persönliche strafrechtliche Verantwortung Hubers ist damit nicht nachgewiesen. Seine frühere Führungsposition rechtfertigt jedoch kritische Nachfragen.
Neue Verträge, alte personelle Verbindungen
Die LFS Bewirtschaftungs AG bietet ehemaligen Anlegern die Betreuung und Vermarktung ihrer Bäume gegen eine Provision von 15 Prozent an.
Liesenberg erklärte laut SRF, rund 4.000 Kunden hätten entsprechende Verträge abgeschlossen.
Damit stellt sich die Frage, wie unabhängig die neue Bewirtschaftungsstruktur tatsächlich von früheren Verantwortlichen und Geschäftsbeziehungen ist.
Herr Huber, Transparenz beginnt bei der eigenen Vergangenheit
Selbstverständlich sollten Anleger anwaltliche Angebote sorgfältig prüfen. Doch ebenso kritisch müssen sie neue Bewirtschaftungsverträge und die dahinterstehenden Personen hinterfragen.
Wer anderen mangelnde Glaubwürdigkeit vorwirft, sollte zunächst die eigene frühere Rolle transparent erläutern.
Herr Huber, ein altes Sprichwort lautet: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
Angesichts von rund 200 Millionen Franken Anlegergeldern erwarten die Betroffenen Antworten, keine gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Und diese Antworten sollten auch Ihre damalige Tätigkeit bei Life Forestry umfassen.
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