Wissenschaftler haben im Golf von Panama eine beunruhigende Beobachtung gemacht: Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen vor 40 Jahren blieb dort das saisonale Auftriebsphänomen aus. Normalerweise sorgen Passatwinde zwischen Januar und April dafür, dass kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche steigt – eine Grundlage für reiche Fischbestände und Schutzmechanismen für Korallenriffe.
Erster Ausfall seit Beginn der Messungen
Wie Forscher des Smithsonian Tropical Research Institute berichten, trat das Auftriebsereignis 2025 nicht ein. „Das ist das erste Mal, dass wir dieses Versagen beobachten“, sagte Projektleiter Aaron O’Dea. Die Ursachen seien noch unklar, erste Hinweise deuten jedoch auf schwächere Passatwinde hin.
Bedeutung für Ökosysteme
Der Ausfall hat Folgen: Die üblichen Temperaturrückgänge und die damit verbundene biologische Produktivität blieben in diesem Jahr aus. „Das könnte ein ernstes Warnsignal sein“, erklärte der Klimaforscher Tim Lenton von der Universität Exeter. Auch wenn der Golf von Panama nicht als klassischer Klima-Kipppunkt gilt, sei das Ausbleiben des Auftriebs eine schlechte Nachricht für andere bereits bekannte Kipp-Elemente – etwa das weltweite Korallensterben.
Klimawandel als möglicher Faktor
Ob der Klimawandel direkt verantwortlich ist, bleibt offen. „Die größere Frage lautet: Warum wehten die Winde nicht? Das wissen wir noch nicht“, sagte O’Dea. Klar sei jedoch, dass Störungen dieser Art Küstengemeinschaften bedrohen könnten, die seit Jahrtausenden vom Fischreichtum des Meeres leben.
Nächste Schritte der Forschung
Das Team will nun Satelliten- und Atmosphärendaten auswerten und hochauflösende Modelle entwickeln. Zudem ist für Anfang 2026 eine Expedition geplant, um die Wasserschichten direkt vor Ort zu untersuchen. „Wir hoffen, dass dieses Ereignis mehr Forschung anstößt“, so O’Dea. „Vielleicht war es ein Ausreißer – oder der Beginn eines neuen Normalzustands.“
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