Ohne Gentechnik

Seit Jahren lehnen die meisten Menschen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Wie Umfragen zeigen, wollen sie auch keine tierischen Produkte, bei denen die Tiere mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden.

Trotzdem kann womöglich die gentechnisch veränderte Maissorte TC 1507 demnächst in Europa angebaut werden. Zu wenige EU-Minister sprachen sich gegen die Zulassung der umstrittenen Pflanze aus. Auch Deutschland enthielt sich der Stimme. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat in mehreren Studien keinen Einwand gegen den Anbau von TC 1507 des US-Herstellers DuPont Pioneer erhoben. Nun wird die EU-Kommission der Zulassung voraussichtlich zustimmen. Umweltschützer sehen in der Maissorte, die gegen bestimmte Schädlinge und Unkrautvernichter immun ist, ein Risiko für die Artenvielfalt. Doch das ist nur ein gravierender Einwand von vielen.

Warum der Mais TC 1507 nicht auf europäische Äcker darf!

DNA IconUndemokratisches Genehmigungsverfahren: Mindestens 80 Prozent der Deutschen möchten keinen Genmais essen. In den Koalitionsvereinbarungen, die erst wenige Wochen alt sind, wurde versprochen, die Vorbehalte der Bevölkerung gegen Agro-Gentechnik anzuerkennen. Viele deutsche Politiker sind dagegen – sogar Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich – daher hätte sich Deutschland nicht enthalten dürfen!

DNA IconÜbermacht der Lobbyisten: Auch die Mehrheit der europäischen Länder ist gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Mais. Immerhin 19 Länder hatten sich bei der Abstimmung explizit dagehen ausgesprochen. Trotzdem wird sich die Genlobby in Europa voraussichtlich durchsetzen. Was für eine absurde Situation, die unseres Erachtens ein schlechtes Licht auf demokratische Prozesse in der EU wirft.

DNA IconGefährdung gentechnikfreier Landwirtschaft: Die Pollen von TC 1507 können sich unkontrolliert verbreiten. Ökologische aber auch konventionelle Lebensmittel können dann nicht mehr gentechnikfrei angebaut werden.

DNA IconIn Zukunft ohne Alleinstellungmerkmal: Gentechnikfreie Äcker in Deutschland sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für unsere Landwirtschaft. Die Bauern, der weltweite Handel und nicht zuletzt die Verbraucher profitieren davon.

DNA IconRisikotechnologie Gentechnik: Die Gentechnik stellt genauso wie die Atomkraft eine Risikotechnologie dar. Die Sicherheitsforschung und Technikfolgenabschätzungen führen hauptsächlich die finanzkräftigen Befürworter durch. Sind Pflanzen wie TC 1507 oder andere Organismen erst einmal in die Umwelt gelangt, können sie nicht wieder zurückgeholt werden.

DNA IconGefahren für die Artenvielfalt: Nützliche Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge können durch das Insektengift, das die genveränderte Maispflanze produziert, geschädigt werden. Welche Gefahren TC 1507 in sich birgt, ist noch nicht genügend untersucht worden und teilweise auch nicht voraussehbar.

DNA IconZu viele Verlierer: Zu den großen Gewinnern gehört hauptsächlich die Firma DuPont Pioneer, die das Saatgut lukrativ verkauft und die Bauern langfristig von sich abhängig macht. Landwirte, Verbraucher und die Umwelt hingegen sind die Verlierer, wenn mit dieser Entscheidung dem Genmais in Europa die Tür geöffnet wird.

Wo und wie man gentechnikfreies Essen findet

Aufgrund einer fehlenden Kennzeichnungsregelung für tierische Lebensmittel konnten Verbraucher jahrelang bei Eiern, Fleisch und Milch aus konventioneller Produktion nicht erkennen, ob Gen-Pflanzen verfüttert wurden oder nicht. Seit 2008 können Hersteller freiwillig tierische Lebensmittel von Kühen, Schweinen oder Hühnern kennzeichnen, wenn diese keine Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen zu fressen bekommen haben. Heute gibt es viele Produkte „ohne Gentechnik” im Supermarkt.

Was man über das „Ohne-Gentechnik”- Label wissen sollte

Die „Ohne-Gentechnik”-Kennzeichnung ist uns wichtig, weil wir für Verbraucher mehr Wahlfreiheit möchten und das Label für einen guten Anfang halten, auch wenn einige Vorgaben noch verbesserungswürdig sind.

Logo "Ohne Gentechnik"

Tierische Lebensmittel wie Milch, Butter, Eier oder Fleisch, die das Label „ohne Gentechnik“ tragen, stammen von Tieren, die ausschließlich ohne gentechnisch veränderte Futtermittel, wie zum Beispiel Sojaschrot, ernährt wurden – allerdings nur während eines bestimmten Zeitraums. Dieser beträgt zum Beispiel für Milchkühe drei Monate und für Schweine vier Monate vor der Schlachtung. Wünschenswert wäre eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel von Geburt der Tiere an.

Verunreinigungen bis 0,9 Prozent werden geduldet, wenn sie unbeabsichtigt ins Futter gelangt sind. Darüber hinaus dürfen Zusatzstoffe, etwa Vitamine für Futtermittel, mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien hergestellt werden. Die Herstellung darf allerdings nur in geschlossenen Systemen stattfinden. Diese Mikroorganismen gelangen im Gegensatz zu gentechnisch veränderten Pflanzen nicht in die Umwelt.

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Aktuelle Nachrichten zu Lebensmitteln „Ohne Gentechnik”

11. Februar 2014: Womöglich kann der umstrittene gentechnisch veränderte Mais TC 1507 demnächst in Europa angebaut werden. In einer Sitzung der EU-Minister kam die erforderliche Stimmenzahl gegen die Zulassung des umstrittenen Produkts nicht zustande. Weil die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA in mehreren Studien keinen Einwand gegen den Anbau erhoben hat, wird die EU-Kommission der Zulassung nun voraussichtlich zustimmen. TC 1507 des US-Herstellers DuPont Pioneer ist gegen bestimmte Schädlinge und Unkrautvernichter immun. Umweltschützer sehen in der Maissorte ein Risiko für die Artenvielfalt.

3. Dezember 2013: Kontroverse Diskussionen über die Erzeugung von Lebensmitteln mithilfe von Gentechnik werden in Deutschland seit Jahren geführt. Die Gegner gentechnisch veränderter Produkte stützen sich unter anderem auf eine Langzeitstudie französischer Forscher. Sie hatten genveränderten Mais der Sorte NK-603, der beispielsweise in Form von Stärke, Öl bzw. indirekt über tierische Lebensmittel auf unseren Tellern landen kann, an Ratten verfüttert. Die Versuchstiere litten daraufhin verstärkt unter Leber- und Nierenschäden und erkrankten häufiger an Krebs.
Die anerkannte Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology hat nun nachträglich die Veröffentlichung dieser Studie widerrufen, weil die Ergebnisse nicht überzeugend seien. Kritik an der Studie kam auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Demnach gebe es schwerwiegende methodische Mängel. So war die Anzahl der Tiere pro Testgruppe zu klein. Außerdem wurde ein Rattenstamm in die Versuche einbezogen, der grundsätzlich anfälliger für Krebs sei als andere Stämme.

Trotzdem bleiben Zweifel. Denn es fehlt an unabhängiger Risikoforschung, häufig bezahlt und beeinflusst die Industrie die Untersuchungen zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln und damit auch die Ergebnisse. Wir fordern daher: Es sind weitere unabhängige Untersuchungen notwendig, um die Sicherheit der europäischen Verbraucher zu gewährleisten. Denn die große Mehrheit der Bevölkerung lehnt den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft ab.

15. Juli 2013: Die wichtigsten Fragen zum Einsatz von Gentechnik bei Lebensmitteln, zur Kennzeichnung allgemein und zum „Ohne Gentechnik“-Siegel beantwortet eine neue Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Broschüre kann auf der Internetseite des Ministeriums als digitales Dokument heruntergeladen werden.

20. Mai 2010: Im März 2010 wurde in Berlin der „Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V.“ gegründet. Er soll in Zukunft für die Vergabe des „Ohne Gentechnik“-Logos zuständig sein. Der Internetauftritt ist zu finden unter www.ohnegentechnik.org.

18. Januar 2010: Laut Informationen von Spiegel Online verkauft der Discounter Lidl seit einer Woche in den bayrischen Lidl-Filialen unter dem Label „Ein gutes Stück Heimat“ Milch und Milchprodukte aus garantiert bayrischer Milch. Womit der Discounter nicht wirbt: Er verpflichtet die Bauern auch, auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten. Die Milch/-produkte könnten also mit „ohne Gentechnik“ gelabelt werden. Zu der Frage, warum Lidl damit nicht wirbt, hat der Spiegel in seinem Artikel Gründe genannt.

27. August 2009: Mit einem einheitlichen Logo will Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner der „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung auf die Sprünge helfen. Am 10. August stellte sie das neue Zeichen vor, das die Lebensmittelindustrie kostenfrei nutzen darf. Ziel sei es, die Transparenz im Lebensmittelmarkt zu erhöhen und es Verbrauchern zu erleichtern, Produkte, die ohne Gentechnik hergestellt worden sind, zu erkennen. Damit hat Frau Aigner eine unserer Forderungen entsprochen, nämlich ein einheitliches Logo einzuführen. Es bleibt abzuwarten, ob die Lebensmittelindustrie dies in Zukunft in größerem Umfang nutzen wird. Wenn nicht, sollte eine verbindliche Kennzeichnungspflicht für tierische Lebensmittel, die in Kontakt mit Gentechnik gekommen sind, eingeführt werden.

15. April 2009: Der Anbau der genveränderten Maissorte MON 810 ist verboten worden – eine erfreuliche Nachricht für den gesundheitlichen Verbraucherschutz! Denn zu groß waren die möglichen Risiken, die unterschiedliche Studienaufgezeigt hatten. Die Verbraucherzentrale ruft Handel und Hersteller auf, dieses Anbauverbot zum Anlass zu nehmen, vermehrt Produkte mit dem Label „ohne Gentechnik“ ins Angebot zu bringen. Die Firma Stolle aus Hessen wird beispielsweise ab Mai 2009 das Geflügel nicht mehr mit genverändertem Futter füttern und die Produkte entsprechend kennzeichnen.

Quelle:VBZ Hamburg

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