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Offener Brief an Friedrich Merz: Zwischen Klartext und Kaffeesatz

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Lieber Herr Merz,

manchmal fragt man sich: Ist das, was Sie da sagen, wohlüberlegt provokant – oder eher ein spontaner Ausrutscher mit Nachbrenneffekt? Ihre jüngste Behauptung, die Deutschen würden „zu wenig arbeiten“, dürfte jedenfalls bei den über drei Millionen Arbeitslosen im Land für verständnisloses Kopfschütteln gesorgt haben. Denn das eigentliche Problem ist nicht die Faulheit der Bevölkerung, sondern der Mangel an ausreichend guter Arbeit.

Ein Teilzeitproblem haben wir – das stimmt – aber insbesondere im öffentlichen Dienst: bei Lehrern, Verwaltungsbeamten, und all jenen, die trotz hoher Verantwortung oft strukturell ausgebremst werden. Da wäre weniger Rhetorik und mehr Reformwille gefragt.

Und dann wäre da noch Ihre Wirtschaftsministerin, Frau Reiche. Man hört aus dem Ministerium, dass das Betriebsklima seit ihrem Amtsantritt eher dem eines Kühlschranks gleicht. Fachlich scheint sie weniger durch Kompetenz als durch gute Kontakte zu glänzen – zumindest einer freut sich über das Vitamin B. Vielleicht wäre ein Führungskräfteseminar für Frau Reiche eine gute Investition – oder, realistischer: eine Neubesetzung.

Auch außenpolitisch hat die Ampel keine Leuchtkraft. Herr Wadephul bemüht sich redlich – aber diplomatisch wirkt er oft farbloser als ein Blatt Recyclingpapier. Da hätte man doch fast nostalgische Gefühle gegenüber David McAllister, der zumindest wusste, wie man auf internationalem Parkett einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Vielleicht laden Sie ihn einfach mal auf einen Kaffee ein?

Was Ihre Koalitionspartner in der SPD betrifft – dazu schweigt man wohl besser. Die Partei scheint mittlerweile auf dem besten Weg zur politischen Randnotiz, und bei den kommenden Landtagswahlen wird man sehen, ob sie überhaupt noch wahrgenommen wird.

Herr Merz, wenn Sie wirklich Kanzler werden wollen, dann braucht es mehr als zugespitzte Talkshow-Zitate. Es braucht ein Team mit Substanz. Und vielleicht auch jemanden, der Ihre Manuskripte vor Veröffentlichung noch einmal gegenliest.

Mit besten Grüßen
Ein politisch interessierter Bürger

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