Nach einem turbulenten Handelstag haben sich die Ölpreise am Freitag etwas beruhigt. Zuvor war der internationale Referenzpreis zeitweise auf über 119 Dollar pro Barrel gestiegen – getrieben von zunehmenden Sorgen um die Energieversorgung im Zuge des Konflikts im Nahen Osten.
Trotz des leichten Rückgangs warnen Analysten jedoch:
Die Preise dürften auf absehbare Zeit hoch bleiben.
Grund dafür sind beschädigte Energieinfrastruktur sowie die faktische Blockade der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Transportrouten für Öl und Gas weltweit.
Goldman Sachs: Öl könnte jahrelang teuer bleiben
Die Investmentbank Goldman Sachs geht sogar noch weiter.
In einem aktuellen Bericht warnen die Analysten, dass Ölpreise bis mindestens 2027 über 100 Dollar pro Barrel liegen könnten.
Hintergrund seien anhaltende Versorgungsstörungen und strukturelle Ausfälle auf der Angebotsseite. Frühere Krisen hätten gezeigt, dass solche Schocks oft länger nachwirken als erwartet.
Kurzfristige Entspannung – langfristige Risiken
Am Freitag fiel der Brent-Preis leicht auf rund 108 Dollar, während die US-Sorte WTI bei etwa 94,60 Dollar notierte.
Auslöser für die kurzfristige Entspannung waren politische Signale:
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte an, auf weitere Angriffe gegen zentrale iranische Energieanlagen vorerst zu verzichten.
Zuvor hatte ein israelischer Angriff auf das iranische South-Pars-Gasfeld eine Kettenreaktion ausgelöst:
Iran reagierte mit Angriffen auf Katars Ras-Laffan-Anlage – die größte LNG-Exportanlage der Welt – und ließ die Preise sprunghaft steigen.
Straße von Hormus bleibt Nadelöhr
Der Konflikt dauert inzwischen mehrere Wochen an – und ein Ende ist nicht in Sicht.
Besonders kritisch bleibt die Lage in der Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung transportiert werden.
Seit fast drei Wochen ist die Route faktisch blockiert.
Ein iranischer Sicherheitsvertreter erklärte zudem, die Passage werde „nicht mehr zu den Bedingungen vor dem Krieg zurückkehren“.
Szenarien: Von moderater Entspannung bis Preisschock
Goldman Sachs zeichnet zwei mögliche Entwicklungen:
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Best Case:
Eine schrittweise Normalisierung ab dem Frühjahr könnte die Preise bis 2026 wieder in den Bereich von etwa 70 Dollar drücken. -
Worst Case:
Anhaltende Störungen könnten den Ölpreis sogar über das Rekordniveau von 2008 (rund 147 Dollar) treiben.
Selbst mittelfristig könnten die Preise hoch bleiben, wenn die Fördermengen nicht schnell wieder steigen.
Zusätzlicher Druck durch beschädigte Infrastruktur
Bereits jetzt zeigen sich konkrete Folgen:
Katar meldete, dass die Angriffe seine Exportkapazitäten für Flüssiggas um 17 Prozent reduziert haben.
Die Reparaturen könnten bis zu fünf Jahre dauern – mit Auswirkungen auf Märkte in Europa und Asien.
Politik unter Druck
Angesichts steigender Energiepreise wächst der Druck auf die US-Regierung.
Präsident Donald Trump versucht, die Lage zu beruhigen, und erklärte, die Preisspitzen würden „bald vorbei sein“. Gleichzeitig prüft die Regierung verschiedene Maßnahmen, um die Preise zu stabilisieren.
Dazu gehört unter anderem:
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die Freigabe strategischer Ölreserven
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sowie Überlegungen, Sanktionen auf bereits verschifftes iranisches Öl zu lockern
Ein Exportverbot für US-Öl und Gas wurde hingegen bislang ausgeschlossen.
Internationale Reaktionen
Parallel dazu laufen diplomatische und militärische Abstimmungen:
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Die USA drängen Verbündete, bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen
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Großbritannien hat erste militärische Planer entsandt
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andere Partner zeigen sich jedoch zurückhaltend
Fazit
Auch wenn sich die Preise kurzfristig stabilisieren, bleibt die Lage angespannt.
👉 Ein zentraler Transportweg ist blockiert
👉 Infrastruktur wurde beschädigt
👉 und ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar
Die Folge:
Der Energiemarkt steht vor einer Phase anhaltender Unsicherheit – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft und Verbraucher weltweit.
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