Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich nach der Suspendierung von Jimmy Kimmels Late-Night-Show öffentlich geäußert und Medienunternehmen dazu aufgefordert, sich nicht länger dem Druck der Trump-Regierung zu beugen.
Auf X (ehemals Twitter) schrieb Obama am 18. September:
„Nach Jahren der Klagen über sogenannte Cancel Culture geht die aktuelle Regierung nun selbst einen gefährlichen Schritt weiter, indem sie regelmäßig mit regulatorischen Maßnahmen gegen Medienunternehmen droht, wenn diese Reporter oder Kommentatoren nicht entlassen, die ihr missfallen.“
In einem weiteren Post ergänzte er:
„Das ist genau die Art von staatlicher Einflussnahme, vor der der Erste Verfassungszusatz (First Amendment) schützen soll – und Medienunternehmen müssen endlich aufhören, dem nachzugeben.“
Obama verlinkte in seinem Beitrag auch einen Artikel der New York Times über die Entlassung der Washington-Post-Kolumnistin Karen Attiah, die nach eigenen Angaben wegen kritischer Beiträge zu Kirks Tod ihren Job verlor.
Hintergrund: Kimmels Suspendierung wegen Aussagen zu Charlie Kirk
Die Walt-Disney-Tochter ABC hatte die Show „Jimmy Kimmel Live!“ am 17. September auf unbestimmte Zeit aus dem Programm genommen. Grund war Kimmels Monolog vom 15. September, in dem er den mutmaßlichen Attentäter von Charlie Kirk mit der MAGA-Bewegung in Verbindung gebracht hatte.
„Wir haben neue Tiefpunkte erreicht, als die MAGA-Gang versuchte, diesen Jungen, der Charlie Kirk ermordet hat, als etwas anderes als einen von ihnen darzustellen – nur um daraus politisches Kapital zu schlagen“, so Kimmel in der Sendung.
Kirk, ein prominenter konservativer Aktivist, wurde am 10. September bei einer Veranstaltung an der Utah Valley University durch einen gezielten Schuss in den Hals getötet.
Trump begrüßt Suspendierung und geht weiter gegen Medien vor
Präsident Donald Trump feierte die Absetzung der Sendung in einem Post auf Truth Social:
„Großartige Neuigkeiten für Amerika: Die Jimmy-Kimmel-Show mit ihren miserablen Quoten ist ABGESETZT. Gratulation an ABC, dass sie endlich den Mut hatten, das Notwendige zu tun.“
Er bezeichnete Kimmel als „ohne jegliches Talent“ und forderte auch das Ende der Shows von Jimmy Fallon und Seth Meyers, die – wie Kimmel – Trump-Kritiker sind.
Weißes Haus: Kimmel darf sprechen, aber Sender müssen es nicht ausstrahlen
Abigail Jackson, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte gegenüber USA TODAY am 18. September:
„Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun – Jimmy Kimmel kann sagen, was er will, aber ein privater Sender ist nicht verpflichtet, ihm dafür eine Plattform zu bieten.“
Kimmel belegt laut Einschaltquoten derzeit Platz zwei unter den Late-Night-Moderatoren, hinter Stephen Colbert von CBS. Dieser hatte im Juli angekündigt, seine Show im kommenden Jahr zu beenden – ein Schritt, der von Gewerkschaften und Kritikern ebenfalls mit möglichem politischen Druck in Verbindung gebracht wird, da CBS-Mutter Paramount eine Fusion plant, die staatliche Genehmigung benötigt.
FCC-Chef Carr drohte ABC offen
FCC-Vorsitzender Brendan Carr nannte Kimmels Äußerungen in einem Podcast mit dem konservativen Kommentator Benny Johnson „eine sehr ernste Angelegenheit“ und warnte:
„Wir können das auf die einfache oder die harte Tour machen.“
Carr forderte lokale Sender auf, künftig sorgfältiger zu prüfen, welche Inhalte sie übernehmen:
„Was Disney da liefert – wenn das der Standard der Zukunft ist – dann muss man sich fragen, ob das wirklich den Bedürfnissen der lokalen Gemeinden dient.“
Politische Verstrickungen: Wirtschaftliche Interessen und mediale Entscheidungen
ABC reagierte nach der Entscheidung der Nexstar Media Group, Kimmels Show aus dem Programm ihrer 32 ABC-Sender zu nehmen. Begründung: Kimmels Äußerungen zu Kirk seien „anstößig und unsensibel“.
Nexstar strebt derzeit die Übernahme des Senders TEGNA an – ein Deal im Wert von rund 6,2 Milliarden US-Dollar, der Regulierungsbehörden unter der Trump-Regierung zur Genehmigung vorliegt.
Auch die Sinclair Broadcast Group kündigte an, den Sendeplatz von Kimmel durch eine Gedenksendung für Charlie Kirk am 19. September zu ersetzen. Diese soll landesweit auf allen Sinclair-Sendern ausgestrahlt und auch anderen ABC-Ablegern angeboten werden.
Kommentar hinterlassen