Interne Notrufprotokolle, Einsatzberichte sowie Videoaufnahmen zeichnen ein detailliertes und beunruhigendes Bild der Ereignisse rund um die tödliche Schussabgabe eines US‑Einwanderungsbeamten auf eine dreifache Mutter Anfang Januar in Minneapolis. Die Unterlagen deuten auf organisatorisches Chaos, widersprüchliche Darstellungen und eine hoch emotionalisierte Situation unmittelbar nach der Tat hin.
Aus den 911‑Protokollen geht hervor, dass kurz nach den Schüssen mehrere Anrufer meldeten, ein Beamter der Einwanderungsbehörde habe eine Frau „aus nächster Nähe in ihrem Auto erschossen“. Ein Anrufer schilderte, die Frau sei getroffen worden, weil sie sich geweigert habe, das Fahrzeug zu verlassen. Im Hintergrund der Notrufe seien Schreie und Panik zu hören gewesen.
Sekunden vor den Schüssen
Augenzeugenvideos und eine Aufnahme aus der Perspektive des beteiligten Beamten zeigen die Momente vor der Schussabgabe. Das Fahrzeug der Frau stand quer auf einer verschneiten Wohnstraße und blockierte den Verkehr. Der Beamte näherte sich dem Auto, ohne zunächst zu sprechen. Die Fahrerin äußerte laut Videoaufnahmen, sie sei nicht wütend, während eine weitere Person den Beamten filmte und verbal provozierte.
Kurz darauf forderte ein weiterer Beamter die Fahrerin in aggressivem Ton auf, das Auto zu verlassen. Dann setzte das Fahrzeug zurück und fuhr anschließend wieder an. In diesem Moment fielen mehrere Schüsse. Videoaufnahmen von Umstehenden legen nahe, dass der Beamte sich nicht direkt im Fahrweg des Autos befand, als er zuerst durch die Windschutzscheibe und anschließend aus nächster Nähe durch das geöffnete Seitenfenster feuerte. Das Auto prallte danach gegen einen Mast.
Notrufe und Rettungsversuche
Innerhalb weniger Minuten gingen mehrere Notrufe ein. Zeugen berichteten von einer schwer verletzten Frau mit sichtbarem Blut im Fahrzeug. Einsatzkräfte fanden die Fahrerin wenig später reglos vor. Laut Einsatzbericht wies sie mehrere Schussverletzungen auf, unter anderem im Brustbereich sowie an Arm und Kopf.
Rettungskräfte versuchten, die Frau zu reanimieren, verlegten sie aus dem Fahrzeug auf den Gehweg und führten Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Etwa eine Stunde nach der Schussabgabe wurden diese erfolglos eingestellt.
Chaos am Tatort
Die Einsatzberichte dokumentieren erhebliche Unklarheiten über Zuständigkeiten vor Ort. Mehrfach wird festgehalten, dass unklar sei, „wer das Kommando hat“. Der Schütze wurde relativ früh vom Tatort abgezogen und in ein Bundesgebäude gebracht. Parallel wuchs die Zahl der Schaulustigen, die Situation wurde zunehmend angespannt, der Verkehr brach zusammen.
Behörden forderten zusätzliche Kräfte zur Absicherung an und versuchten schließlich, die beteiligten Bundesbeamten möglichst rasch vom Ort des Geschehens zu entfernen.
Proteste und widersprüchliche Darstellungen
In den Stunden nach dem Tod der Frau versammelten sich zahlreiche Menschen am Tatort. Es kam zu Protesten gegen die Einwanderungsbehörde, zeitweise setzten Einsatzkräfte Reizgas ein. Die Bundesbehörden erklärten später, der Beamte habe in Notwehr gehandelt, da das Fahrzeug versucht habe, Beamte zu gefährden. Diese Darstellung wird jedoch durch Videoaufnahmen und Zeugenaussagen zunehmend infrage gestellt.
Der Vorfall ereignete sich nur wenige Straßenzüge von einem Ort entfernt, der bereits zuvor zum Symbol für Polizeigewalt und landesweite Proteste geworden war. Entsprechend groß ist die öffentliche Empörung. Bürgerrechtsorganisationen und Beobachter fordern eine unabhängige Untersuchung des Einsatzes und der Entscheidungswege innerhalb der beteiligten Behörden.
Am Abend nach der Tat fand in der Nähe des Tatorts eine Mahnwache statt. Menschen legten Blumen und Kerzen nieder und skandierten Parolen gegen den Einsatz von Einwanderungsbehörden in Wohngebieten. Die Forderung nach Aufklärung und Konsequenzen hält seitdem an.
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