In einem hochumstrittenen Vorfall wurde der New Yorker Stadtkämmerer und Bürgermeisterkandidat Brad Lander am 17. Juni von Bundesbeamten der US-Einwanderungsbehörde (ICE) festgenommen. Der Vorwurf: Behinderung von Bundesbeamten und Körperverletzung.
Lander hatte einen Migranten nach dessen Anhörung am Bundesgericht in Manhattan begleitet, als mehrere maskierte ICE-Agenten versuchten, den Mann festzunehmen. In einem Video ist zu sehen, wie Lander dem Mann den Arm reicht und mehrfach nach einem richterlichen Haftbefehl fragt. Sekunden später wird er gewaltsam von den Beamten getrennt, an eine Wand gedrückt und abgeführt – begleitet von seinem NYPD-Sicherheitsdienst.
Vier Stunden später trat Lander, begleitet von Gouverneurin Kathy Hochul, aus dem Bundesgebäude. Er sagte, sein Einsatz sei ein Zeichen für den Schutz der Rechte aller New Yorker: „Wir stehen hier nicht nur für ein paar Familien. Wir stehen für die Zukunft dieser Stadt.“
Bundesbehörden: „Niemand steht über dem Gesetz“
Laut Tricia McLaughlin vom Heimatschutzministerium wurde Lander verhaftet, weil er „einen Bundesbeamten angegriffen und behindert“ habe. Auch die Staatsanwaltschaft des Southern District of New York kündigte Ermittlungen an.
Politisches Beben in New York
Die Festnahme sorgt parteiübergreifend für Empörung. Gouverneurin Hochul, Generalstaatsanwältin Letitia James und mehrere Stadtratsmitglieder nannten die Aktion eine „inakzeptable Machtdemonstration“.
Ex-Gouverneur Andrew Cuomo, aktuell Spitzenreiter im Bürgermeisterrennen, warf Amtsinhaber Eric Adams vor, „New York an Donald Trump ausgeliefert“ zu haben. Adams, der nicht mehr als Demokrat kandidiert, ließ erklären, es gehe heute nicht um Lander, sondern darum, dass „alle New Yorker – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – sich sicher fühlen müssen“.
Landers Wahlkampfteam betonte, der Kandidat habe lediglich das Gesetz eingefordert und niemanden behindert.
Der Vorfall findet vor dem Hintergrund verschärfter Abschiebungsmaßnahmen statt: Am 15. Juni hatte Präsident Trump die Ausweitung der ICE-Razzien in demokratisch geführten Städten angeordnet.
Der nächste bedeutende Moment: die Bürgermeistervorwahl in New York City am 24. Juni – mit Brad Lander nun als Symbolfigur im Zentrum eines eskalierenden Konflikts zwischen lokaler und Bundespolitik.
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