Die Deutsche Bahn will sich mal wieder neu erfinden. Dieses Mal unter der Leitung von Evelyn Palla, der neuen Vorstandsvorsitzenden, die gerade einmal zwei Wochen im Amt ist – und schon den ganz großen Wurf ankündigt. „Wir drehen den Konzern auf links“, verkündet sie entschlossen in der Bild am Sonntag. Klingt gut. Hat man nur leider alles schon einmal gehört.
Palla verspricht nicht weniger als den „kompletten Neuanfang“. Dafür sollen Schreibtische in der Berliner Konzernzentrale überprüft, Verantwortung an die Basis verlagert und Bahnhöfe einladender gestaltet werden. Ach, und natürlich soll alles auch digitaler, sauberer, kundenfreundlicher werden. Man kennt das.
„Ich überprüfe jeden Job auf den Mehrwert für unsere Kunden.“
Ja, bitte – fang beim Vorstand an.
App-Revolution statt Zugrevolution?
Herzstück der angekündigten Innovationsoffensive ist: ein „digitaler Baustellenmelder“. Wow. Während Züge im Winter erfrieren, im Sommer kollabieren und im Herbst über Laub stolpern, soll jetzt eine App die große Wende bringen. Die Bahn-App soll künftig zeigen, wo gerade wieder alles stillsteht – immerhin ehrlich.
Und wer glaubt, das sei Satire: Nein, das ist offizielle Bahnstrategie 2025.
„Dezentralisierung“ – klingt gut, heißt aber oft nur: keiner ist mehr zuständig
Palla will, dass künftig „die Macher vor Ort“ entscheiden. Das klingt nach Pragmatismus – kann aber genauso gut heißen: Verantwortung verteilen, damit keiner haftet, wenn wieder alles schiefgeht.
Und wer sorgt in Berlin dafür, dass das System nicht komplett zerfällt? Unklar. Aber Hauptsache, die Verwaltung „dient dem Eisenbahner“. Schön wär’s ja.
Die Bahn: Dauerbaustelle mit PR-Fassade
Seit Jahren schiebt der Konzern Milliarden durch die Gegend, verspricht pünktlichere Züge, bessere Services und mehr Transparenz. Die Realität: Verspätungen, marode Strecken, überfüllte Züge, kaputte Toiletten – und ein Konzern, der sich selbst nicht versteht.
Jetzt also Evelyn Palla. Die sechste Vorstandschefin in 20 Jahren. Alle kamen mit Visionen. Geblieben ist nur die Verspätung.
Fazit:
Wenn die Bahn wirklich etwas ändern will, braucht es keine App, keine PR-Offensive und keine weiteren Management-Floskeln. Es braucht Züge, die fahren. Und Vorstände, die schweigen – und liefern.
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