Die Lage im Nahen Osten ist am Montag erneut eskaliert: Nach den schweren US-Luftangriffen auf drei iranische Atomanlagen wächst weltweit die Sorge vor einem Flächenbrand. Der Iran hat bislang keine konkrete Vergeltung angekündigt – doch Regierungsvertreter und Hardliner machen deutlich: Die Antwort komme, und sie werde heftig sein.
Iran unter Druck – Welt wartet auf Antwort
Zwei Tage nach dem von US-Präsident Donald Trump angeordneten Angriff auf die iranischen Nuklearstandorte Fordow, Natanz und Isfahan hält die Spannung an. Die Bombardierung erfolgte mit sogenannten „Bunkerbrechern“, hochpräzisen, 13 Tonnen schweren Bomben, die tief in unterirdische Anlagen eindringen können. Die Operation trug den Codenamen „Midnight Hammer“.
Der Chef der UN-Atomaufsicht Rafael Grossi erklärte in einer Sondersitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), man gehe von „sehr erheblichen Schäden“ insbesondere an der Anlage Fordow aus. Unabhängige Inspektionen konnten bislang jedoch nicht durchgeführt werden.
Israel greift erneut an – auch Evin-Gefängnis betroffen
Israel setzte seine Angriffe auf iranisches Territorium am Montag fort. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von Angriffen auf „Ziele des Regimes“ mitten in Teheran. Getroffen wurden unter anderem das berüchtigte Evin-Gefängnis sowie ein internes Hauptquartier der Revolutionsgarden.
In mehreren Stadtteilen Teherans fiel zeitweise der Strom aus. Auch Luftalarmsirenen in Israel heulten erneut auf: Der Iran startete mehrere Raketenangriffe, von denen eine ein Umspannwerk im Süden Israels traf und Stromausfälle verursachte.
Trump spricht von „Regimewechsel“ – Treffen mit Sicherheitsrat
Donald Trump zeigte sich nach den Angriffen kämpferisch. In einem Beitrag auf seiner Plattform „Truth Social“ spekulierte er offen über einen möglichen Regimewechsel im Iran: „Wenn das iranische Regime nicht in der Lage ist, den Iran wieder groß zu machen – warum sollte es dann keinen Regimewechsel geben?“, schrieb er und schloss mit dem Slogan „MIGA!!!“ (Make Iran Great Again).
Am Montagmittag traf sich Trump mit seinem nationalen Sicherheitsteam. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte, die Angriffe hätten „Irans Fähigkeit zur Herstellung einer Atombombe eliminiert.“
Internationale Reaktionen: Russland kritisiert USA – Europa ruft zur Deeskalation auf
Russlands Präsident Wladimir Putin empfing den iranischen Außenminister Abbas Araqchi in Moskau und verurteilte die US-Angriffe als „ungerechtfertigte Aggression“. Man wolle dem iranischen Volk helfen und bemühe sich um Stabilität in der Region.
Auch Großbritannien, Frankreich und Deutschland forderten Zurückhaltung und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.
Iranische Warnungen: „Gambler Trump, du magst den Krieg beginnen – aber wir werden ihn beenden“
Der iranische Militärsprecher Ebrahim Zolfaqari richtete eine deutliche Warnung an die USA: „Gambler Trump, du kannst diesen Krieg beginnen – aber wir werden ihn beenden.“ Man werde mit „zielgerichteten und mächtigen Operationen“ antworten, hieß es in einer über staatliche Medien verbreiteten Videobotschaft.
Viele Analysten gehen davon aus, dass der Iran eher indirekt reagieren wird – etwa durch Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region oder durch die Aktivierung verbündeter Milizen im Irak, Syrien oder Jemen.
Droht eine Sperrung der Straße von Hormus?
Besondere Sorge herrscht wegen der Debatte im iranischen Parlament über eine Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seewege für den globalen Ölhandel. Rund 20 % des weltweiten Öltransports verläuft durch die enge Meeresstraße zwischen dem Iran und Oman. Eine Sperrung könnte den Ölpreis auf über 100 US-Dollar treiben.
Die endgültige Entscheidung über eine Blockade liegt jedoch beim Obersten Nationalen Sicherheitsrat des Iran – bislang gab es dazu keine Stellungnahme.
Die Sprecherin des Weißen Hauses erklärte, eine solche Maßnahme wäre „töricht“ und werde vom Trump-Team genau beobachtet. Indien und China, die große Teile ihres Öls durch die Straße von Hormus importieren, warnten ebenfalls vor einer Eskalation.
Proteste und innenpolitische Debatte in den USA
In mehreren US-Städten, darunter Washington und New York, demonstrierten am Wochenende Hunderte gegen eine militärische Eskalation im Nahen Osten. Auch im Kongress gibt es parteiübergreifend Kritik: Linke Abgeordnete wie Alexandria Ocasio-Cortez warfen Trump vor, die Verfassung verletzt zu haben. Der Republikaner Thomas Massie erklärte: „Das ist nicht verfassungsgemäß.“
Fazit
Die Lage ist hochexplosiv. Die Region steht am Rande eines größeren Kriegs, während die Welt auf die Antwort aus Teheran wartet. Ob es zu einer militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran kommt oder zu einer Eskalation über Stellvertreter – das Schicksal des Nahen Ostens und der Weltwirtschaft hängt von den Entscheidungen der kommenden Tage ab.
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