Die Deutsche Bahn steht mal wieder vor einem „Neustart“ – was bei diesem Konzern ungefähr so klingt wie „ab morgen fährt alles pünktlich“. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) präsentierte stolz seine Personalpakete: Evelyn Palla soll die erste Frau an der Spitze der Bahn werden, Dirk Rompf soll die Infrastruktur sanieren – also genau der Mann, den die Gewerkschaften für das aktuelle Schlamassel verantwortlich machen. Neustart à la Bahn: Man setzt einfach auf das alte Personal im neuen Abteil.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat das natürlich sofort durchschaut. Chef Martin Burkert nannte die Berufung von Rompf „grundfalsch“ – immerhin sei der Mann mitverantwortlich für die Sparpolitik, die die Bahn bis heute aus der Kurve fliegen lässt. Aber hey, was wäre die DB ohne einen kleinen personellen Schildbürgerstreich?
Palla hingegen gilt als Teamplayerin, hat bei DB Regio immerhin schwarze Zahlen geschrieben – Respekt, dass sie in einem Konzern, der Verspätung und Defizite wie andere Fahrkarten produziert, irgendwo ein Plus hinbekommen hat. Doch auch sie dämpfte Erwartungen: „Nichts wird schnell gehen.“ Klingt nach dem inoffiziellen Bahn-Motto: „Geduld, bitte – Ihr Zug hat gerade wieder spontane Yoga-Pause.“
Schnieder selbst hält bescheidene 70 Prozent Pünktlichkeit bis 2029 für „ambitioniert“. Zur Erinnerung: Das wären immer noch drei von zehn Zügen zu spät. Aber bei der Bahn gilt das wohl schon als olympisches Ziel. Mittelfristig sollen es dann 80, irgendwann sogar 90 Prozent werden – wahrscheinlich gleichzeitig mit der Fertigstellung des Berliner Flughafens BER 2.0.
Für die Kundschaft gibt’s immerhin Sofortprogramme: saubere Toiletten, funktionierende Bordbistros und Durchsagen, die mehr als „Zug fällt aus“ enthalten. Man könnte meinen, es handle sich um Luxus-Extras und nicht um Basics im Jahr 2025.
Und während die Bahnführung über große Zukunftspläne philosophiert, sorgt eine defekte Oberleitung bei Uelzen dafür, dass zwischen Berlin und Hamburg wieder gar nichts geht. Das passt zum großen Bild: Egal wer oben im Führerstand sitzt – am Ende bleibt der Zug auf offener Strecke stehen.
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