Ob mit Zucker oder ohne: Wer täglich zu Softdrinks greift, könnte seiner Leber langfristig erheblich schaden. Das zeigt eine neue Studie, die auf dem diesjährigen Kongress der United European Gastroenterology Week in Berlin vorgestellt wurde.
Schon eine Dose (etwa 330 ml) Limonade täglich – egal ob zuckerhaltig oder künstlich gesüßt – kann das Risiko für eine Fettlebererkrankung deutlich erhöhen.
Erhöhtes Risiko bereits bei moderatem Konsum
Laut den Studienergebnissen steigt das Risiko, an metabolisch-assoziierter Steatose (MASLD) – früher bekannt als nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) – zu erkranken um:
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50 % bei täglich 9 Unzen (ca. 270 ml) gezuckerter Limonade,
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60 % bei der gleichen Menge eines Diät-Softdrinks.
Zum Vergleich: Eine Standard-Dose Cola enthält 12 Unzen, also etwa 355 ml.
Die Studienergebnisse stammen von einem Forscherteam um Lihe Liu von der First Affiliated Hospital of Soochow University in Suzhou, China.
„Unsere Daten zeigen, dass selbst geringe Mengen an Light-Getränken mit einem erhöhten MASLD-Risiko verbunden sind“, so Liu.
Was ist MASLD?
MASLD ist eine Erkrankung, bei der sich Fett in der Leber einlagert, obwohl kein oder nur sehr wenig Alkohol konsumiert wird. Sie gilt als die weltweit häufigste Leberkrankheit. Unbehandelt kann sie zu Leberentzündung, Narbenbildung (Fibrose) und im schlimmsten Fall zu Leberzirrhose führen – mit ähnlichen Folgen wie bei chronischem Alkoholmissbrauch.
Warum sind Softdrinks so problematisch?
Laut Dr. Wesley McWhorter, Sprecher der Academy of Nutrition and Dietetics, liegt das Problem insbesondere an Fructose – einem Zucker, der in vielen Softdrinks enthalten ist, besonders in Form von Maissirup mit hohem Fructoseanteil (HFCS).
„Fructose wird überwiegend in der Leber verstoffwechselt. Bei übermäßigem Konsum – besonders aus Getränken – fördert sie die Fetteinlagerung in der Leber“, so McWhorter.
Auch künstlich gesüßte Getränke stehen zunehmend im Verdacht, Stoffwechselprozesse negativ zu beeinflussen, obwohl sie keinen Zucker enthalten. Die genaue Wirkung ist allerdings noch nicht vollständig erforscht.
Politischer Kontext: Zucker, Farbstoffe & Reformen
Die Veröffentlichung der Studie fällt in eine Zeit erhöhter Aufmerksamkeit für Ernährung und Gesundheit in den USA. Unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. setzt die Regierung Trump derzeit auf eine striktere Regulierung von Lebensmittelzusätzen, wie etwa künstlichen Farbstoffen.
Coca-Cola kündigte im Sommer an, künftig in den USA statt Maissirup wieder Rohrzucker zu verwenden – ein Schritt, der wohl auch mit politischem Druck zu tun hat.
Fazit: Wasser statt Cola – auch in der Diätversion
Auch wenn viele Menschen zu Diät-Limonaden greifen, um Kalorien zu sparen, empfiehlt die Wissenschaft mittlerweile generelle Zurückhaltung.
„Ob zuckerhaltig oder light – wer regelmäßig Softdrinks konsumiert, setzt seine Leber unnötigen Risiken aus“, so die Studienautoren.
Die einfachste Lösung: Bei Durst lieber zum Wasser greifen – die Leber wird es danken.
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