Russland setzt seine Angriffe auf die Ukraine mit unverminderter Härte fort. Bei neuen Attacken in mehreren Regionen des Landes wurden mindestens zwei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Gleichzeitig zeigen aktuelle Auswertungen, dass die russische Armee im März erstmals seit zweieinhalb Jahren keine weiteren Geländegewinne erzielen konnte – ein bemerkenswerter Befund, der Fragen zur aktuellen Schlagkraft Moskaus aufwirft.
Erneut zivile Opfer bei Angriffen
Besonders schwer getroffen wurde die Region Cherson im Südosten der Ukraine. Nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft griff Russland dort mit Artillerie, Granatwerfern und Drohnen an. Ein 42-jähriger Mann kam ums Leben, nachdem eine Drohne ein ziviles Fahrzeug traf. Weitere 16 Menschen wurden verletzt.
Auch in der nördlich von Kiew gelegenen Region Tschernihiw gab es ein Todesopfer. Dort schlug laut Militärverwaltung eine ballistische Rakete in Gebäude eines Unternehmens ein. Mindestens ein Mensch wurde dabei getötet. In der Stadt Druschkiwka in der Region Donezk wurden zudem mindestens neun Menschen verletzt.
Die Angriffe zeigen einmal mehr: Russland setzt weiterhin massiv auf Druck gegen die zivile Infrastruktur und die Bevölkerung – auch dort, wo militärische Durchbrüche an der Front offenbar ausbleiben.
Drohnenoffensive nimmt weiter zu
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Luftangriffen. Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Basis von Daten der ukrainischen Luftstreitkräfte wurde die Ukraine im März so stark mit Drohnen angegriffen wie in keinem anderen Monat seit Kriegsbeginn im Februar 2022.
Das ist ein klares Signal: Während die Bodenoffensive an Dynamik verliert, verstärkt Moskau offenbar den Druck aus der Luft. Diese Strategie ist nicht neu, gewinnt aber angesichts stagnierender Frontverläufe zusätzlich an Bedeutung.
Russland erstmals ohne Geländegewinne seit zweieinhalb Jahren
Parallel zu den neuen Angriffen kommt eine Entwicklung ans Licht, die militärisch durchaus bemerkenswert ist: Russland hat im März erstmals seit zweieinhalb Jahren keine weiteren Geländegewinne in der Ukraine erzielt.
Wie aus einer AFP-Analyse von Daten des Institute for the Study of War (ISW) hervorgeht, konnten ukrainische Truppen im vergangenen Monat sogar rund neun Quadratkilometer zurückerobern. Das ist zwar militärisch kein Durchbruch, aber symbolisch und strategisch ein wichtiges Signal.
Denn noch im Jänner hatte Russland laut den Daten 319 Quadratkilometer, im Februar immerhin noch 123 Quadratkilometer hinzugewonnen. Schon das waren die geringsten Werte seit April 2024. Im März blieb der Vormarsch nun erstmals ganz aus.
Starlink und Telegram als unerwartete Faktoren
Das ISW nennt für diese Entwicklung mehrere mögliche Ursachen. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen gegen die Nutzung von Starlink-Geräten durch russische Truppen sowie die Einschränkung des Zugangs zu Telegram.
Beides mag auf den ersten Blick nebensächlich wirken, ist in einem modernen Krieg aber hochrelevant. Starlink spielt für Kommunikation und Koordination an der Front eine wichtige Rolle, Telegram wird auch von russischen Soldaten intensiv genutzt. Wenn diese digitalen Werkzeuge gestört oder eingeschränkt werden, kann das direkte Auswirkungen auf Operationsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit haben.
Im Süden verliert Russland Boden – im Norden bleibt Donezk problematisch
Besonders im südlichen Frontbereich zwischen den Regionen Donezk und Dnipropetrowsk verlor Russland laut der Analyse weiter an Boden. Ende Jänner kontrollierten russische Truppen dort noch mehr als 400 Quadratkilometer, im Februar waren es nur noch 200, im März schließlich 144 Quadratkilometer.
Anders sieht es in anderen Abschnitten aus: In Teilen der weiter nördlich gelegenen Region Donezk bleibt die Lage für die ukrainische Armee weiterhin schwierig. Von einer generellen Entspannung an der Front kann also keine Rede sein.
Fazit: Militärisch gebremst, strategisch aber weiter gefährlich
Auch wenn Russland im März keine neuen Geländegewinne erzielt hat, wäre es verfrüht, daraus eine Trendwende abzuleiten. Moskau kontrolliert weiterhin knapp ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets. Der Großteil dieser Gebiete wurde allerdings bereits in den ersten Kriegswochen besetzt.
Klar ist aber auch: Der russische Vormarsch hat deutlich an Tempo verloren. Gleichzeitig nimmt die Intensität der Drohnenangriffe weiter zu. Das spricht für eine Anpassung der Strategie – weniger Bewegung an der Front, mehr Zermürbung aus der Distanz.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen damit zweierlei: Russland bleibt militärisch gefährlich und brutal – aber die Offensive läuft längst nicht mehr so reibungslos, wie es der Kreml gerne darstellen würde.
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