Ein Anleihefonds soll Anlegern laufende Zinserträge liefern.
Genau das hat der Murphy&Spitz Green Bond Fund im vergangenen Geschäftsjahr grundsätzlich getan.
Trotzdem verloren Anleger Geld.
Der am 30. September 2026 veröffentlichte Jahresbericht zeigt:
Der Anteilwert sank von 99,03 Euro auf 90,43 Euro.
Die Wertentwicklung lag bei minus 4,66 Prozent.
Das Fondsvermögen schrumpfte von 4,13 Millionen Euro auf 3,69 Millionen Euro.
Und das, obwohl der Fonds ein positives ordentliches Nettoergebnis von mehr als 163.000 Euro erwirtschaftete.
Wie passt das zusammen?
Zinsen schützen nicht automatisch vor Verlusten
Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in nachhaltigkeitsorientierte beziehungsweise „grüne“ Anleihen.
Das kann schnell zu einem Missverständnis führen.
Eine Anleihe zahlt Zinsen.
Deshalb wird sie häufig als weniger schwankungsanfällig wahrgenommen als eine Aktie.
Aber auch Anleihen besitzen Marktpreise.
Steigen Marktzinsen, können bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons an Wert verlieren.
Verschlechtert sich die Bonität eines Emittenten, kann der Kurs ebenfalls fallen.
Und bei einem Zahlungsausfall kann sogar ein erheblicher Teil des eingesetzten Kapitals verloren gehen.
Genau deshalb ist ein Anleihefonds nicht automatisch ein Sicherheitsprodukt.
97 Prozent des Fonds stecken in Anleihen
Zum Bilanzstichtag waren 97,14 Prozent des Fondsvermögens in Rentenpapieren investiert.
Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Liquidität beziehungsweise Forderungen.
Damit hängt die wirtschaftliche Entwicklung nahezu vollständig von den gehaltenen Anleihen ab.
163.819 Euro ordentlicher Nettoertrag
Das laufende Geschäft funktionierte grundsätzlich.
Der Fonds erwirtschaftete einen ordentlichen Nettoertrag von
163.818,94 Euro.
Das zeigt:
Die Anleihen erzeugten tatsächlich laufende Erträge.
Trotzdem endete das Gesamtjahr im Minus.
244.604 Euro Jahresverlust
Das Jahresergebnis betrug:
minus 244.603,97 Euro.
Der Grund liegt insbesondere in Kurs- und Bewertungseffekten.
Die nicht realisierten Bewertungsverluste beliefen sich auf
382.363,31 Euro.
Hinzu kam ein negatives Ergebnis aus Wertpapierverkäufen.
Damit wurden die laufenden Zinserträge mehr als aufgezehrt.
Das ist ein gutes Beispiel für das Zinsänderungsrisiko
Anleger sollten deshalb zwischen zwei völlig unterschiedlichen Ertragsquellen unterscheiden.
Die erste ist der Kupon.
Eine Anleihe kann beispielsweise fünf Prozent Zinsen zahlen.
Die zweite ist ihre Kursentwicklung.
Verliert dieselbe Anleihe gleichzeitig zehn Prozent ihres Marktwertes, kann der Anleger trotz des Kupons insgesamt im Minus liegen.
Bei einem Fonds wird genau dieser Effekt täglich im Nettoinventarwert sichtbar.
Der Anteilwert fällt auf 90,43 Euro
Der Anteilwert sank innerhalb des Berichtszeitraums von
99,03 Euro
auf
90,43 Euro.
Das ist für einen Rentenfonds ein durchaus relevanter Rückgang.
Anleger, die Anleihen vor allem mit Kapitalstabilität verbinden, sollten sich diese Zahl deshalb genau ansehen.
Fondsvermögen nur noch 3,69 Millionen Euro
Noch interessanter ist die Größe des Fonds.
Das Nettofondsvermögen beträgt lediglich
3,69 Millionen Euro.
Im Vorjahr waren es noch 4,13 Millionen Euro.
Damit gehört der Murphy&Spitz Green Bond Fund zu den sehr kleinen Publikumsfonds.
Ein kleines Fondsvolumen ist nicht automatisch problematisch.
Es kann aber wirtschaftliche Nachteile erzeugen.
Fixkosten verteilen sich auf wenig Vermögen
Jeder Fonds verursacht Kosten.
Dazu gehören unter anderem:
Verwaltung,
Verwahrstelle,
Prüfung,
externe Dienstleister
und sonstige administrative Aufwendungen.
Bei einem großen Fonds verteilen sich viele dieser Kosten auf hunderte Millionen oder sogar Milliarden Euro Fondsvermögen.
Bei einem Fonds mit weniger als vier Millionen Euro können dieselben Fixkosten prozentual wesentlich stärker ins Gewicht fallen.
Gesamtkostenquote von 1,52 Prozent
Die ausgewiesene Gesamtkostenquote beträgt 1,52 Prozent.
Transaktionskosten sind darin nicht enthalten.
Diese beliefen sich zusätzlich auf rund 4.002 Euro.
Die Verwaltungsvergütung betrug rund 22.822 Euro.
Für die Verwahrstelle entstanden rund 11.423 Euro.
Weitere externe Dienstleistungen kosteten gut 10.000 Euro.
Das sind absolut keine riesigen Beträge.
Gemessen am kleinen Fondsvermögen werden sie aber relevant.
Keine Performance Fee
Positiv:
Eine erfolgsabhängige Vergütung fiel nicht an.
Das ist gerade in einem Verlustjahr sinnvoll.
Gleichzeitig flossen Anlegergelder ab
Das Fondsvermögen sank nicht ausschließlich wegen negativer Kursentwicklungen.
Auch Mittelabflüsse spielten eine Rolle.
Damit entsteht ein Punkt, den Anleger beobachten sollten.
Wenn ein kleiner Fonds kontinuierlich Anlegerkapital verliert, können die Fixkosten relativ zum verbleibenden Vermögen weiter steigen.
Im Extremfall stellt sich irgendwann die Frage, ob ein sehr kleiner Fonds wirtschaftlich noch sinnvoll betrieben werden kann.
Davon ist nicht automatisch auszugehen.
Aber bei 3,69 Millionen Euro Fondsvermögen ist die Entwicklung der Mittelzuflüsse und -abflüsse eine relevante Kennzahl.
4 Euro Ausschüttung
Trotz des Verlustjahres wurden 4 Euro je Anteil ausgeschüttet.
Insgesamt belief sich die Ausschüttung auf rund
163.380 Euro.
Auch hier gilt:
Eine Ausschüttung ist keine zusätzliche Rendite.
Sie entzieht dem Fonds Vermögen und reduziert entsprechend den Nettoinventarwert.
Anleger sollten deshalb nicht Ausschüttung und wirtschaftlichen Gesamterfolg miteinander verwechseln.
„Green Bond“ bedeutet nicht „sichere Anleihe“
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft den Fondsnamen.
Green Bonds unterscheiden sich von normalen Anleihen vor allem dadurch, dass die aufgenommenen Mittel für entsprechend definierte ökologische beziehungsweise nachhaltige Zwecke eingesetzt werden sollen.
Das verändert aber nicht die grundlegende Kreditmechanik.
Der Emittent muss Zinsen zahlen.
Er muss die Anleihe zurückzahlen.
Und wenn seine Bonität schwächer wird, kann auch ein Green Bond erhebliche Kursverluste erleiden.
„Grün“ ist deshalb eine Aussage über die Mittelverwendung beziehungsweise Nachhaltigkeitsmerkmale.
Es ist keine Bonitätsgarantie.
Das Prüfungsurteil ist uneingeschränkt
Positiv ist auch hier das Prüfungsurteil.
Der Abschlussprüfer bestätigte den Jahresbericht ohne Einschränkungen.
Damit bestehen aus dem veröffentlichten Prüfungsurteil keine Hinweise auf wesentliche Beanstandungen der Rechnungslegung.
Unser Fazit: Die Zinsen waren da – die Rendite trotzdem nicht
Der Murphy&Spitz Green Bond Fund liefert ein anschauliches Beispiel dafür, warum Anleger bei Rentenfonds nicht nur auf den Kupon schauen dürfen.
Der Fonds erwirtschaftete einen ordentlichen Nettoertrag von rund 163.819 Euro.
Trotzdem entstand ein Jahresverlust von rund 244.604 Euro.
Der Anteilwert fiel auf 90,43 Euro.
Die Jahresperformance betrug minus 4,66 Prozent.
Und das Fondsvermögen sank auf nur noch 3,69 Millionen Euro.
Ursächlich waren insbesondere Kurs- und Bewertungseffekte bei den gehaltenen Anleihen sowie ein negatives Veräußerungsergebnis.
Für Anleger kommen deshalb zwei Fragen zusammen.
Erstens:
Erholen sich die Kurse der gehaltenen Anleihen beziehungsweise werden sie bei Fälligkeit vollständig zurückgezahlt?
Und zweitens:
Kann der Fonds sein derzeit sehr kleines Fondsvolumen stabilisieren oder wieder steigern?
Gerade die zweite Frage sollte nicht unterschätzt werden.
Denn bei nur 3,69 Millionen Euro Fondsvermögen bekommen Verwaltungs- und sonstige Fixkosten zunehmend Gewicht.
Der Jahresbericht zeigt damit sehr deutlich:
Ein Green-Bond-Fonds kann nachhaltig investieren.
Er kann hohe Zinserträge erzielen.
Und Anleger können trotzdem Geld verlieren.
Die Zahlen sind durch den am 30. September veröffentlichten Jahresbericht beziehungsweise dessen Auswertung belegt: 3,69 Mio. Euro Fondsvermögen, 90,43 Euro Anteilwert, −244.603,97 Euro Jahresergebnis, 163.818,94 Euro ordentlicher Nettoertrag, 382.363,31 Euro unrealisierte Bewertungsverluste und 1,52 % Gesamtkostenquote. Das Verbraucherschutzforum
Kommentar hinterlassen