Nach dem Tod des langjährigen iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei hat die Expertenversammlung im Iran dessen Sohn Mojtaba Chamenei zum neuen geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik bestimmt. Die Entscheidung fiel wenige Tage nach dem Tod des bisherigen Führers, der bei den Angriffen im Zusammenhang mit dem aktuellen US-israelischen Krieg gegen den Iran ums Leben kam.
Die Expertenversammlung, ein Gremium aus 88 Geistlichen, ist laut iranischer Verfassung für die Wahl des obersten Führers zuständig. In einer Erklärung teilte das Gremium mit, man habe Ayatollah Seyyed Mojtaba Hosseini Chamenei mit klarer Mehrheit zum dritten Revolutionsführer der Islamischen Republik ernannt.
Umstrittene Nachfolge
Die Ernennung ist im Iran nicht unumstritten. Kritiker sehen darin eine dynastische Machtübertragung, die dem Geist der Revolution von 1979 widerspreche. Damals war die Monarchie des Schahs gestürzt worden – viele Iraner lehnen daher jede Form von politischer Erbfolge ab.
Auch international sorgt die Entscheidung für Spannungen. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten sollten ein Mitspracherecht bei der Auswahl des neuen iranischen Führers haben. Ohne Zustimmung der USA werde Chamenei „nicht lange im Amt bleiben“, sagte Trump in einem Interview.
Einflussreicher Geistlicher im Hintergrund
Mojtaba Chamenei wurde 1969 in der schiitischen Pilgerstadt Maschhad geboren. Er studierte später in Qom, dem wichtigsten Zentrum der schiitischen Religionsausbildung im Iran, und trägt den Geistlichentitel Hojjatoleslam, der unterhalb des Ranges eines Ajatollahs liegt.
Während des Iran-Irak-Krieges diente er in einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Offizielle politische Ämter bekleidete er nie, dennoch galt er seit Jahren als einflussreiche Figur im Machtapparat seines Vaters.
Beobachter gehen davon aus, dass er hinter dem politischen Aufstieg des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad stand, der 2005 zum Präsidenten gewählt wurde.
Rolle bei Protesten und Machtkämpfen
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Mojtaba Chamenei während der Proteste im Iran 2009 sowie bei den Frauenrechtsprotesten 2022. Demonstranten warfen ihm vor, großen Einfluss auf Sicherheitskräfte und politische Entscheidungen auszuüben.
Die US-Regierung verhängte bereits 2019 Sanktionen gegen ihn. Das US-Finanzministerium warf ihm damals vor, im Auftrag seines Vaters politischen Einfluss auszuüben, obwohl er nie offiziell gewählt oder in ein Regierungsamt berufen worden sei.
Erste familiäre Machtübergabe seit der Revolution
Mit seiner Ernennung kommt es erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 zu einer direkten Machtübertragung vom Vater auf den Sohn im Amt des Revolutionsführers.
Experten gehen davon aus, dass Mojtaba Chamenei besonders innerhalb der Revolutionsgarden (IRGC) über starken Rückhalt verfügt, vor allem bei jüngeren und radikaleren Teilen des Sicherheitsapparats.
Persönliche Verluste
Der neue Revolutionsführer erlitt kurz vor seiner Ernennung auch einen persönlichen Verlust: Seine Ehefrau wurde bei den Luftangriffen Ende Februar getötet. Sie war die Tochter des einflussreichen konservativen Politikers und früheren Parlamentspräsidenten Gholamali Haddadadel.
Mit der Ernennung Mojtaba Chameneis beginnt für den Iran eine neue Phase politischer Führung – in einer Zeit, in der das Land zugleich mit militärischen Konflikten, internationalen Spannungen und innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert ist.
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