Startseite Allgemeines Mode-Deal mit Risiko: Warum der 500-Millionen-Euro-Verkauf von NKD nach Südafrika Euphorie bei den Chefs, aber Panik an der Börse auslöst
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Mode-Deal mit Risiko: Warum der 500-Millionen-Euro-Verkauf von NKD nach Südafrika Euphorie bei den Chefs, aber Panik an der Börse auslöst

philreeseabb (CC0), Pixabay
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Die oberfränkische Billigmodekette NKD, mit Sitz in Bindlach im Landkreis Bayreuth, steht vor einem der größten Eigentümerwechsel ihrer Unternehmensgeschichte. Für knapp 500 Millionen Euro soll sie an den südafrikanischen Modekonzern Mr Price verkauft werden. Beide Unternehmen haben den Kaufvertrag bereits unterzeichnet – doch die Transaktion sorgt nicht nur für internationales Aufsehen, sondern auch für Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Ein Deal mit Signalwirkung

Laut Mr Price fügt sich NKD „perfekt in die Wachstumsstrategie“ des südafrikanischen Konzerns ein. Der Händler, der bislang 15 Einzelhandelsketten betreibt und auf mehr als 3.100 Filialen kommt, will mit dem Zukauf seinen Umsatzsprung von knapp 41 auf rund 53 Milliarden Rand (etwa 2,67 Milliarden Euro jährlich) realisieren.
Für Mr-Price-CEO Mark Blair war nach dem ersten Kennenlernen klar: NKD sei das „richtige Übernahmeziel“.

Auch auf Seiten von NKD klingt der Ton optimistisch. Geschäftsführer Alexander Schmökel spricht von einer langfristigen Stärkung der Marktposition in Europa. Der neue Eigentümer sei fest im Handel verankert und bringe die nötige Branchenkenntnis mit, um die Expansionsstrategie konsequent umzusetzen.

Filialnetz soll massiv wachsen

NKD betreibt bereits heute über 10.000 Mitarbeiter und Filialen in sieben europäischen Ländern – darunter Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Polen und Tschechien – ergänzt durch einen Onlineshop.
Langfristig sollen diese Strukturen nun erheblich ausgebaut werden: Die Vision der neuen Eigentümer lautet, das Netz auf 4.000 Filialen europaweit auszuweiten. Ein ehrgeiziger Schritt, der NKD in eine neue Liga heben würde – und zugleich große Investitionen erfordert.

Börsenreaktion: Begeisterung sieht anders aus

Während die Unternehmensführungen den Deal feiern, zeigen sich die Aktionäre des Käufers alles andere als überzeugt. An der Börse in Johannesburg sackte die Aktie von Mr Price um 12,3 Prozent ab – ein deutlicher Vertrauensverlust innerhalb kürzester Zeit.

Der Grund: Viele Investoren halten den Kaufpreis für überzogen und sehen die Expansion auf den europäischen Markt kritisch. Der südafrikanische Portfolio-Manager Casparus Treurnicht äußerte sich ungewöhnlich scharf:
„So gut wie alle Einzelhändler, die das gemacht haben, sind mit eingezogenem Schwanz wieder zurückgekommen.“
Treurnicht argumentiert zudem, dass NKD gemessen an seinem Gewinn nicht annähernd den nun gezahlten Preis rechtfertige.

Wettbewerb der Interessenten – und der Rückzug des Finanzinvestors

NKD war zuletzt im Jahr 2019 vom Londoner Finanzinvestor TDR Capital übernommen worden. Nach sechs Jahren Kapitalbeteiligung zieht sich TDR nun zurück – offenbar mit solidem Gewinn.
Neben Mr Price hatte sich auch der polnisch-britische Einzelhandelskonzern Pepco für NKD interessiert. Der Einstieg des südafrikanischen Unternehmens zeigt daher auch, wie attraktiv der europäische Discount-Modemarkt trotz großer Konkurrenz und Margendruck nach wie vor ist.

Noch ist der Deal nicht final

Der Kauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch europäische und südafrikanische Kartellbehörden. Die Prüfverfahren könnten sich über Monate hinziehen – insbesondere, da Mr Price über seine bestehende Marktstruktur hinaus eine deutliche Expansion plant.

Fazit: Ein großer Wurf – oder ein riskantes Abenteuer?

Der Verkauf von NKD ist ein Meilenstein für das Unternehmen und ein mutiger Schritt für Mr Price. Während das Management die Übernahme als strategische Chance feiert, signalisieren die Märkte Skepsis.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob NKD tatsächlich die Grundlage für eine internationale Erfolgsgeschichte bildet – oder ob sich die Warnungen der Investoren als berechtigt erweisen.

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