Der Leverkusener Konzern Bayer hat in den USA einen weiteren milliardenschweren Vergleich im Zusammenhang mit Klagen rund um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat geschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, soll die Tochtergesellschaft Monsanto im Rahmen eines umfassenden Sammelvergleichs – vorbehaltlich der Zustimmung eines US-Gerichts – über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (rund 6,13 Milliarden Euro) auszahlen.
Mit dem Vergleich sollen sowohl bereits anhängige als auch mögliche künftige Klagen beigelegt werden. In den Vereinigten Staaten sind derzeit Zehntausende Verfahren anhängig, in denen Kläger dem Unternehmen vorwerfen, Glyphosat habe Krebs verursacht. Bayer betont jedoch, dass der Vergleich kein Schuldeingeständnis darstelle.
Langfristige Planungssicherheit angestrebt
Die Zahlungen sollen laut Bayer über die Jahre hinweg sinken und zudem gedeckelt sein. Durch die langfristige Vereinbarung erhofft sich der Konzern mehr finanzielle Planbarkeit und Kontrolle über die erheblichen Kosten der Rechtsstreitigkeiten – sowohl für aktuelle als auch für mögliche künftige Verfahren.
Bereits in der Vergangenheit hatte Bayer milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Insgesamt wurden nach Unternehmensangaben bislang mehr als zehn Milliarden Dollar für entsprechende Einigungen aufgewendet. Vorstandschef Bill Anderson sprach nun von einem „klaren Weg aus den Unsicherheiten“ im Zusammenhang mit den Glyphosat-Klagen.
Anhaltende Debatte um Krebsrisiko
Glyphosat ist weltweit einer der am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, unter anderem im bekannten Unkrautvernichter „Roundup“. Das Mittel steht seit Jahren im Zentrum einer kontroversen Debatte: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ein. Andere Institutionen, darunter weitere WHO-Gremien und europäische Behörden, kamen hingegen zu einer abweichenden Bewertung und sehen bei sachgemäßer Anwendung kein entsprechendes Risiko.
Bayer weist den Vorwurf einer krebserregenden Wirkung weiterhin zurück. Glyphosat sei ein „sicheres und wichtiges Werkzeug für Bauern in den USA und weltweit“, erklärte Anderson. Der Konzern gehe die Vergleiche ein, um die Rechtsstreitigkeiten möglichst umfassend und zügig einzudämmen – nicht jedoch, weil man die Vorwürfe teile.
Gerichtliche Zustimmung steht noch aus
Der Sammelvergleich muss noch von einem zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Missouri genehmigt werden. Die Kläger sollen im Rahmen des Verfahrens informiert werden und die Möglichkeit erhalten, die Vereinbarung abzulehnen. Erst danach kann die Einigung endgültig in Kraft treten.
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