Donald Trumps jüngste Namenspolitik stößt in den USA auf wenig Begeisterung. Eine neue Reuters/Ipsos-Umfrage zeigt: Eine klare Mehrheit der Amerikaner lehnt die von US-Präsident Donald Trump angeordnete Umbenennung des Lake Ontario in „Lake America“ ab. Auch seine hohen Zölle auf Waren aus Kanada finden nur vergleichsweise wenige Unterstützer.
Nach der Erhebung sprechen sich 63 Prozent der Befragten gegen die Umbenennung des Lake Ontario aus. Lediglich 14 Prozent unterstützen den Schritt.
Ähnlich sieht es beim Handelsstreit mit Kanada aus: 57 Prozent lehnen Trumps Zölle auf kanadische Waren ab, während 20 Prozent diese befürworten.
Für die landesweite Online-Umfrage wurden zwischen dem 28. und 30. August insgesamt 1.023 Erwachsene in den USA befragt. Die statistische Fehlermarge beträgt vier Prozentpunkte.
Trump verhängt 50-Prozent-Zölle gegen Kanada
Der Streit um den Namen des Sees ist Teil eines wesentlich größeren Konflikts zwischen Washington und Ottawa.
Nachdem Handelsgespräche zwischen den beiden Nachbarländern gescheitert waren, verhängte Trump im August umfassende Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche Waren aus Kanada.
Kanada reagierte seinerseits. Premierminister Mark Carney belegte amerikanische Exporte mit Zöllen zwischen 15 und 50 Prozent.
Trump drohte darüber hinaus damit, die Zölle auf kanadische Autos und Autoteile von bislang 25 auf ebenfalls 50 Prozent anzuheben.
Damit befindet sich zwischen zwei traditionell eng miteinander verbundenen Handelspartnern inzwischen ein ausgewachsener Zollkonflikt – und mitten darin bekam plötzlich auch ein See einen neuen Namen.
Aus Lake Ontario soll „Lake America“ werden
Am 27. August unterzeichnete Trump eine Executive Order, mit der seine Regierung angewiesen wurde, den Lake Ontario auf amerikanischer Seite offiziell in „Lake America“ umzubenennen.
Der Lake Ontario gehört zu den fünf Großen Seen Nordamerikas und liegt direkt an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada.
Die Bezeichnung Ontario ist mehrere Jahrhunderte alt. Der Name geht auf ein Wort der Irokesen zurück, das sinngemäß „See der glänzenden Wasser“ bedeutet.
Kanadas Premierminister Mark Carney machte bereits deutlich, dass sein Land nicht vorhat, sich der amerikanischen Namensänderung anzuschließen. Für Kanadier werde der See weiterhin Lake Ontario heißen.
Damit besitzt das Gewässer zumindest politisch plötzlich zwei Identitäten: Lake America aus Sicht der Trump-Regierung – Lake Ontario aus Sicht Kanadas.
Digitale Karten reagieren schnell
Besonders schnell reagierten einige Kartendienste. Google Maps und Apple Maps passten nach Trumps Anordnung die Bezeichnung auf ihren Plattformen an und zeigten „Lake America“ an.
Die Namensänderung erinnert an Trumps vorherigen Vorstoß beim Golf von Mexiko. Bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte der Präsident angeordnet, das Gewässer in den Vereinigten Staaten als „Gulf of America“ zu bezeichnen.
International setzte sich dieser Name allerdings nicht flächendeckend durch. Mexiko und große Teile der internationalen Gemeinschaft verwenden weiterhin die traditionelle Bezeichnung Golf von Mexiko.
Normalerweise gibt es ein formelles Verfahren
Für die offizielle Benennung geografischer Orte innerhalb der Vereinigten Staaten ist grundsätzlich das U.S. Board on Geographic Names zuständig.
Das Gremium besteht aus Vertretern verschiedener Bundesbehörden. Normalerweise werden Änderungen geografischer Namen in einem formellen Prüfverfahren behandelt.
Bereits bei der Umbenennung des Golfs von Mexiko hatte die Trump-Regierung diesen Prozess jedoch erheblich beschleunigt.
Auch beim Lake Ontario soll es schnell gehen. Trumps Executive Order verpflichtet das US-Innenministerium und das Board on Geographic Names dazu, die neue Bezeichnung innerhalb von 30 Tagen formal umzusetzen.
Die Bevölkerung scheint andere Prioritäten zu haben
Politisch könnte der Vorstoß Trump allerdings mehr Aufmerksamkeit als Zustimmung bringen. Die neue Umfrage zeigt jedenfalls eine ungewöhnlich deutliche Diskrepanz: 63 Prozent Ablehnung stehen lediglich 14 Prozent Zustimmung gegenüber.
Noch kritischer für die Regierung dürfte sein, dass nicht nur die symbolische Umbenennung eines Sees, sondern auch die wirtschaftlich wesentlich bedeutenderen Kanada-Zölle mehrheitlich auf Ablehnung stoßen.
Damit wird aus dem Streit um „Lake America“ mehr als nur eine kuriose Debatte über Landkarten. Er steht inzwischen symbolisch für den wachsenden politischen und wirtschaftlichen Konflikt zwischen Washington und Ottawa.
Und während Regierungen über Zölle und neue Namen streiten, bleibt zumindest geografisch alles beim Alten: Das Wasser zwischen den USA und Kanada liegt noch immer genau dort, wo es vorher lag.
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