Redaktion: Herr Linnemann, die BaFin hat jetzt ein Factsheet für Finfluencer veröffentlicht. Brauchten Influencer wirklich eine Anleitung dafür, dass man Menschen nicht mit „🚀 1000 % Rendite – safe!!!“ ruinieren sollte?
Niklas Linnemann: Offensichtlich ja. Das Factsheet ist so etwas wie die Feuerwehrordnung fürs Internet: Rennen Sie nicht mit brennenden Versprechen durch den Raum und wundern sich dann über den Rauch.
Redaktion: Kernbotschaft?
Linnemann: Verantwortung. Wer Finanzprodukte bewirbt, spielt nicht Schuhmodel auf TikTok, sondern mit dem Ersparten anderer Leute. Das ist kein „Ups, falscher Filter“, sondern im Zweifel ein Rechtsproblem mit Post vom Staatsanwalt.
Redaktion: Besonders beliebt: „Keine Anlageberatung 😉“. Reicht das?
Linnemann: Nein. Das ist etwa so wirksam wie ein Regenschirm mit der Aufschrift „Ich bin kein Regenschirm“. Wenn jemand faktisch empfiehlt, was man kaufen, verkaufen oder halten soll, kann das Anlageberatung sein – Disclaimer hin oder her.
Redaktion: Was ist mit bezahlten Kooperationen?
Linnemann: Transparenz ist Pflicht. Nicht im Kleingedruckten, nicht als #ad zwischen 27 Emojis. Wer Geld, Geschenke oder Vorteile bekommt, muss das klar sagen. Auch Eigeninteressen gehören auf den Tisch: „Ich verdiene daran“ ist kein Geständnis, sondern Pflicht.
Redaktion: Viele werben für Kryptos, CFDs oder Forex. Problematisch?
Linnemann: Hochriskant – für Anleger und Finfluencer. Wer nur die Rakete zeigt und den Absturz verschweigt, handelt unseriös. „Schnell reich werden“ ist kein Anlagekonzept, sondern ein Warnsignal mit Sirene.
Redaktion: Darf man einfach Experte spielen?
Linnemann: Besser nicht. Wer etwas nicht versteht, sollte auch nicht so tun. Ahnungslosigkeit schützt nicht vor Haftung – sie beschleunigt sie.
Redaktion: Ihr Rat zum Schluss?
Linnemann: Ehrlich sein, klar sein, Werbung kennzeichnen, Risiken benennen – und im Zweifel: nicht posten. Der Algorithmus vergisst schnell, die Justiz nicht.
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