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Man wird doch mal träumen dürfen als 1. FC Magdeburg Fan

jarmoluk (CC0), Pixabay
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Man wird doch wohl mal träumen dürfen.

Als Fan des 1. FC Magdeburg sowieso.

Wir haben schon ganz andere Zeiten erlebt. Wir haben Abstiege erlebt, Aufstiege, graue Jahre, große Abende, völlige Verzweiflung und diese wunderbaren Momente, in denen man sich fragt, warum man sich diesen Verein eigentlich immer wieder antut.

Und dann sagt Präsident Jörg Biastoch plötzlich ganz offen: Natürlich möchte der 1. FC Magdeburg irgendwann in der Bundesliga spielen. Und natürlich träumt man auch davon, irgendwann wieder europäisch unterwegs zu sein.

Ja, verdammt.

Warum eigentlich nicht?

Europa? Moment mal, da war doch was

Für andere Vereine klingt der Traum vom Europapokal vielleicht wie Größenwahn.

Für Magdeburg nicht ganz.

Wir müssen niemandem erklären, dass dieser Verein europäische Geschichte geschrieben hat.

1974 gewann der 1. FC Magdeburg den Europapokal der Pokalsieger.

Das ist keine Folklore, die sich irgendeine Marketingabteilung ausgedacht hat. Das ist Teil der Identität dieses Vereins.

Natürlich kann man jetzt sagen: Das ist mehr als 50 Jahre her.

Stimmt.

Aber Tradition hat im Fußball nun einmal eine erstaunlich lange Halbwertszeit.

Und wenn man als Magdeburger davon träumt, irgendwann wieder auf einer europäischen Bühne zu stehen, dann ist das vielleicht verrückt.

Aber es ist zumindest historisch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Erst einmal Bundesliga – wir wollen ja nicht gleich übertreiben

Bevor wir jetzt anfangen, Flüge nach Barcelona oder Manchester zu buchen, wäre da allerdings noch eine kleine Zwischenstation.

Die Bundesliga.

Auch das klingt für einen Verein, der vor nicht allzu langer Zeit ganz andere Sorgen hatte, zunächst einmal ziemlich groß.

Aber schaut man sich an, was in Magdeburg entstanden ist, darf man zumindest anfangen, darüber nachzudenken.

Der Verein hat sich in der 2. Bundesliga etabliert.

Es wurde nicht nur Geld in Spieler gesteckt, sondern auch in Infrastruktur.

Rund zwölf Millionen Euro flossen in den neuen Profi- und Nachwuchscampus. Ein erheblicher Teil davon soll aus eigenen Mitteln finanziert worden sein.

Trainingsplätze, Nachwuchsarbeit, professionelle Bedingungen – genau das sind die Dinge, die man braucht, wenn man irgendwann nicht nur eine gute Saison spielen, sondern dauerhaft wachsen möchte.

Und offenbar hören die Verantwortlichen von Spielern, Trainern und Beratern inzwischen sogar, dass die Bedingungen in Magdeburg mit manchen Bundesliga-Standorten mithalten können.

Das darf man dann als Fan ruhig einmal genießen.

Bitte bloß kein Harakiri

Was mir an den Aussagen des Präsidenten allerdings fast noch besser gefällt als das Wort Bundesliga, ist etwas anderes:

Es soll eben nicht mit Gewalt passieren.

Kein teurer Kader auf Pump.

Kein Alles-oder-nichts.

Kein „Wir kaufen jetzt fünf Namen und hoffen, dass es irgendwie klappt“.

Das wäre nämlich genau die Art Fußballromantik, die zwei Jahre später beim Insolvenzgericht endet.

Magdeburg will offenbar lieber den Weg gehen, den Vereine wie Freiburg, Mainz oder Heidenheim vorgemacht haben.

Langsam wachsen.

Talente entwickeln.

Spieler besser machen.

Transferwerte schaffen.

Gezielt investieren.

Und vor allem: wirtschaftlich nicht komplett den Verstand verlieren.

Ganz ehrlich?

Wenn wir schon träumen, dann bitte so.

Freiburg als Vorbild? Damit kann ich leben

Freiburg ist in dieser Hinsicht tatsächlich ein ziemlich schönes Beispiel.

Die haben auch nicht eines Morgens beschlossen: So, ab morgen sind wir Europapokal.

Das war ein Prozess.

Gute Nachwuchsarbeit.

Klare Strukturen.

Kontinuität.

Spieler entwickeln, verkaufen, wieder neu investieren.

Und irgendwann spielt man plötzlich international.

Warum sollte so etwas in Magdeburg grundsätzlich unmöglich sein?

Natürlich hat Freiburg einen Vorsprung.

Natürlich ist die Bundesliga finanziell eine andere Welt.

Natürlich kann man nicht einfach einen Entwicklungsweg kopieren.

Aber man kann Prinzipien übernehmen.

Und eines davon lautet:

Nicht jedes Problem mit Geld erschlagen.

Das ist schon einmal ein erfreulicher Ansatz.

Dann ist da noch dieses Wort: Momentum

Biastoch spricht auch davon, dass man einen Aufstieg nicht auf einen Kalender schreiben kann.

Und damit hat er recht.

Fußball lässt sich nicht wie ein Neubau planen.

2028 Fundament.

2029 Dach.

2030 Bundesliga.

So funktioniert das nicht.

Manchmal kommt eine Saison, in der plötzlich alles zusammenpasst.

Ein Stürmer trifft aus jeder Lage.

Der Torwart hält Dinge, die eigentlich drin sein müssten.

Die Mannschaft dreht Spiele in der 88. Minute.

Die Konkurrenz lässt Punkte liegen.

Und auf einmal steht man im März da und sagt:

Moment mal.

Was machen wir eigentlich hier oben?

Genau das ist dieses berühmte Momentum.

Und wenn es irgendwann kommt, dann sollte der FCM verdammt noch mal bereit sein.

Vielleicht ist der eigentliche Fortschritt längst passiert

Früher hätte man bei solchen Aussagen möglicherweise gelacht.

Bundesliga?

Europa?

Magdeburg?

Heute klingt es zumindest nicht mehr vollkommen absurd.

Und vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt.

Nicht, dass der FCM morgen aufsteigt.

Sondern dass man über diese Möglichkeit sprechen kann, ohne sofort den Notarzt rufen zu müssen.

Der Verein hat sich entwickelt.

Das Umfeld ist gewachsen.

Die Infrastruktur wurde verbessert.

Und offenbar traut man sich intern inzwischen zu, den nächsten Schritt irgendwann gehen zu können.

Mehr muss es im Moment gar nicht sein.

Und dann wartet Bayern

Natürlich hat sich der Fußballgott gedacht, dass zu so einem Gespräch über große Träume auch gleich die passende Kulisse gehört.

DFB-Pokal.

Allianz Arena.

FC Bayern München.

Für den FCM das erste Pokalspiel in diesem Stadion.

Und selbstverständlich darf man in Magdeburg darauf hinweisen, dass man gegen Bayern im DFB-Pokal noch nie verloren hat.

Statistisch völlig wasserdicht.

Man muss dabei nur elegant verschweigen, wie überschaubar die Zahl der bisherigen Begegnungen ist.

Im Jahr 2000 haben wir Bayern im Elfmeterschießen rausgeworfen.

Also wissen wir doch grundsätzlich, wie es geht.

Problem gelöst.

Die Allianz Arena in Blau-Weiß?

Dass die Allianz Arena bei diesem Spiel vermutlich eine ordentliche blau-weiße Ecke bekommen wird, dürfte niemanden überraschen.

FCM-Fans fahren schließlich überall hin.

Wenn irgendwo elf Männer in Blau-Weiß gegen einen Ball treten, besteht eine ziemlich gute Chance, dass plötzlich mehrere Tausend Magdeburger danebenstehen.

Und gegen Bayern?

Da dürfte die Nachfrage geringfügig größer sein als bei einem Testspiel an einem verregneten Dienstagabend.

Sportlich haben wir nichts zu verlieren.

Und genau solche Spiele können wunderbar sein.

Wenn Bayern gewinnt, sagt jeder: logisch.

Wenn Magdeburg gewinnt, reden wir darüber noch in 30 Jahren.

Das nennt man eine angenehme Ausgangslage.

Aber zurück zum großen Traum

Bundesliga.

Irgendwann Europa.

Natürlich sollte niemand anfangen, daraus jetzt eine Verpflichtung abzuleiten.

Wenn der FCM in zwei Jahren nicht Bundesliga spielt, ist das Projekt nicht gescheitert.

Wenn es fünf Jahre dauert, dauert es eben fünf Jahre.

Vielleicht dauert es zehn.

Vielleicht klappt es nie.

Auch das gehört zur Wahrheit.

Aber Fußball lebt doch genau davon, dass nicht jede Hoffnung vorher in einer Excel-Tabelle auf ihre Eintrittswahrscheinlichkeit geprüft wird.

Wenn man als Fan nicht mehr träumen darf, können wir den Laden auch gleich schließen.

Stellen wir uns das nur einmal kurz vor

Nur für einen Moment.

Samstagnachmittag.

Bundesliga.

Volles Haus in Magdeburg.

Bayern kommt.

Dortmund kommt.

Frankfurt kommt.

Leipzig kommt.

Und irgendwann steht irgendwo auf einem UEFA-Spielplan tatsächlich wieder:

1. FC Magdeburg.

Dann würden wahrscheinlich einige der Älteren erzählen, wie das damals 1974 war.

Und die Jüngeren würden antworten:

Schön.

Aber jetzt sind wir wieder da.

Völlig verrückt?

Natürlich.

Realistisch für morgen?

Ganz sicher nicht.

Unmöglich?

Das hätte man über viele Dinge in der Geschichte dieses Vereins auch schon gesagt.

Also lasst uns ruhig ein bisschen spinnen.

Lasst die Verantwortlichen weiter seriös arbeiten.

Lasst sie Steine statt Luftschlösser bauen.

Lasst Talente entwickeln.

Lasst den Verein finanziell vernünftig bleiben.

Und wenn irgendwann dieses berühmte Momentum kommt, dann sollten wir bereit sein.

Denn mal ehrlich:

Man wird doch mal träumen dürfen als 1. FC Magdeburg Fan.

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