Nicolás Maduro war jahrelang daran gewöhnt, ein Land wie eine Mischung aus Staatsapparat, Familienbetrieb und Dauerkrise zu regieren. Jetzt sitzt der ehemalige starke Mann Venezuelas seit über 80 Tagen im Metropolitan Detention Center in Brooklyn – einer Haftanstalt, die unter Insassen ungefähr den Ruf genießt, den Caracas unter Devisenhändlern hat: Man geht nur hin, wenn es wirklich schiefgelaufen ist.
Sein Sohn versichert derweil pflichtbewusst, Papa sei „in guter Stimmung“, trainiere täglich und könne bald „dünner und athletischer“ wieder auftauchen. Das ist rührend optimistisch. Andere nennen so etwas schlicht: PR aus dem Familienbunker.
Denn das MDC Brooklyn ist nicht gerade ein Wellness-Retreat für gefallene Autokraten. Ehemalige Verantwortliche und Anwälte beschreiben die Haftbedingungen als „Hölle auf Erden“: Isolation, miserable Hygiene, extreme Temperaturen, dürftige medizinische Versorgung und Speisepläne, die laut Klagen gelegentlich mit einer gewissen zusätzlichen Eiweißquelle serviert werden – in Form von Würmern in Bohnen.
Man könnte sagen:
Der Mann, unter dessen Herrschaft Millionen Venezolaner Mangel, Angst und Kontrollverlust erlebt haben, lernt nun das amerikanische Premium-Modell staatlicher Härte kennen.
Besonders unerquicklich: Maduro sitzt wohl weitgehend isoliert, möglicherweise 23 Stunden am Tag in Einzelhaft. Kein Volk, kein Balkon, keine Fernsehansprache, kein Staatsfernsehen. Nur Zelle, Tablett, Türschlitz. Selbst seine Ehefrau Cilia Flores, ebenfalls inhaftiert, darf er wohl nicht sehen. In föderalen US-Verfahren ist Romantik schließlich nur erlaubt, solange sie nicht als mögliche Beweisabsprache gilt.
Sein Sohn nennt Flores eine „erste Kämpferin“. In Brooklyn dürfte das vor allem bedeuten: durchhalten, nicht verzweifeln, auf den nächsten Anwalt warten.
Die Ironie dieses Falls ist kaum zu übersehen. Ein Mann, dessen Regime jahrelang Kritiker einsperrte, sitzt nun selbst in einer Einrichtung, die von Bürgerrechtlern als menschenunwürdig kritisiert wird. Das ist keine poetische Gerechtigkeit. Es ist eher geopolitische Groteske mit Haftaufschlag.
Am 26. März steht die nächste Anhörung an. Dann wird die Welt zum ersten Mal sehen, wie sich ein Ex-Autokrat nach Wochen in einem der härtesten Knäste Amerikas hält.
Vielleicht wirklich schlanker.
Vielleicht athletischer.
Ganz sicher aber ohne Staatskette.
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