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Learnd SE: Wie wenige Tausend Euro den Aktienkurs bewegen können

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Die Aktie der Learnd SE gehört zu den besonders marktengen Titeln am deutschen Aktienmarkt. Solche sogenannten Microcap-Aktien zeichnen sich durch ein sehr geringes Handelsvolumen aus. Das bedeutet: Schon vergleichsweise kleine Orders können den Kurs deutlich beeinflussen.

Eine Analyse der Marktstruktur zeigt, dass bei der Learnd-SE-Aktie bereits wenige Tausend Euro Kapital ausreichen könnten, um kurzfristig deutliche Kursbewegungen auszulösen.

Ein dünnes Orderbuch bestimmt den Preis

Der entscheidende Faktor bei marktengen Aktien ist das sogenannte Orderbuch. Dort werden alle Kauf- und Verkaufsorders mit Preis und Stückzahl erfasst. Je weniger Orders vorhanden sind, desto schneller kann sich der Kurs verändern.

Ein beispielhaftes Orderbuch einer solchen Aktie könnte etwa so aussehen:

Preis Verkaufsorders
3,00 € 400 Aktien
3,20 € 600 Aktien
3,50 € 800 Aktien
3,80 € 900 Aktien
4,20 € 1.200 Aktien

Liegt der aktuelle Kurs beispielsweise bei 3,00 Euro, müsste ein Käufer lediglich die ersten Verkaufsorders aufkaufen, um den Kurs anzuheben.

Kleine Orders – große Wirkung

Eine einfache Modellrechnung zeigt, wie schnell sich der Kurs bewegen kann.

Kauft ein Anleger zunächst 1.000 Aktien, etwa 400 Stück zu 3,00 Euro und weitere 600 Stück zu 3,20 Euro, investiert er rund 3.120 Euro. Bereits dadurch könnte der Kurs auf etwa 3,20 Euro steigen.

Noch deutlicher wird der Effekt bei größeren Käufen. Werden zusätzlich weitere Verkaufsorders aufgekauft, etwa bis zum Preis von 3,50 Euro, summiert sich der Kapitaleinsatz auf rund 5.900 Euro. Der Kurs könnte dadurch bereits um 16 bis 20 Prozent steigen.

Selbst ein stärkerer Kurssprung wäre theoretisch möglich: Werden mehrere Verkaufsstufen im Orderbuch aufgekauft, könnten etwa 9.000 bis 10.000 Euro Investition ausreichen, um den Kurs kurzfristig um 25 bis 30 Prozent nach oben zu bewegen.

Extrem niedriger Handel

Der Grund dafür liegt im sehr geringen Handelsvolumen der Aktie. Schätzungen zufolge werden bei Learnd SE im Durchschnitt nur etwa 200 bis 500 Aktien pro Handelstag umgesetzt.

Viele Tage vergehen sogar komplett ohne Handel. Das führt dazu, dass das Orderbuch oft sehr dünn ist und einzelne Orders eine überproportionale Wirkung entfalten.

Aktionärsstruktur verstärkt den Effekt

Hinzu kommt die Struktur der Aktionäre. Insgesamt existieren etwa 24,7 Millionen Aktien, von denen rund 12 bis 13 Millionen dem Streubesitz zugerechnet werden. Der Rest liegt bei Gründern, Management und frühen Investoren.

Da große Anteilseigner ihre Bestände meist langfristig halten, ist der tatsächlich liquide Anteil deutlich kleiner als der offizielle Streubesitz.

Auch deshalb wechseln jährlich nur relativ wenige Aktien den Besitzer. Schätzungen zufolge werden pro Jahr lediglich 50.000 bis 120.000 Aktien gehandelt. Das entspricht weniger als ein Prozent des Streubesitzes.

Zum Vergleich: Bei großen DAX-Unternehmen wechseln teilweise mehrere hundert Prozent des Streubesitzes pro Jahr den Besitzer.

Typische Eigenschaften von Microcap-Aktien

Die Learnd-SE-Aktie weist viele typische Merkmale eines Microcaps auf:

  • Marktkapitalisierung unter 100 Millionen Euro

  • sehr niedrige Liquidität

  • geringe Analystenabdeckung

  • langfristige Aktionärsstruktur

Solche Aktien können dadurch besonders volatil sein. Schon kleinere Kauf- oder Verkaufsorders können deutliche Kursschwankungen auslösen.

Marktmechanik – keine Manipulation

Wichtig ist dabei: Diese Effekte ergeben sich aus der Marktmechanik illiquider Aktien. Sie bedeuten nicht automatisch, dass Kursbewegungen manipulativ sind.

Gezielte Kursmanipulation – etwa durch künstliche Orders oder abgestimmte Handelsstrategien – ist in Deutschland eine Straftat nach dem Marktmissbrauchsrecht und wird von der Finanzaufsicht BaFin verfolgt.

Fazit

Die Aktie der Learnd SE gehört zu den besonders marktengen Titeln am deutschen Aktienmarkt. Aufgrund des niedrigen Handelsvolumens und eines dünnen Orderbuchs können bereits Kapitalbeträge im Bereich von etwa 5.000 bis 15.000 Euro ausreichen, um kurzfristig deutliche Kursbewegungen auszulösen.

Für Anleger bedeutet das einerseits höhere Kursschwankungen, andererseits aber auch ein deutlich erhöhtes Risiko bei Kauf und Verkauf größerer Positionen.

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