Finanzielle Bildung, Schutz vor Anlagebetrug und Vermögenssicherung im Fokus unserer Wahlprüfsteine
Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 haben die Internetportale „diebewertung.de“ und „verbrauchschutzportal.berlin“ die im Landtag vertretenen Parteien mit einem Fragenkatalog zum Verbraucher- und Anlegerschutz konfrontiert.
Hintergrund ist die seit Jahren zunehmende Zahl von Betrugsfällen im Internet, unseriösen Kapitalanlagen, Cyberkriminalität sowie die wachsende Unsicherheit vieler Verbraucher beim Umgang mit digitalen Finanzangeboten.
Insbesondere ältere Menschen werden immer häufiger Opfer professionell organisierter Betrüger. Gleichzeitig kommen bereits Jugendliche über soziale Netzwerke mit Finanzprodukten, Kryptowährungen, Influencer-Werbung und teilweise hochriskanten Anlageangeboten in Kontakt.
Vor diesem Hintergrund wollten wir von den Parteien wissen, welche konkreten Maßnahmen sie in den Bereichen Verbraucher- und Anlegerschutz, finanzielle Bildung sowie Betrugsprävention planen.
Die AfD Sachsen-Anhalt hat unsere Fragen inzwischen beantwortet. Die Stellungnahme erfolgte durch Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender und Programmdirektor der Partei.
Finanzielle Bildung soll verpflichtender Bestandteil des Schulunterrichts werden
Ein zentraler Punkt unserer Anfrage war die Frage, ob finanzielle Bildung künftig stärker in den Schulen verankert werden sollte.
Aus Sicht der AfD müsse Schule wieder stärker auf die Anforderungen des realen Lebens vorbereiten. Die Partei spricht sich dafür aus, Finanz-, Wirtschafts- und Verbraucherkompetenz dauerhaft in den Lehrplänen zu verankern.
Nach Auffassung der Partei sollten junge Menschen frühzeitig lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen und Risiken bei Kapitalanlagen einschätzen zu können.
Besonders mit Blick auf digitale Finanzmärkte, Online-Handelsplattformen, Kryptowährungen und moderne Anlageformen sieht die AfD erheblichen Aufklärungsbedarf. Jugendliche müssten lernen, wie Vermögensaufbau funktioniert und welche Chancen, aber auch Risiken mit verschiedenen Anlageformen verbunden sind.
Gerade dieser Punkt deckt sich mit unseren langjährigen Erfahrungen aus der täglichen Berichterstattung. Viele Betrugsmodelle setzen heute gezielt auf mangelnde finanzielle Kenntnisse und werben insbesondere über soziale Medien um junge Anleger.
Schutz älterer Menschen vor Online- und Anlagebetrug
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Wahlprüfsteine war der Schutz älterer Bürgerinnen und Bürger.
Nach unseren Erfahrungen stammen viele Opfer von Anlagebetrug, Fake-Brokern oder sogenannten Recovery-Scams aus der Generation 60 plus. Häufig verlieren Betroffene dabei Ersparnisse, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Die AfD bewertet den bisherigen Schutz älterer Menschen als unzureichend. Die Partei fordert eine deutlich konsequentere Bekämpfung von Cyberkriminalität und internationalen Betrügernetzwerken.
Nach den Vorstellungen der AfD sollen Polizei und Justiz personell und technisch gestärkt werden, um gegen moderne Formen der Internetkriminalität effektiver vorgehen zu können. Gleichzeitig wird eine intensivere Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlungsbehörden wie Interpol befürwortet.
Die Partei vertritt dabei die Auffassung, dass insbesondere organisierte Tätergruppen konsequent verfolgt und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssen.
Prävention: Unterschiedliche Ansätze bei der Aufklärung
Besonders interessant fällt die Antwort der AfD auf die Frage nach regionalen Informationsveranstaltungen aus.
Während wir in unseren Wahlprüfsteinen ausdrücklich angeregt hatten, verstärkt auf lokale Informationsveranstaltungen in Städten und Gemeinden zu setzen, sieht die Partei klassische Informationsabende eher kritisch.
Stattdessen spricht sich die AfD für breit angelegte Aufklärungskampagnen über Fernsehen und Radio aus. Nach Auffassung der Partei könne man auf diesem Weg deutlich mehr Menschen erreichen als über einzelne Veranstaltungen vor Ort.
Ziel solcher Kampagnen soll es sein, Bürger über aktuelle Betrugsmaschen wie den Enkeltrick, Schockanrufe, Fake-Broker, Phishing-Angriffe oder den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz bei Betrugsdelikten zu informieren.
Ob dieser Ansatz tatsächlich wirksamer ist als lokale Präventionsveranstaltungen, dürfte Gegenstand politischer Diskussionen bleiben. Verbraucherschützer setzen seit Jahren auf eine Kombination aus persönlicher Beratung, regionaler Aufklärung und digitaler Information.
Schutz privater Vermögen als politische Aufgabe
Auf die Frage, welche Rolle das Land Sachsen-Anhalt beim Schutz privater Vermögen spielen sollte, verweist die AfD vor allem auf Eigentumsschutz und steuerliche Entlastungen.
Die Partei spricht sich für eine Senkung der Grunderwerbsteuer sowie für die Abschaffung der Grundsteuer aus. Darüber hinaus wird die Bedeutung von Bargeld hervorgehoben und eine Ausweitung staatlicher Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen kritisch bewertet.
Nach Ansicht der Partei wissen Bürger grundsätzlich selbst am besten, wie sie ihr Vermögen verwalten und sichern möchten.
Verbraucher- und Anlegerschutz bleibt eine politische Daueraufgabe
Die Antworten der AfD zeigen, dass die Partei den Schwerpunkt insbesondere auf finanzielle Eigenverantwortung, stärkere Strafverfolgung und eine Ausweitung wirtschaftlicher Bildung legt.
Gleichzeitig wird deutlich, dass die Themen Anlagebetrug, Cyberkriminalität und Verbraucherschutz längst nicht mehr nur Randthemen sind. Die Zahl der Betrugsfälle im Internet steigt seit Jahren. Allein im Bereich der Fake-Broker und betrügerischen Online-Handelsplattformen entstehen jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe.
Auch die zunehmende Professionalisierung internationaler Tätergruppen stellt Politik, Ermittlungsbehörden und Verbraucherschützer vor erhebliche Herausforderungen.
CDU Sachsen-Anhalt hat bislang nicht geantwortet
Die identischen Fragen wurden von unserer Redaktion auch an die CDU Sachsen-Anhalt übermittelt.
Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags liegt jedoch keine Antwort der Partei vor.
Wir bedauern dies ausdrücklich, da Verbraucher- und Anlegerschutz aus unserer Sicht wichtige politische Themen darstellen, zu denen Wählerinnen und Wähler vor einer Landtagswahl konkrete Positionen der Parteien kennen sollten.
Selbstverständlich werden wir eine Stellungnahme der CDU nachreichen und veröffentlichen, sobald uns diese vorliegt.
Transparenz für unsere Leser
Unser Ziel ist es, den Lesern von „diebewertung.de“ und „verbrauchschutzportal.berlin“ einen möglichst umfassenden Überblick darüber zu geben, wie die Parteien in Sachsen-Anhalt zentrale Fragen des Verbraucher- und Anlegerschutzes bewerten.
Gerade in Zeiten zunehmender digitaler Risiken, wachsender Betrugsgefahren und komplexer Finanzmärkte ist es wichtiger denn je, dass Politik nicht nur über Verbraucherschutz spricht, sondern konkrete und nachvollziehbare Konzepte vorlegt.
Die vollständigen Antworten der AfD Sachsen-Anhalt liegen der Redaktion vor und können bei Bedarf im Wortlaut eingesehen werden.
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