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Labour und Brexit: Die Kunst, es allen recht zu machen – und dabei niemanden zu überzeugen

Tumisu (CC0), Pixabay
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Brexit war schlecht.
Aber auch nicht so schlecht, dass man ihn rückgängig machen will.
Und schon gar nicht so schlecht, dass man das zu laut sagen würde.

Willkommen bei der aktuellen Brexit-Strategie der britischen Labour-Partei.

Finanzministerin Rachel Reeves hat es diese Woche auf den Punkt gebracht:

Die neue Linie der Labour-Regierung klingt wie ein politischer Spagat auf höchstem Niveau:

  • näher an die EU rücken

  • aber nicht zu nah

  • Regeln angleichen

  • aber bitte ohne Mitglied zu werden

  • wirtschaftlich profitieren

  • ohne politisch Farbe zu bekennen

Kurz gesagt:
👉 Alles haben, nichts entscheiden.

Dass dieser Balanceakt nötig ist, liegt an der eigenen Wählerschaft.

Nach der krachenden Niederlage 2019 hatte Labour gelernt:
Zu viel Europa schreckt Brexit-Wähler ab.

Also hielt man sich zurück.
Nicht zurück zum EU-Beitritt – sondern zurück zur Vorsicht.

Das Problem:
Die Wähler haben sich inzwischen weiterentwickelt.
Und zwar nicht unbedingt in die Richtung, die Labour gehofft hatte.

Ein Großteil der Labour-Anhänger würde heute lieber wieder in die EU zurückkehren.
Gleichzeitig wandern enttäuschte Wähler zu anderen Parteien ab:

  • Die einen zu Reform UK – also Richtung Brexit-Hardliner

  • Die anderen zu Grünen und Liberaldemokraten – also Richtung „Zurück in die EU“

👉 Labour verliert also gleichzeitig nach rechts und nach links.

Eine beachtliche Leistung.

Die aktuelle Strategie wirkt daher wie der Versuch, ein politisches Minenfeld zu durchqueren –
mit verbundenen Augen und einem Kompass, der in zwei Richtungen gleichzeitig zeigt.

Denn selbst scheinbar technische Fragen – etwa ob britische Lebensmittel wieder nach EU-Regeln produziert werden sollen – entpuppen sich schnell als politischer Sprengstoff.

Folgt man Brüssel, heißt es: Verrat am Brexit.
Folgt man London, bleiben die wirtschaftlichen Probleme.

Und genau hier liegt das Dilemma:

👉 Brexit schadet der Wirtschaft
👉 Aber seine Rückabwicklung schadet der Politik

Labour versucht deshalb das Unmögliche:
Die Vorteile der EU zurückholen, ohne die Entscheidung gegen sie infrage zu stellen.

Das ist in etwa so, als würde man eine Scheidung bereuen –
aber trotzdem weiterhin getrennt wohnen wollen.

Fazit

Die politische Front hat sich verschoben.

Nicht mehr die Brexit-Befürworter entscheiden die Richtung,
sondern zunehmend jene, die ihn rückgängig machen wollen.

Doch Labour scheint noch nicht bereit, das offen auszusprechen.

Stattdessen bleibt es bei der Strategie:

👉 Ein bisschen EU
👉 ein bisschen Brexit
👉 und sehr viel Hoffnung, dass es niemand so genau merkt

Oder anders gesagt:

Die Partei sucht weiterhin nach dem perfekten Mittelweg –
in einer Frage, die längst keine Mitte mehr kennt.

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