Der Krieg gegen Iran beginnt auch in den USA spürbar auf den Alltag durchzuschlagen. Der durchschnittliche Benzinpreis stieg auf vier Dollar pro Gallone und erreichte damit den höchsten Stand seit 2022. Auslöser ist nach den vorliegenden Informationen vor allem die Lage in der Straße von Hormus, wo der Öltanker-Verkehr infolge des Krieges faktisch zum Erliegen gekommen sein soll.
Damit wächst nicht nur der Druck auf die Märkte, sondern auch auf das Weiße Haus. Präsident Donald Trump reagierte mit scharfen Angriffen auf Verbündete und forderte Länder, die auf Treibstofflieferungen angewiesen seien, unverblümt auf, sich ihr Öl selbst zu beschaffen.
Engpass an einer der wichtigsten Seerouten der Welt
Die Straße von Hormus gehört zu den strategisch bedeutendsten Nadelöhren des globalen Energiemarkts. Wenn dort Tanker ausfallen oder nur noch eingeschränkt fahren, wird das schnell weltweit spürbar. Dass der US-Benzinpreis nun wieder die Marke von vier Dollar erreicht, ist daher mehr als nur eine statistische Bewegung. Es ist ein politisches Signal.
Steigende Spritpreise treffen in den Vereinigten Staaten direkt die öffentliche Stimmung. Sie gelten als einer der sensibelsten wirtschaftlichen Indikatoren überhaupt. Für Trump ist das heikel: Er hatte sich stets als Garant niedriger Energiepreise inszeniert.
Trump verschärft Ton gegenüber Europa
Statt zu beschwichtigen, verschärfte Trump den Ton gegenüber den europäischen Verbündeten. Nach den vorliegenden Berichten kritisierte er insbesondere, dass sich europäische Staaten nicht stärker an dem Krieg beteiligten. Großbritannien und andere Länder, die auf Flugbenzin angewiesen seien, sollten zur Straße von Hormus fahren und es sich dort „einfach nehmen“.
Die Äußerung fügt sich in ein bekanntes Muster. Trump koppelt militärische und wirtschaftliche Fragen seit Jahren eng an Loyalitätsforderungen gegenüber Verbündeten. Der Krieg gegen Iran scheint diese Linie noch einmal zu verschärfen.
Pentagon deutet neue Eskalation an
Gleichzeitig mehren sich die Hinweise auf eine mögliche weitere militärische Ausweitung. Das US Central Command teilte mit, dass sich die USS Tripoli, von der angenommen wird, dass sie Marines an Bord hat, im Indischen Ozean befinde. Das allein ist noch kein Beleg für einen bevorstehenden Bodeneinsatz. Doch die symbolische Wirkung ist erheblich.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trug bei einem Pentagon-Briefing zusätzlich zur Unklarheit bei. Das US-Militär wolle in diesem Krieg „unberechenbar“ bleiben, sagte er. Das gelte auch mit Blick auf mögliche amerikanische Bodentruppen in Iran. Es ist eine Formulierung, die Raum für Abschreckung schaffen soll – und zugleich neue Spekulationen befeuert.
Hegseth spricht von Regimewechsel
Besonders auffällig war eine weitere Aussage des Ministers. Hegseth erklärte, in Iran habe ein „Regime change“ stattgefunden. Zugleich sagte er, die Vereinigten Staaten konzentrierten sich darauf, einen Deal zu erreichen, der den Krieg beenden solle.
Beides zusammen wirkt widersprüchlich. Einerseits spricht der Verteidigungsminister so, als sei die politische Ordnung in Teheran bereits grundlegend verändert. Andererseits betont er, Washington strebe eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges an. Das wirft Fragen auf: Soll ein neuer Machtzustand in Iran militärisch abgesichert werden? Oder handelt es sich eher um eine politische Botschaft, mit der Druck aufgebaut werden soll?
Neue Angriffe in Iran
Unterdessen wurden aus Iran neue Luftangriffe gemeldet. Nach den vorliegenden Berichten wurde auf der Insel Qeshm eine Entsalzungsanlage außer Betrieb gesetzt. Zudem sollen mehrere Städte erneut getroffen worden sein. Auch von Schäden an medizinischer Infrastruktur ist die Rede.
Berichten staatlicher iranischer Medien zufolge wurden zuletzt ein Werk zur Herstellung von Krebsmedikamenten sowie ein psychiatrisches Krankenhaus in Teheran getroffen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nur schwer. Gleichwohl wächst damit der Eindruck, dass der Krieg immer tiefer in die zivile Infrastruktur des Landes eingreift.
Angriff auf Tanker vor Dubai
Zugleich wurde gemeldet, ein kuwaitischer Tanker sei vor den Gewässern Dubais von Iran angegriffen worden. Sollte sich das bestätigen, würde dies die Sorge vor einer noch breiteren Destabilisierung des Seehandels weiter verschärfen. Schon jetzt ist die Nervosität auf den Energiemärkten groß. Jeder zusätzliche Zwischenfall erhöht das Risiko weiterer Preissprünge.
Spanien bleibt auf Distanz
Während Washington den Druck auf Verbündete erhöht, bleibt Spanien bei seinem Kurs. Die spanische Verteidigungsministerin erklärte demnach, das Land werde die Nutzung seiner Militärbasen und seines Luftraums für Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Krieg der USA und Israels gegen Iran nicht genehmigen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte den Militäreinsatz bereits früh als einseitige Eskalation kritisiert. Auch später hielt er an seiner Linie fest und warf den USA und Israel vor, das Völkerrecht untergraben und den Nahen Osten destabilisiert zu haben. Trump reagierte darauf mit persönlichen Attacken und drohte Spanien Berichten zufolge sogar mit wirtschaftlichen Konsequenzen.
Dass Madrid an seiner Position festhält, zeigt, wie brüchig die westliche Einigkeit in diesem Konflikt ist.
Wachsende Zweifel auch in Trumps Lager
Hinzu kommt ein innenpolitisches Problem. Der Krieg gegen Iran stößt offenbar nicht einmal im republikanischen Lager nur auf Zustimmung. Zwar gibt es weiter deutliche Unterstützung unter Trump-Anhängern, doch Umfragen zeigen demnach auch eine beachtliche Minderheit, die einen längeren Krieg oder gar amerikanische Bodentruppen ablehnt.
Hegseth wischte diese Bedenken beiseite. Er verstehe nicht, warum Trumps Basis nicht an dessen Fähigkeit glauben sollte, den Krieg richtig zu führen. Gerade dieser Satz dürfte Kritiker eher bestärken als beruhigen. Denn er verweist auf ein zentrales Dilemma der Regierung: Trump war mit dem Versprechen angetreten, die USA aus endlosen Kriegen herauszuhalten. Nun steht seine Regierung vor der Frage, wie weit sie in Iran tatsächlich gehen will.
Der Preis des Krieges
Der Anstieg der Benzinpreise ist deshalb mehr als eine wirtschaftliche Randnotiz. Er markiert den Moment, in dem ein ferner Krieg innenpolitisch konkret wird. Für Millionen Amerikaner ist nicht die Militärstrategie entscheidend, sondern der Preis an der Zapfsäule.
Sollte die Lage in der Straße von Hormus angespannt bleiben, könnten die Energiepreise weiter steigen. Dann würde der Krieg nicht nur auf den Schlachtfeldern in Iran entschieden, sondern auch an Tankstellen, Börsen und in den politischen Debatten innerhalb der Vereinigten Staaten.
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