Der bekannte Komponist Stephen Schwartz hat erklärt, dass er am Kennedy Center nicht mehr auftreten wird. Grund dafür ist die Entscheidung des Vorstands, den Namen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in den offiziellen Namen des renommierten Kulturzentrums aufzunehmen.
„Ein Auftritt dort ist nun zu einer ideologischen Aussage geworden“, erklärte Schwartz. „Solange das so bleibt, werde ich dort nicht auftreten.“
Widersprüchliche Aussagen zur geplanten Teilnahme
Der Präsident des Kennedy Centers, Richard Grenell, widersprach dem jedoch öffentlich. Auf der Plattform X bezeichnete er die Berichte über Schwartz’ Absage als „völlig erfunden“. Schwartz sei nie offiziell für das Event im Mai gebucht worden, betonte Grenell. „Ich habe nie ein einziges Gespräch mit ihm geführt, seit ich hier bin.“
Schwartz wiederum erklärte gegenüber der BBC, dass er Ende 2024 von der künstlerischen Leitung der Washington National Opera angefragt worden sei, an einer Gala im Mai teilzunehmen. Er habe zugesagt, danach aber seit Februar nichts mehr vom Veranstalter gehört und angenommen, dass das Projekt nicht weiterverfolgt werde.
Als ein Reporter ihn am Donnerstag darauf ansprach, dass sein Name nun auf dem Programm stehe, zeigte er sich überrascht. Laut CNN wurde sein Name am Freitag wieder von der Website entfernt.
Weitere Künstler sagen ab
Schwartz ist nicht der Einzige, der Konsequenzen zieht. Bereits zuvor hatten zwei Musik-Acts ihre geplanten Auftritte am Kennedy Center abgesagt.
Die Jazzgruppe The Cookers strich zwei Silvesterkonzerte kurzfristig aus dem Programm – ohne dabei direkt auf Trump oder das Kennedy Center einzugehen. In einem kurzen Statement hieß es lediglich, die Entscheidung sei „sehr kurzfristig gefallen“.
Auch die Tanzgruppe Doug Varone and Dancers sagte zwei geplante Vorstellungen im April ab – diesmal mit klaren Worten: „Wir können es uns nicht mehr erlauben – noch wollen wir unser Publikum darum bitten – diese einst großartige Institution zu betreten.“
Grenell reagierte scharf und sprach von „einer Form von Verblendungssyndrom“.
Streit um politisches Symbol und Namensänderung
Bereits zuvor hatte Jazz-Schlagzeuger Chuck Redd sein traditionelles Weihnachtskonzert am Kennedy Center abgesagt – eine Veranstaltung, die er seit 2006 jedes Jahr durchgeführt hatte. Grenell bezeichnete den Schritt als „politische Inszenierung“ und drohte sogar mit einer Schadensersatzforderung in Höhe von einer Million Dollar.
Die Umbenennung des Kulturzentrums wurde im Dezember vom Vorstand beschlossen – ein Gremium, das Trump während seiner Amtszeit mit loyalen Verbündeten besetzt hatte. Seitdem trägt das Haus den Namen „Donald J. Trump and John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“. Die neue Beschilderung wurde bereits am nächsten Tag am Gebäude angebracht.
Kritik von Kennedys Familie und Verfassungsrechtlern
Die Entscheidung sorgt weiterhin für erhebliche Kontroversen. Einige US-Abgeordnete und Verfassungsrechtler argumentieren, dass eine Änderung des Namens, der 1964 per Gesetz festgelegt wurde, nur mit Zustimmung des Kongresses möglich sei.
Auch Mitglieder der Kennedy-Familie verurteilten den Schritt. Der ehemalige Abgeordnete und Großneffe von John F. Kennedy, Joe Kennedy III, sagte, das Zentrum sei „ein lebendiges Denkmal für einen ermordeten Präsidenten, dessen Name per Bundesgesetz festgelegt wurde“.
„Es lässt sich ebenso wenig umbenennen wie das Lincoln Memorial – ganz gleich, was irgendjemand behauptet“, so Kennedy.
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