Kolumbien gilt als das weltweit gefährlichste Land für Gewerkschafter. Laut der Internationalen Gewerkschaftskonföderation (ITUC) wurden allein im Jahr 2024 weltweit 22 Gewerkschafter wegen ihres Aktivismus getötet – elf davon in Kolumbien. Seit den 1970er Jahren wurden mehr als 3.000 Gewerkschafter in Kolumbien ermordet.
Einer der Betroffenen ist Jesús Cometa, Gewerkschaftsvertreter der Sintrainagro im Cauca-Tal. Im Juli letzten Jahres überlebte er einen Mordanschlag, bei dem Unbekannte auf sein Auto schossen. Sein Leibwächter wurde schwer verletzt und trägt noch immer eine Kugel im Brustkorb.
Cometa sagt, dass die Arbeit als Gewerkschafter ein ständiges Risiko birgt: „Man verliert sein soziales Leben, kann nicht einfach in eine Bar gehen oder sich in der Öffentlichkeit zeigen, weil man nie weiß, wann man angegriffen wird.“
Die Gewalt gegen Gewerkschafter ist tief in Kolumbiens Geschichte verwurzelt. Während des jahrzehntelangen Bürgerkriegs zwischen linken Guerillas, rechten Paramilitärs und dem Staat wurden Gewerkschaften oft als linksextrem und terroristisch abgestempelt. Dadurch rechtfertigten viele die Angriffe.
Fabio Arias, Chef des Gewerkschaftsdachverbands CUT, sieht die Angriffe zudem im Zusammenhang mit Kolumbiens illegalen Wirtschaftszweigen, wie dem Kokainhandel und illegalem Bergbau. Besonders betroffen sind Regionen wie Cauca, Nariño und Arauca, in denen Drogenanbau und illegaler Bergbau florieren.
Einige Gewerkschafter werfen Privatunternehmen vor, bewaffnete Gruppen anzuheuern, um Arbeitnehmer einzuschüchtern – insbesondere während Lohnverhandlungen. Viele dieser Angriffe bleiben jedoch unaufgeklärt.
Im Cauca-Tal gibt es zahlreiche bewaffnete Gruppen, sodass die Urheberschaft von Angriffen oft unklar bleibt. Neben der Zuckerindustrie sind auch andere Sektoren betroffen. Jimmy Núñez, Gewerkschaftsführer der Straßenhändler in Cali, berichtet von mehreren Mordversuchen, die er nur knapp überlebte.
Präsident Gustavo Petro versucht, die Situation zu verbessern. Er erkannte 2023 die Gewerkschaftsbewegung offiziell als Opfer des bewaffneten Konflikts an, was die Chancen auf eine juristische Aufarbeitung erhöht.
Luc Triangle von der ITUC fordert zudem von multinationalen Unternehmen mehr Verantwortung: „Sie können nicht ein ethisches Unternehmensleitbild haben und gleichzeitig schweigen, wenn Gewerkschafter getötet werden.“
Trotz der Fortschritte bleibt Kolumbien ein gefährlicher Ort für Gewerkschafter. Es bedarf nicht nur politischer Lösungen, sondern auch des Engagements internationaler Unternehmen, um die Lage nachhaltig zu verbessern.
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